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Über den Schatten im Paradies

Blockabfertigung vor der Haustür: Anwohner im Rosenheimer Süden haben die Nase voll

Ihm ist eigentlich nicht zum Lachen zumute: Klaus Storch aus Rosenheim kritisiert die Blockabfertigung.
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Ihm ist eigentlich nicht zum Lachen zumute: Klaus Storch aus Rosenheim kritisiert die Blockabfertigung.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Die Blockabfertigung sorgt für Frust in der Region. Neben dem kilometerlangen Stau und der erhöhten Unfallgefahr auf der Autobahn sind auch die überlasteten Umfahrungsstrecken für viele ein Ärgernis. Ein Beispiel: die Straße Am Wasen Westerndorf und Pang.

Westerndorf/Pang Klaus Storch lebt im Paradies. Aber auch im Paradies gibt es Schatten. Davon kann der 71-jährige Rosenheimer ein Lied singen. „Wir haben mittlerweile jede Woche zwei- bis dreimal eine Blockabfertigung durch die Tiroler Landesregierung“, sagt er. Er steht auf seinem Balkon, zeigt auf die sich langsam vorwärts schiebende Blechlawine direkt vor seiner Haustür. Dort stehen Lkw, Autos und Busse. Stoßstange an Stoßstange.

Quietschen und Hupen

Man hört das Quietschen der Bremsen, ein vereinzeltes Hupen. Von der Idylle im Paradies ist an diesem Mittwochmorgen nur wenig zu spüren. „Man gewöhnt sich irgendwann daran. Das geht ja schon seit mehreren Jahren so“, sagt Storch. Er ist der ehemalige Geschäftsführer des Müllbehälter-Reinigungs-Service Storch, weiß, dass es ohne Lastwagen nicht geht.

Stoßstange an Stoßstange: Seit März 2020 wird die Blockabfertigung für Lkw bei Kufstein Nord bei der Einreise nach Tirol durch ein automatisiertes Dosiersystem abgewickelt. Die Folgen dadurch sind auch im Rosenheimer Süden zu spüren.

„Wir kommen nicht vom Hof runter“

Und doch ist ihm die Situation vor seiner Haustür ein Dorn im Auge. „Wir kommen nicht von unserem Hof runter, wenn die Autoschlangen sich durch das Dorf bewegen“, sagt der 71-Jährige. Er erzählt von seinen Enkelkindern, die ein Leben ohne Lkw vor der Haustür gar nicht kennen.

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„Natürlich sind sie eingeengt. Aber sie wurden so erzogen, dass sie mit der Situation klarkommen“, sagt Storch. Immer wieder würden sie ihren Opa fragen, warum die Situation so ist, wie sie ist. Eine Antwort darauf hat auch Storch nicht. Er habe sich an die heimischen Abgeordneten gewandt, sogar einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben. Alles ohne Erfolg. „Nach 45 Jahren in der CSU habe ich noch nicht mal eine Antwort erhalten“, kritisiert Storch.

Umweltbelastung durch laufende Motoren

Mittlerweile sitzt er in seiner Küche. Auch hier hat er die Lkw und Autofahrer genau im Blick. Mehrere hundert Lastwagen führen am Tag durch Westerndorf. Einige mit deutschem Kennzeichen, die meisten kämen aus dem Ausland. Um 7 Uhr fahren die ersten Lkw an seinem Haus vorbei, zum Teil bis spät in den Abend hinein.

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Manchmal rollt der Verkehr, oft stockt es. „Die Motoren stellen sie während der Wartezeiten nicht ab“, sagt Storch. Neben dem Lärm und dem Stau würde das auch noch eine Umweltbelastung bedeuten. „Ich bin dankbar, dass ich hier wohne. Aber viele Probleme sind hausgemacht“, sagt der Anwohner. Deshalb brauche es in seinen Augen eine Reaktion von deutscher Seite.

Von wegen Paradies: Täglich fahren mehrere hundert Lkw an Storchs Haustür vorbei.

Es braucht Gespräche

Auf genau die hofft auch Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der Spedition Johann Dettendorfer und Vizepräsident der IHK München und Oberbayern.

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„Es sind ja nicht nur Westerndorf und Pang von den Umfahrungen durch die Blockabfertigung betroffen, sondern auch Brannenburg, Neubeuern und Bad Feilnbach“, sagt er. Die momentane Situation sei untragbar für die Lkw-Fahrer. Aus diesem Grund brauche es Gespräche zwischen der Regierung von Bayern und Österreich – im Notfall auch mit europäischer Unterstützung.

Auf eine Besserung der Situation hofft auch Johann Huber vom gleichnamigen Landgasthof. „Wir hatten zum Teil schon Gäste, die wieder gegangen sind, weil es ihnen zu laut war“, sagt er. Gerade bei offenem Fenster sei der Verkehrslärm an manchen Tagen nicht zumutbar.

Kein Thema für die Polizei

Zumindest Polizei und ÖPNV scheinen von den vollen Umfahrungsstrecken nur wenig mitzubekommen. „Als es mit der Blockabfertigung losging, hatten wir zum Teil Verspätungen bis zu zehn Minuten, aber mittlerweile haben wir keine großen Probleme mehr“, sagt Tobias Weiß, Betriebsleiter des Rosenheimer Stadtverkehrs.

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„Für uns ist die Situation kein Thema“, bestätigt auch Polizeihauptkommissar Robert Maurer. Für Klaus Storch dagegen schon. „Bis Juni 2022 soll es noch 28 Blockabfertigungen geben“, sagt Storch. Zwei davon allein in dieser Woche. Dann wird es wieder schattig im Paradies.

Die aktuellen Auswirkungen der Blockabfertigungen haben die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig zu einem Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder veranlasst. Sie forderte unter anderem ein Spitzengespräch zwischen Bayern und Tirol und brachte auch Gegenmaßnahmen ins Spiel. Söder äußerte sich öffentlich nicht dazu. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat jüngst zweimal mit seinem Tiroler Amtskollegen über das Problem gesprochen.

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