„Birdgard“

Zu viele und zu laut: Rosenheimer Umweltamt will Saatkrähen mit Technik vertreiben

Birdgard Saatkrähe Collage Rosenheim Vertreibung
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Der Vogelschreck von innen (linkes Bild): Mit Zeitschaltuhr und Lautsprecher werden die Birdgards zur Vergrämung der Krähen in der Rosenheimer Innenstadt eingesetzt.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Von der Mangfall über die Loretowiese bis in den Rosenheimer Norden. Die Saatkrähen vermehren sich rasant und stören die Ruhe im Wohngebiet. Mit Lautsprechern und der Imitation von Krähenrufen will die Stadt das Problem lösen. Doch die schonende Methode hat auch ihre Tücken.

Rosenheim – Unscheinbar und im Stile eines Stromkastens sind sie angebracht, die sogenannten Birdgards der Stadt Rosenheim. Dabei handelt es sich um Lautsprecher, die in regelmäßigen Abständen Warnrufe abgeben und in rund zwei Metern Höhe auf Privatgrundstück angebracht sind. Sie sind derzeit das Mittel des Umwelt- und Grünflächenamtes, um die Saatkrähe aus dem Wohngebiet an der Schillerstraße zu vergrämen. Dort haben die Vögel sich in den Bäumen angesiedelt und bringen die Anwohner zur Verzweiflung.

Lautsprecher dienen der Abschreckung

„Die stundenlange, ununterbrochene Kommunikation der Tiere untereinander während der Aufzucht der Jungen erzeugt traditionell Konflikte, speziell im Norden der Stadt“, berichtet Sabine Lemm, die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Rosenheim. Um die naturgegebene Lärmbelästigung in Zukunft zu vermeiden und die heimische Saatkrähe in die gewünschten Regionen zu bringen, arbeitet man mit dem akustischen Langzeitprojekt.

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Der Grund für die Ausbreitung der Vogelart liegt laut dem Umweltamt im Jahr 2019. Beim Fällen von Brutbäumen entlang der Mangfall zersplitterte die dort ansässige Krähenkolonie. Sie suchte sich daraufhin einen neuen Platz für die Aufzucht ihrer Jungen. Die Wahl fiel dabei auf die Bäume rund um die Loretowiese, von der sie 2020 bereits vergrämt wurden. Dort wurden die Birdgards zum ersten Mal eingesetzt. Als Folge dieses Vertreibungsversuches ist laut Lemm die neue Splitterkolonie in der Schillerstraße entstanden, die aktuell vergrämt werden soll.

Vier Stunden Krähengeräusche vom Band

Auch diesmal sind wieder vier Geräte platziert, die mittels einer Zeitschaltuhr alle 10 bis 15 Minuten 40 Sekunden lang Warnrufe der Krähenart imitieren. Damit die Anwohner nicht dauerhaft von der Nachahmung gestört werden, laufen die Birdgards morgens, vormittags, nachmittags und abends über insgesamt vier Stunden hinweg.

Wie die Vögel darauf reagieren, sei schwer vorherzusagen. „Eine erneute Zersplitterung der Kolonie in einen anderen Bereich der Stadt ist jedoch grundsätzlich möglich“, meint Pressesprecherin Lemm. Die Anzahl der Krähen in Rosenheim hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Nach der Ansiedelung im Jahr 2010 hat sich die Zahl der Brutpaare von 45 auf 420 erhöht.

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Aufgrund der starken Ausbreitung der Saatkrähen will man den Vogel wieder zurück in Richtung Mangfall bringen. Dies sei eine Langzeitmaßnahme, bei der es mehrere Jahre dauern kann, bis das anvisierte Ziel erreicht ist. Die versteckten Lautsprecher werden jetzt erst einmal bis März im Einsatz sein. Dann beginnt laut der Pressesprecherin die Schonzeit der Rabenvögel, die ungefähr bis Mitte Juni andauert. Ein Abschuss der Ruhestörer kommt für die Stadt dabei nicht infrage. Einerseits darf innerhalb des Stadtgebiets keine Jagd stattfinden, andererseits sei die Saatkrähe durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Stadt kann keine Garantie geben

Trotz der Gefahr einer weiteren Kolonie oder der Rückkehr zu alten Brutplätzen an der Loretowiese wird daher versucht, mit der gezielten Beschallung zu arbeiten. Eine Garantie für mehr Ruhe für die Anwohner könne man dabei allerdings nicht geben. Daher bittet man bei der Stadt zunächst um Nachsicht mit den Rabenvögeln im Wohngebiet. Denn inwieweit man die Saatkrähe wieder in ruhigere Gebiete bringen kann, wird laut Umweltamt erst die Zeit zeigen können.

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