Wegen Corona-Schließung

Bücher auf Rädern: Die Stadtbibliothek Rosenheim setzt auf ihre Medienboten

„Eine willkommene Abwechslung“: Medienbotin Beate Michael verteilt schon seit dem ersten Lockdown zahlreiche Bücher der Rosenheimer Stadtbibliothek mit ihrem Fahrrad.
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„Eine willkommene Abwechslung“: Medienbotin Beate Michael verteilt schon seit dem ersten Lockdown zahlreiche Bücher der Rosenheimer Stadtbibliothek mit ihrem Fahrrad.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Die erneute Schließung aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen hat die Rosenheimer Stadtbibliothek hart getroffen. Nachdem sogar der Abholservice nicht mehr möglich ist, reagieren die größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter und wollen die Bücher mit dem Fahrrad in der ganzen Stadt verteilen.

Rosenheim – Buch aussuchen, E-mail schreiben, liefern lassen. So einfach funktioniert der Medienlieferdienst bei der Rosenheimer Stadtbibliothek. Das 2016 entstandene Projekt war ursprünglich dafür gedacht, ältere oder kranke Einwohner zu unterstützen, die nicht mehr aus eigener Kraft in die Bücherei kommen können. Doch nachdem auch der beliebte Abholservice aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen schließen musste, steigt die Nachfrage nach den Medienboten und die zum Großteil ehrenamtlichen Mitarbeiter sind immer mehr für zahlreiche Rosenheimer im Einsatz.

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Lesestoff wird mit dem Fahrrad geliefert

„Man merkt schon deutlich, dass der Lieferdienst durch Corona deutlich mehr genutzt wird“, erzählt Medienbotin Beate Michael. Die Erlenauerin ist von Beginn an dabei und sieht in dem Projekt eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Sie arbeitet derzeit als Büroassistentin im Home-Office und sei daher immer wieder froh, sich auf ihr Fahrrad schwingen zu können und die Bestellungen in ganz Rosenheim zu verteilen.

Michael ist dabei eine von derzeit fünf aktiven ehrenamtlichen Boten, die zusammen mit einigen fest angestellten Mitarbeitern im Dienst der Bibliothek unterwegs sind. Seit der erneuten Verschärfung der Corona-Maßnahmen ist der Lieferdienst das einzige, worauf die Bücherei in Rosenheim zurückgreifen kann, um ihren Lesestoff zu den Leuten zu bekommen.

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„Die plötzliche Schließung des Abholservices, führte dazu, dass in den ersten zwei Tagen bereits viel mehr Anfragen für Medienlieferungen getätigt und zudem mehr Bücher pro Lieferung bestellt wurden“, berichtet Jessica Döhler, die Pressesprecherin der Bibliothek. Statt wie gewohnt ein bis maximal zwei Mal pro Woche, ist Botin Michael daher mittlerweile fast jeden zweiten Tag unterwegs.

Bestellung und Verteilung für ganz Rosenheim

Das Prinzip bleibt dabei genau so, wie vor vier Jahren erdacht. Man kann sich im Online-Katalog die gewünschten Bücher raussuchen und der Stadtbibliothek anschließend per E-mail oder Telefon Bescheid geben, welche Bücher man haben möchte. Ist die gewünschte Bestellung im Bestand verfügbar, geht der Auftrag an die Boten, die die Bücher daraufhin innerhalb des Stadtgebiets Rosenheim verteilen. Nach vier Wochen kann die Lieferung auf Wunsch sogar wieder abgeholt und eine neue Bestellung aufgegeben werden.

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Über die Jahre hat sich dabei bereits eine Art Stammkundschaft etabliert, wie Hildegund Weiß, eine weitere ehrenamtliche Helferin, erzählt. „Ich versorge hauptsächlich eine stark gehbehinderte Dame, die nicht mehr in die Bücherei kommt. Da sie wirklich viel liest, bekommt sie meist eine ganze Tasche voller Bücher.“ Auch die Rentnerin fährt die Bücher regelmäßig mit ihrem Fahrrad aus und achtete in diesem Jahr besonders darauf, die Lieferungen unter Einhaltung aller notwendigen Hygienevorschriften zu übergeben. Teilweise wurde der begehrte Lesestoff mit viel Abstand durch Fenster gereicht oder im Briefkasten hinterlegt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Corona sorgt für zahlreiche Einsätze

Solange die Bücherei geschlossen bleibt, soll die große Verteilungsaktion in jedem Fall erhalten bleiben. Mindestens bis zum 10. Januar versucht Döhler, der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und hat deshalb einige Boten mobilisiert, die schon länger nicht mehr regelmäßig im Einsatz waren. Danach hoffen alle Beteiligten, dass die Bücher nicht nur geliefert, sondern auch wieder ohne Probleme in der Rosenheimer Stadtbibliothek ausgeliehen werden können.

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