Weil das Maske anziehen zu viel Zeit kostet?

Busfahrer verweigert Hilfe: Rollstuhlfahrerin ärgert sich über Rosenheimer Stadtverkehr

Ärgert sich über den Rosenheimer Stadtverkehr: Sandra Gläser (48) sitzt seit sechs Jahren im Rollstuhl. Vor einigen Tagen hat sich ein Busfahrer geweigert, die Rollstuhlrampe auszuklappen.
+
Ärgert sich über den Rosenheimer Stadtverkehr: Sandra Gläser (48) sitzt seit sechs Jahren im Rollstuhl. Vor einigen Tagen hat sich ein Busfahrer geweigert, die Rollstuhlrampe auszuklappen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
    schließen

Die Corona-Pandemie wirbelt den Alltag vieler Menschen durcheinander. Immer wieder gibt es neue Einschränkungen und Regelungen. Einen Überblick zu behalten, fällt schwer und führt zu Verunsicherungen. Auch bei einer Fahrt mit dem ÖPNV. Die Geschichte einer Rollstuhlfahrerin aus Rosenheim.

Rosenheim – Sandra Gläser fühlt sich diskriminiert. Das sagt sie gleich zu Beginn des Telefonats. Seit 6 Jahren sitzt die 48-Jährige im Rollstuhl, hat sich mittlerweile sogar ein elektronisches Modell zugelegt. Trotzdem fällt es ihr schwer, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen. „Aufgeben kommt für mich nicht in Frage“, sagt sie. Sie sei eine Kämpferin, jemand, der den Kopf nicht in den Sand stecke. Es ist eine Einstellung, die ihr in den schwierigen Situationen ihres Leben schon einige Male geholfen hat.

Rosenheimerin leidet an Morbus Sudeck

Damals, als sie mit dem Rad unterwegs war und von einem Autofahrer angefahren wurde. Und einige Monate später, als die Ärzte bei ihr die Schmerzerkrankung Morbus Sudeck diagnostizierten. Eine Krankheit, die sie seither an den Rollstuhl fesselt. Aber eben auch in Alltagssituationen. Wie vor einigen Tagen.

Lesen Sie auch: Fahrt ins Ungewisse: ÖPNV in Rosenheim steckt tief in der Krise

Es sei ein regnerischer Tag gewesen. In die Stadt sei sie mit ihrem E-Rollstuhl gefahren. Weil sie auf dem Rückweg nicht nass werden wollte, entschied sie sich für die Fahrt mit dem Bus. So jedenfalls der Plan. Doch das sei gar nicht so einfach gewesen.

Dürfen Busfahrer die Rollstuhlrampe nicht mehr ausklappen?

„Der Busfahrer hat gesagt, er darf die Rollstuhlrampe nicht mehr ausklappen“, erinnert sich Sandra Gläser. Sie sei fassungslos gewesen, habe mit dem Busfahrer diskutiert und ihn gebeten, ihr zu helfen.

Doch dieser habe, so sagt sie, nur immer wieder darauf verwiesen, dass er zwar gerne helfen würde, er die Rampe aber nicht mehr ausklappen dürfe. Schließlich hätten sich zwei Fahrgäste eingeschaltet und der 48-Jährigen beim Ein- und Ausstieg geholfen.

Auf Hilfe des Busfahrers angewiesen

Sauer ist Sandra Gläser trotzdem. Noch Tage später kann sie nicht glauben, was ihr widerfahren ist. „Das ist doch totaler Blödsinn“, sagt sie. Sie habe nun einmal nicht immer eine Begleitperson dabei, sei auf die Hilfe des Busfahrers angewiesen. „Er ist verpflichtet, mir zu helfen.“

Es ist eine Meinung, die auch Christine Mayer teilt, die Behindertenbeauftragte der Stadt Rosenheim. „Sie hat genau das gleiche Recht wie alle anderen, mit dem Bus zu fahren“, sagt sie. Auch ohne Begleitperson.

Fahrer müssten beim Aufstehen einen Mundschutz aufsetzen

Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Stadtverkehrs Rosenheim, weiß das. „Natürlich helfen wir Leuten, die es nicht leicht haben“, sagt er. Bleibt die Frage, warum sein Mitarbeiter genau das eben nicht getan hat. Laut Töppel sei das Problem in der Corona-Zeit, dass die Fahrer, wenn sie ihren Platz verlassen, einen Mundschutz aufsetzen müssten.

Lesen Sie auch: Neue Fahrpläne beim Stadtverkehr Rosenheim

Das koste zusätzliche Zeit. Genau die sei aufgrund des Notfallfahrplans aber sowieso schon knapp. Töppel appelliert deshalb auch weiterhin an die Mithilfe der Fahrgäste. Damit seine Fahrer eben nicht extra ihre Maske aufsetzen müssten.

Kein Verständnis für Töppels Aussage

„Eine Maske aufzusetzen dauert zwei Sekunden“, sagt Gläser. Verständnis für Töppels Erklärung hat sie nicht. Sie hofft, dass ihre Beschwerde etwas bringt, sie in Zukunft anders behandelt wird. Denn eigentlich sollte Busfahren ihr Leben leichter machen, nicht schwerer.

Mehr zum Thema

Kommentare