Mit Bombenfund rechnen

So sah der Rosenheimer Bahnhof nach dem Luftangriff vom 18./19. April 1945 aus. 14-mal fielen im Zweiten Weltkrieg Bomben auf die Stadt. Foto Stadtarchiv Rosenheim
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So sah der Rosenheimer Bahnhof nach dem Luftangriff vom 18./19. April 1945 aus. 14-mal fielen im Zweiten Weltkrieg Bomben auf die Stadt. Foto Stadtarchiv Rosenheim

Ein spektakulärer Bombenfund wie vor gut einer Woche in München weckt schlimme Erinnerungen bei Rosenheimern, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche gefährlichen Überbleibsel auch hier noch im Boden schlummern.

Rosenheim - Die Notwendigkeit, bei Bauarbeiten in der Stadt das Gelände auf mögliche Kriegsrelikte zu untersuchen, ergibt sich aus der Geschichte. 14-mal wurde Rosenheim im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Hauptziel waren immer wieder die Bahnanlagen. Genau dort wird in den nächsten Jahren große Bautätigkeit einsetzen, wenn zuerst das Gebiet im Norden und dann im Süden der Gleise ein völlig neues Gesicht erhält.

Schon beim Bau der Unterführung zwischen Bahnhof und Klepperstraße wurden zunächst Luftaufnahmen der Alliierten ausgewertet. Diese werden auch bei zukünftigen Baumaßnahmen zu Rate gezogen. Die Bilder zeigen, wo in Rosenheim Bomben niedergegangen sind und belegen die Dichte der Einschläge beim Bahnhof und in Bahnhofsnähe.

Die Stadt setzte sowohl beim Bau der Unterführung 2009 als auch bei der Anlage des Pendlerparkplatzes an der Klepperstraße Fachfirmen ein, die darauf spezialisiert sind, bombenverdächtiges Gelände zu untersuchen. Nicht weit weg, als die Bahn vor rund 30 Jahren die Sozialverwaltung Süd südlich der Gleise neu baute, hatte es einige Funde gegeben.

Auch bei den Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2010 ist man auf Zeugen des Krieges im Boden gestoßen, auf einen aufgefüllten Bombentrichter im Bereich der Kinderkajakstrecke im Mangfallpark Süd. Im Zweiten Weltkrieg war die nahegelegene Mangfallbrücke im Zuge der Stadtzufahrt von Süden über die Innsbrucker/Rathausstraße Ziel der Angreifer. In dem Bombentrichter wurden beim Bau der Kajakstrecke sogenannte 60 Langwaffen gefunden, also Gewehre. Sie waren dort 1945 offenbar kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen versteckt worden. Die Waffen wurden von der Polizei gesichert und entsorgt.

Der Bebauungsplan verpflichtet alle Bauherren, die demnächst auf dem von der Stadt erworbenen Bahngelände im Norden der Gleise aktiv werden, auf mögliche Bombenfunde sachgerecht zu reagieren. Der Fund von Blindgängern ist nicht auszuschließen, wenn auch die Wahrscheinlichkeit gering ist. Die Blindgängerquote insgesamt schwankt laut Statistik zwischen fünf und 30 Prozent, je nach Bombenart und Ziel. Nach fachlicher Einschätzung liege die Quote in betroffenen Bereichen in Rosenheim aber eher bei fünf Prozent, sagt der städtische Baudezernent Helmut Cybulska.

Im Bahngelände ist allerdings auch mit anderen Rückständen zu rechnen. Neben Kampfstoffen aus dem Krieg könnte dort Auffüllmaterial lagern, etwa Bauschutt oder Industrieschlacke. Diese Stoffe gelten zwar als unschädlich für den Boden, müssen aber gegebenenfalls ausgetauscht werden, damit sich ein stabiler Baugrund ergibt.

Kritischer sind dort ölhaltige Rückstände zu sehen, die durch den jahrzehntelangen Bahnbetrieb in den Boden geraten sind. Bei Bodenuntersuchungen sind Bahn und Stadt bereits auf einige Verdachtsfälle gestoßen, die sich aber lokal eingrenzen lassen. Beim Kauf des Grundstücks hat sich die Stadt vertraglich abgesichert. Übersteigen die Kosten der Entsorgung einen gewissen Betrag, geht dies zu Lasten der Bahn.

Im Süden der Gleise, also an der Enzensperger Straße, stellt sich die Situation nach Angaben von Helmut Cybulska wesentlich komplexer dar. Dort dürfte die Altlastenproblematik wesentlich schwerwiegender sein. "Damit wird man sich noch intensiv auseinandersetzen müssen", meint er. Derzeit ist das Gelände noch im Besitz der Bahn.

Die Entschärfung einer Bombe war in Rosenheim letztmals im Februar 2008 notwendig. Sie war vom Kampfmittelräumdienst im Bereich des sogenannten Südbahnhofs entdeckt worden. Über 500 Anwohner mussten damals in der Alz- , Leitzach-, Naab-, Traberhof- und Kufsteiner Straße sowie im Alpenweg etwa zwei Stunden lang evakuiert werden.

bi

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