HAUPTVERSAMMLUNG VOM BUND NATURSCHUTZ

Biomüll – wohin damit in Rosenheim?

Alternativen zur jetzigen Biomüll-Entsorgung in der Region Rosenheim zeigte Josef Metzger von „Das bessere Müllkonzept Bayern“ in einem Vortrag bei der Jahresversammlung der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Rosenheim auf.

Rosenheim – Aktuelle Zahlen belegen, wie wenig Biomüll mit den jetzigen Bringsystemen gesammelt wird: Nur 1,1 Kilogramm pro Einwohner und Jahr sind es im Landkreis, nicht einmal 200 Gramm in der Stadt. Der größte Teil landet entgegen der Intention des Kreislaufwirtschaftsgesetzes in den Müllverbrennungsanlagen von Burgkirchen und Rosenheim – was, so der Bund, wegen deren mangelhafter Auslastung wohl erwünscht sei.

Wie Metzger klarstellte, kann bei der Verbrennung unterm Strich keine Energie gewonnen werden. Dazu ist ihm zufolge zusätzliche Primärenergie aus dem übrigen Restmüll erforderlich, um das im Biomüll enthaltene Wasser zu verdampfen. Die organischen Ressourcen, insbesondere das fürs Pflanzenwachstum wichtige Phosphat, werden unwiederbringlich vernichtet; zusätzlich entstehen Abgase und Schlacke.

Josef Metzger schlug eine andere Methode vor: Der Biomüll wird im Holsystem mit der Biotonne gesammelt. Durch Hinzunahme des holzarmen Anteils aus der Grüngut-Sammlung ergibt sich eine Summe von 150 Kilogramm Biomasse pro Einwohner und Jahr. Daraus wird in einer Vergärungsanlage Biogas erzeugt, das zu Biomethan aufbereitet und als speicher- und transportfähige erneuerbare Energie in das bestehende Erdgasnetz eingespeist wird.

Der Referent stellte fest: „Mit der Menge aus Stadt und Landkreis wird zum Beispiel der Heizenergiebedarf von 6900 sanierten Fünf-Liter-Einfamilienhäusern gedeckt!“

Das könnte auch helfen, die Rosenheimer Klimaschutz-Ziele einzuhalten. Aus den Gärresten entsteht durch Nachkompostierung Humus und Volldünger, der nicht wie oft Mineraldünger mit Uran und anderen Schwermetallen belastet ist. Die Müllgebühren müssten nicht steigen; denn die Vergärung sei im Schnitt billiger als die Verbrennung, und die Biotonne könne im Wechsel mit der Restmülltonne geleert werden.

Rosenheim würde sich wegen des vorhandenen Erdgasnetzes gut als Standort einer Biomüllvergärungsanlage für Stadt und Landkreis eignen. Viele Fragen zeigten das Interesse der Zuhörer an einer nachhaltigen Abfallwirtschaft.

Das Thema Artenschutz zog sich wie ein roter Faden durch den Rückblick des Vorsitzenden Steffen Storandt auf die Tätigkeit der Ortsgruppe: Aktionen gegen Glyphosat, die Unterstützung der Apostelkirche bei der Anlage eines insektenfreundlichen Gartens, die alljährliche Pflege der Streuobstwiese in Heilig Blut. Weitere wichtige Aktionen waren die Führungen auf dem Stadtökologischen Themenweg, das regelmäßige Müllsammeln an der Mangfall sowie die Mitorganisation des Rosenheimer Umwelttages und mehrerer Filmvorführungen. Kritik übte Storandt an unnötigen Baumfällungen zum Beispiel durch das Erzbischöfliche Ordinariat und das Wasserwirtschaftsamt, aber auch an der Verkehrspolitik der Stadt: Der Maximal-Ausbau von Straßen wie der Kufsteiner Straße zugunsten des Autoverkehrs gehe zulasten der Anwohner und der gesamten Stadt. re

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