Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Schaden liegt bei rund 127.000 Euro

Bezahl-TV für lau – So landete ein 31-jähriger Rosenheimer in München vor Gericht

Viele Sport-Events sind nur für Kunden von Pay-TV-Angeboten live zu sehen.
+
Viele Sport-Events sind nur für Kunden von Pay-TV-Angeboten live zu sehen.
  • Angela Walser
    VonAngela Walser
    schließen

Weil er rund 630 „Kunden“ mit illegalen Pay-TV-Zugängen versorgt hat, muss sich derzeit ein 31-jähriger Rosenheimer in München vor Gericht verantworten. Der Schaden, den der Mann dadurch verursacht hatte, wurde auf 127.000 Euro beziffert. Er hätte allerdings auch noch deutlich höher ausfallen können.

Rosenheim/München – Fußball, Kinofilme, Serien und auch das heimische Fernsehen aus Bosnien: Das Angebot für 80 Euro jährlich klang viel verlockender als das eines großen Bezahlsenders. 630 Kunden versorgte ein Rosenheimer zwischen 2013 und 2018 mit illegalen Zugängen. Dafür kaufte der 31-jährige Techniker übers Internet billig Receiver und manipulierte sie, bevor er sie weitergab.

Der Schaden beläuft sich auf 127.000 Euro. Und er wäre sogar noch viel höher gelegen, hätten die Kunden das gesamte Spektrum genutzt, statt nur bosnische Sender zu schauen. Nun muss sich der Rosenheimer wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs vor dem Landgericht München II verantworten.

Gleich zu Prozessbeginn legte er ein Geständnis ab. Und berichtete, wie alles begonnen hatte. Von einem väterlichen Freund, der SAT-Anlagen installierte, war er auf die Idee gebracht worden. „Der war relativ alt und hat jemanden gesucht, dem er sein Wissen übermitteln kann“, erinnerte sich der Angeklagte.

Zunächst habe er ihm nicht geglaubt, doch dann begann er zu recherchieren, ob es eine Möglichkeit gab, das Bezahl-Fernsehen zu knacken. Er testete die Verschlüsselungssysteme und bekam tatsächlich den Dreh heraus. Sein Kundenstamm wuchs gewaltig. Anfangs waren es nur private Abnehmer mit ausländischem Hintergrund. Später kamen Bars und Wettbüros hinzu, „bis es vorbei war“, berichtete der Angeklagte und schob einen kurzen Lacher voller Selbstironie hinterher.

Zu den gastronomischen Betrieben zählten auch zwei Wirtschaften in Rosenheim. Sämtliche Abnehmer wurden bereits zu Bewährungsstrafen zwischen einem und zwei Jahren verurteilt. Ein vergleichbares Strafmaß droht auch dem Angeklagten. Ihm war die Zentralstelle der Cyber-Kriminalität in Bamberg auf die Spur gekommen, nachdem ihn ein Kunde in Nürnberg angezeigt hatte.

Den Anschluss ließ sich der Angeklagte mit 100 Euro vergüten, die Receiver gab er zum Einkaufspreis weiter. Zuvor hatte er sie mit Karten bestückt, die das Fernsehsignal des Bezahl-Senders umsetzten. Damit konnte der legale Zugang umgangen werden, sagte der Staatsanwalt.

Dieses Card-Sharing ist mittlerweile nicht mehr möglich. Nicht mehr erreichbar sei auch der väterliche Freund, sagte der Angeklagte. Der Prozess dauert an.