Junger Rosenheimer mischt Kulturausschuss auf - mit Ideen zur "Bibliothek der Zukunft"

Steckt hinter dem Projekt „Du bist gefragt! – Eine Umfrage zur Bibliothek“: Nico Seibt (18) aus Rosenheim.
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Steckt hinter dem Projekt „Du bist gefragt! – Eine Umfrage zur Bibliothek“: Nico Seibt (18) aus Rosenheim.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Mehr englische Jugendbücher, bequemere Sitzmöglichkeiten und Ermäßigungen bei der Jahresgebühr: Im Rahmen seines FSJ-Projektes hat Nico Seibt (18) eine Umfrage zum Thema „Bibliothek der Zukunft“ entworfen. Die Ergebnisse hat er im jüngsten Schul-, Kultur und Sportausschuss vorgestellt.

Rosenheim – Als Nico Seibt (18) aus Rosenheim vor einigen Wochen seine Präsentation über die Rosenheimer Stadtbibliothek im Ausschuss vorstellte, hätte man meinen können, er hat in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht. Mit ruhiger Stimme trug er die Ergebnisse vor, schaute den anwesenden Politikern immer wieder in die Augen. 

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Er äußerte Wünsche, schlug Verbesserungsmöglichkeiten vor – alles ohne einen einzigen Versprecher. Doch ganz so kalt ließ ihn das Ganze dann doch nicht. „Ich war wahnsinnig aufgeregt“, sagte er einige Tage nach der Präsentation. Spaß gemacht habe es ihm trotzdem. Auch weil er sich, wie er sagt, sehr für Politik interessiert. „Es war ein wunderbarer Vortrag“, sagte Stadtrat Karl-Heinz Brauner (Grüne), der den 18-Jährigen schon seit dessen Schulzeit kennt.

Schwerpunkt: Durchführung eines eigenen Projektes

Weil Seibt nach seinem Abitur am Ignaz-Günther-Gymnasium nicht wusste, ob er eine Ausbildung oder ein Studium machen wollte, bewarb er sich für die FSJ-Stelle in der Stadtbibliothek. Den Schwerpunkt des FSJ-Jahres bildet das Durchführen eines eigenständigen Projektes. Seibt entschied sich für das Projekt „Du bist gefragt – Eine Umfrage zur Stadtbibliothek Rosenheim“. Ziel der Befragung ist es, mehr Jugendliche als Leser zu gewinnen, auf die Bibliothek und deren Angebote aufmerksam zu machen, sowie zukünftige Projekte und Erneuerungen für die Bibliothek aufzuzeigen. Seine Zielgruppe: Schüler aus Rosenheim, die in der 9. bis 13. Jahrgangsstufe sind.

Schulen angeschrieben und Fragebögen erstellt

Seibt stellte einen Fragebogen zusammen, wollte wissen, warum die Schüler in die Bibliothek gehen, was genau sie in der Einrichtung brauchen, aber auch warum sie die Bibliothek vielleicht meiden. 

Er schrieb die Rosenheimer Schulen an, schickte seine Fragebögen an die Mittelschule am Luitpoldpark, an das Ignaz-Günther-Gymnasium und die berufliche Oberschule. Nach vier Wochen kamen die ersten Rückmeldungen. „Ich habe insgesamt 643 Umfragen ausgewertet“, sagt Seibt. Für ihn „jede Menge Arbeit“ – auch weil der Bibliotheksalltag weiterlief.

42 Prozent gehen in Bibliothek zum Bücher ausleihen

Aus den Umfrageergebnissen erstellte Seibt Diagramme. Demnach gehen 42 Prozent der Befragten in die Stadtbibliothek, um sich Bücher auszuleihen, gefolgt von 18 Prozent, die dort lernen und arbeiten wollen.

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Auf die Frage, was sie in der Stadtbibliothek brauchen, kreuzten 401 der 643 Befragten die Antwort „Ruhe“ an. „Die Bibliothek soll abseits des Innenstadtgeschehens einen ruhigen Platz ohne Konsumzwang bieten“, sagt Seibt. Außerdem ermittelt wurde, warum Jugendliche die Bibliothek nicht besuchen oder meiden. Die klare Mehrheit – mit 215 Stimmen – erhielt hier die Antwort „es gibt dort nichts, das mich interessiert“.

Ideen bilden Grundlage für weiteres Vorgehen

Für Seibt die interessanteste Frage: „Um die Bibliothek für mich ansprechender zu machen, braucht es?“. Hier konnten die Befragten frei über ihre Vorstellungen zur Bibliothek nachdenken und eigene Ideen angeben. „Einige Ideen seien häufiger genannt wurden und dienten somit als Grundlage für das weitere Vorgehen“, sagt Seibt.

Mehr englische Jugendbücher

Gewünscht wurde, den Bestand an englischen Jugendbüchern auszuweiten. Zudem sollten die Arbeitsplätze im Jugendbereich umgestaltet werden. Es sollte gemütlicher werden, moderner. Vorgeschlagen wurde außerdem Ruhe- und Arbeitsbereiche voneinander abzutrennen. Eine weitere Anregung der Befragten: Es soll eine vergünstigte Jahresgebühr für Schüler, Studenten, Azubis und FSJ-ler geben. „Der Wunsch junger Leute, nicht ab dem 18. Geburtstag die volle Jahresgebühr zu zahlen, ist groß“, sagt Seibt.

Englische Jugendbücher und ermäßigte Jahresgebühr

An der Umsetzung vieler Vorschläge werde bereits gearbeitet, sagt die Leiterin Susanne Delp. So sollen in den kommenden Tagen Sondermittel für englische Jugendbücher bereitgestellt werden. Die Umgestaltung der Arbeitsplätze sei für 2021 vorgesehen. Auch über die Ermäßigung der Jahresgebühr für junge Menschen wird nachgedacht.

Darüber soll in der November-Sitzung des Schul-, Kultur und Sportausschusses diskutiert werden. Dann auch mit dabei: Nico Seibt.

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