Selbstversuch

Blut spenden in Rosenheim: Leben retten kann so einfach sein

Luiza Engel (rechts) vom Blutspendedienst des BRK befestigt die Nadel im Arm von OVB-Volontärin Alexandra Schöne. In nicht einmal zehn Minuten laufen 500 Milliliter aus dem Körper in einen Beutel.
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Luiza Engel (rechts) vom Blutspendedienst des BRK befestigt die Nadel im Arm von OVB-Volontärin Alexandra Schöne. In nicht einmal zehn Minuten laufen 500 Milliliter aus dem Körper in einen Beutel.
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Täglich werden in Deutschland 15.000 Blutspenden für Operationen, Krebspatienten oder Unfallopfer benötigt. Wie läuft eine Blutspende in Zeiten der Corona-Pandemie in Rosenheim ab? Ein Selbstversuch.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim – In der Pausenhalle der Grund- und Mittelschule Fürstätt herrscht geschäftiges Treiben. Mitarbeiter vom Blutspendedienst des BRK eilen in weißen Kitteln und roten T-Shirts umher. Auf Tischen stapeln sich Verbände, Packungen mit Einmalhandschuhen und Desinfektionsmittelflaschen.

Mehrere Stationen werden durchlaufen

Bevor es mit der eigentlichen Blutspende aber losgeht, muss jeder Spender mehrere Stationen durchlaufen. Nach der Anmeldung füllt er einen medizinischen Fragebogen aus. Dann geht es weiter in den nächsten Raum, wo der Hämoglobinwert des Blutes bestimmt wird. Ist dieser zu niedrig, fehlen dem Körper die Eisenreserven, um nach der Spende ausreichend rote Blutkörperchen neu zu bilden. So wird man zum Spenden nicht zugelassen. Bei Erstspendern wird außerdem die Blutgruppe bestimmt. Bei der nächsten Station misst ein Arzt Blutdruck, Puls und Temperatur. Hat man all diese Schritte erfolgreich überstanden, kann man auf einer der zwölf Liegen im abgesperrten Bereich in der Halle Platz nehmen.

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Bei den Menschen, die auf den Liegen Platz genommen haben, rinnt bereits tiefrotes Blut aus den Armvenen. Manche liegen während der Prozedur einfach nur da, andere beschäftigen sich mit ihrem Handy. Alle tragen Masken.

Ein halber Liter Blut wird entnommen

Bei einer Blutspende wird dem Körper ein halber Liter entnommen, sagt Luiza Engel vom Blutspendedienst. Während sie spricht, klemmt sie den Arm der Spenderin unterhalb der Schulter für einige Sekunden mit einem blauen Gummiband ab. Damit sich die Venen gut herausbilden. Dann desinfiziert sie mit schnellen Bewegungen die Haut in der Armbeuge, führt die Nadel ein und befestigt sie mit einem Klebestreifen. Ein kurzer Schmerz, und schon läuft das Blut durch einen dünnen Schlauch in den Beutel hinein.

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Eine Uhr auf dem Tisch neben der Liege misst die Zeit, die abgegebenen Milliliter und die Menge pro Minute. Fließt das Blut zu langsam, bekommt man etwas in die Hand und muss zudrücken. „Damit die Muskeln kontraktieren und das Blut besser fließt“, erklärt Eliza Engel. Sie ist die Chefin eines von 20 Teams, die in ganz Bayern für das BRK Spendeaktionen durchführen.

Während zu Beginn der Corona-Krise viele Menschen zu den Terminen geströmt seien, habe dieses Phänomen immer mehr nachgelassen. Das Problem: „Jetzt sind die Blutreserven langsam aufgebraucht“, sagt Eliza Engel. Dass sich in den Krankenhäusern die Operationspläne wieder füllen, sei nur ein Grund. Durch das Sommerloch und die Urlaubszeit seien auch nicht so viele Menschen wie sonst spenden gegangen. Deshalb ist es laut Eliza Engel so wichtig, dass sie genau das wieder machen.

Zwei Röhrchen mit Blut zur Probe ins Labor

Zusätzlich zu dem halben Liter, der bei der Spende aus dem Arm in den Beutel fließt, befüllt sie noch zwei Röhrchen. Diese schickt sie in ein Labor. Dort werden noch einmal die Blutgruppe bestimmt und das Blut auf Infektionskrankheiten wie HIV oder Syphilis untersucht. Ist es gesund, wird es in seine Bestandteile aufgeteilt: rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Blutplasma. So kann man mit einer Spende bis zu drei Leben retten.

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Rund zehn Minuten später zieht Luiza Engel die Nadel aus der Armvene und drückt mit einem Stück Stoff auf die Einstichwunde. Dann legt sie an den Arm einen festen Verband an. „Der muss bis zu vier Stunden drauf bleiben“, sagt sie. Nach der Blutabgabe sollte man 24 Stunden keinen Sport treiben oder Alkohol trinken, sagt Luiza Engel. Außerdem: viel Wasser zu sich nehmen, etwas essen und sich ausruhen. „Blutspenden ist eine große Anstrengung für den Körper. Der Blutzuckerspiegel sinkt ab.“ Nach der Spende gibt es darum in der Pausenhalle der Schule Brote, Obst und Wasser.

Viele junge Menschen bei den Aktionen

Für die Verpflegung bei den Blutspendeaktionen sorgt die Bereitschaft des BRK Rosenheim. „In Rosenheim kommen auch viele junge Menschen zu den Aktionen“, sagt Claudia Rieger von den Freiwilligendiensten des BRK. Sie finde es immer toll, wenn Leute ihr Blut spenden. Sie weißt darauf hin, dass man sich bei den Aktionen auch als Stammzellspender registrieren lassen kann. Einfach bei der Anmeldung nach dem Tütchen fragen.

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