Bewegung macht Kinder schlau

Sport kann so viel Spaß machen - das beweist Motopädin Johanna Gantner den Kindern der Sportgruppe der Integrationstagesstätte "Stadtmäuse" jeden Tag aufs Neue. Foto : Schlecker
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Sport kann so viel Spaß machen - das beweist Motopädin Johanna Gantner den Kindern der Sportgruppe der Integrationstagesstätte "Stadtmäuse" jeden Tag aufs Neue. Foto : Schlecker

Sport ist wichtig, für die körperliche Fitness ebenso wie für die geistige. Wie positiv sich Bewegung auf die Entwicklung auswirken kann, zeigt die Sportgruppe der städtischen integrativen Kindertagesstätte "Stadtmäuse" in der Zinnkopfstraße: Dort wird so oft wie möglich geturnt. Mit Erfolg, wie jetzt eine Bewertung ausweist. Im Vergleich zu Kindern anderer Rosenheimer Kindergärten ohne ausgedehntes sportliches Angebot entwickeln sich die "Stadtmäuse" deutlich besser.

Rosenheim - "Sport ist ein Türöffner", wird Johanna Gantner nicht müde zu betonen. 2004 wurde sie als Motopädin in der Kindertagesstätte angestellt. Damit startete ein für Rosenheim völlig neuartiges Kindergartenkonzept, das hauptsächlich auf viel Bewegung setzt - bereits im frühesten Alter. In der Sportgruppe der Kindertagesstätte hüpfen, laufen und kugeln schon die ganz Kleinen so oft wie möglich fröhlich herum.

Gantner fördert die Kinder im Vorschulalter ganz gezielt: Sie schult Bewegung, Koordination und Körperwahrnehmung, weit über die normalen Möglichkeiten eines Kindergartens hinaus. Sehr oft besuchen die Kleinen nahegelegene Turnhallen, und auch den Sportraum des Projekts "Familie in Bewegung" im ESV-Gelände. Außerdem wird auch viel Zeit in der freien Natur verbracht oder - je nach Jahreszeit - Schlittschuh gelaufen oder Fußball gespielt.

"Durch den Weg zu den Turnhallen lernen die Kleinen auch ihren späteren Schulweg und Verkehrsregeln kennen und werden auf spielerische Weise selbständig gemacht. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr", so Gantners Erfahrung.

Gerade in der Gegend um die Zinnkopfstraße herum wohnten viele Kinder sehr beengt und hätten nur wenig Bewegungsmöglichkeiten - mit oft sehr negativen Folgen. "Immer mehr Kinder haben bereits mit einfachsten Dingen enorme Probleme", klagt die erfahrene Motopädin. Auf einem Bein stehen sei sogar für viele Schulkinder mittlerweile eine fast unlösbare Aufgabe. Ähnlich sehe es beim "Hampelmann" aus: "Da scheitern zunehmend mehr Buben und Mädchen bereits beim Begriff. Sie können damit überhaupt nichts mehr anfangen." Dabei bewiesen viele wissenschaftliche Untersuchungen, dass körperliche Aktivität auch die geistige Entwicklung günstig beeinflusst.

Wie sehr, zeige das Beispiel der "Stadtmäuse" eindrucksvoll. Um die Fortschritte der Sportgruppe zu belegen, führte die Motopädin einen Motoriktest zu Beginn des Kindergartenjahres im Oktober 2009 und erneut im Mai 2010 durch. Als Kontrollgruppe dienten nicht speziell von der Motopädin geförderte Vorschulkinder aus dem Kindergarten "Löwenzahn".

Verwendet wurde für den Vergleich ein Motoriktest, der von Fachleuten entwickelt und in ganz Deutschland verwendet wird, um die motorischen Fähigkeiten von Kindern einheitlich bewerten zu können. Für jede Altersstufe gibt es dazu verschiedene Aufgaben, welche die Kleinen bewältigen müssen. Bei Vorschulkindern gehört dazu die Fähigkeit, von einem Schneidersitz aufzustehen, ohne dabei die Hände zu Hilfe zu nehmen. Eine weiterer Test besteht daraus, in jede Hand einen Holzstift zu nehmen und diese dann in der Mitte auf einem Tisch zusammen zu führen.

Die Auswertung zeigte, dass die Kinder aus der Sportgruppe höhere Punktzahlen als nichtgeförderte Kinder erreichen, obwohl die Kinder der Sportgruppe sogar jünger sind. Gantner ist sich sicher: Wären die Buben und Mädchen in einem vergleichbaren Alter gewesen, wäre das Ergebnis noch viel deutlicher ausgefallen.

Diese Ergebnisse wurden vor einigen Wochen dem Stadtratsausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien vorgelegt. Daraus ging eindeutig hervor, dass die Kinder der Sportgruppe sich in allen Teilbereichen positiv entwickelt hätten. "Die Merkfähigkeit wurde gesteigert, die Informationsverarbeitung erfolgte schneller und die Konzentrationsphasen wurden länger", so Gantner.

Begeistert von diesem bisher in der Stadt einzigartigen Kindergartenkonzept zeigt sich auch Jugendamtsleiter Gerd Rose: "Das ist eine tolle Sache." Gerade im sportlichen Bereich bewahrheite sich eben das alte Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr".

Auch er befürwortet eine sportliche Förderung bereits im ersten Lebensjahr und hält es für vorstellbar, dass mehr Sportgruppen in den Kindergärten der Stadt entstehen.

Die sportliche "Abteilung" der Kindertagesstätte "Stadtmäuse" ist nicht nur bei den Kindern beliebt: Inzwischen fragen viele Eltern bei der Anmeldung nach dieser speziellen Gruppe. wu

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