Betrunken geprügelt und Handy abgenommen: 23-jähriger Bad Aiblinger steht vor Gericht

Eine Polizeistreife wurde wegen einer Schlägerei am 23. Februar in die Ruedorfferstraße gerufen. Der Angeklagte wurde vor dem Amtsgericht Rosenheim verurteilt.
+
Eine Polizeistreife wurde wegen einer Schlägerei am 23. Februar in die Ruedorfferstraße gerufen. Der Angeklagte wurde vor dem Amtsgericht Rosenheim verurteilt.

Ein Mann aus Bad Aibling hat sich geprügelt, dem Opfer das Handy zunächst abgenommen und wollte ihm gegen den Kopf treten. Das Amtsgericht Rosenheim hat den Mann verurteilt.

Rosenheim – Ein 23-jähriger Bad Aiblinger wurde vor dem Amtsgericht Rosenheim zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann hat am 23. Februar inmitten einer Prügelei in der Ruedorfferstraße in Rosenheim einem Mann mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und diesem das Handy abgenommen.

In der Ruedorfferstraße sind wegen häufigen Ausschreitungen im Nachtleben mehrere Kameras installiert. Das Video von der Tatnacht wurde im Amtsgericht gezeigt. Der Angeklagte, ein 23-jähriger Kroate, wollte demnach gegen 3.50 Uhr einen am Boden liegenden Mann mit voller Wucht gegen den Kopf treten. Der 23-Jährige verfehlte ihn aber, da er zu betrunken war. Anschließend schlug der Kroate dem Mann noch mit der Faust gegen den Kopf.

Welche Hilfe die Kameraaufnahme darstellt, wurde vor Gericht bei der Zeugenvernehmung aller Beteiligten deutlich. Alle waren mehr oder weniger volltrunken. Keinem war es möglich, die Geschehnisse aus eigener Erinnerung zu schildern.

Smartphone im Rausch abgenommen

Der Angeklagte sagte vor Gericht, wie sehr er über sein eigenes Verhalten erschrocken war, als er mit diesem Video konfrontiert wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er in seinem Vollrausch das Smartphone des Geschädigten genommen hatte. Als der Freund des Opfers dieses zurückforderte, kam es zu einer Rangelei, die sich zu einer Prügelei entwickelte.

Wenn der Angeklagte aus Bad Aibling aber sich geprügelt hatte, um im Besitz des Handys zu bleiben, so wurde aus der Körperverletzung ein räuberischer Diebstahl.

Lesen Sie auch: 86-jährige Bruckmühlerin hilft 95-Jährigem – und muss sich plötzlich vor Gericht verantworten

So lautete dann auch die Anklage der Staatsanwaltschaft. Das aber würde bedeuten dass es sich um ein Verbrechen handelte, das mit einer Haftstrafe nicht unter zwei Jahren geahndet würde.

Das sollte vor Gericht herausgefunden werden. Aus diesem Grund hinterfragten der Vorsitzende Richter Christian Merkel und der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Andreas Leicher, hartnäckig die Entwicklung und die Einzelheiten des nächtlichen Geschehens. Mehr und mehr stellte sich dabei heraus, dass es sich bei der Abnahme des Handys durch den Angeklagten eher um eine sinnlos-trunkene Handlung als um einen wirklichen Diebstahl handelte.

Das Smartphone wurde dem Besitzer in der Tatnacht auch bald zurückgegeben. Glücklicherweise blieb es beim Opfer mit Abschürfungen und blauen Flecken bei recht geringen Folgeschäden.

Schmerzensgeld von 600 Euro überreicht

Der Angeklagte zeigte sich nicht nur umfassend geständig, sondern überreichte mit einer Entschuldigung dem Tatopfer noch im Gerichtssaal ein Schmerzensgeld von 600 Euro. Das Opfer akzeptierte die Entschuldigung und nahm das Geld an. Außerdem erklärte der Mann, dass er selbst kein Interesse an Strafverfolgung gegenüber dem Angeklagten habe.

Danach stellte auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Gericht den Vorwurf des Diebstahls ein, sodass die Vorwürfe der Körperverletzung verblieben.

Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten zwar zu Gute, dass er sich mit Schmerzensgeld entschuldigt hatte, geständig war und es mit dem Tritt bei einem Versuch geblieben war. Allerdings sei es nur seiner Volltrunkenheit zuzurechnen, dass er nicht getroffen habe. Sonst hätte man sich womöglich beim Schwurgericht treffen müssen.

Zwölf Monate Haft auf Bewährung

In Anbetracht aller Umstände beantragte sie gegen den jungen Mann eine Strafe von zwölf Monaten Haft. Diese könne man aber zur Bewährung aussetzen. Die Staatsanwältin sei sich sicher, dass diese Strafe für den Angeklagten Warnung genug sein würde.

Der Verteidiger des Kroaten wies nochmals darauf hin, dass auch in diesem Fall der Alkohol wohl eine erhebliche Rolle gespielt habe. Beim Tritt sei es bei dem Versuch dazu geblieben und es habe ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden. Er hielt eine Haftstrafe von sechs Monate zur Bewährung für ausreichend.

In Anbetracht der Gefährlichkeit des Handelns des Angeklagten – auch wenn es teilweise beim Versuch geblieben war – stimmte das Gericht der Staatsanwältin zu und stellte dem Verurteilten einen Bewährungshelfer zur Seite.

Kommentare