Berliner Street-Art-Künstlerin Hera verschönert Rosenheim: „Damit erreicht man viele Menschen“

Street Art-Künstlerin Hera (hinten) und davor Stella Brandlhuber vom Rosenheimer Kunstkollektiv.
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Street Art-Künstlerin Hera (hinten) und davor Stella Brandlhuber vom Rosenheimer Kunstkollektiv.

Rosenheim – Im Rahmen des Transit Art Festivals beim „Sommer in Rosenheim“ gestalten mehrere Künstler Wände in Rosenheim. Jasmin Siddiqui, alias „Hera“ v Duo „Herakut“ aus Berlin arbeitet an einem Figurenmotiv in der Herzog-Otto-Straße.

Von Andreas Friedrich

Welches Motiv hast Du Dir für die Wand im Rahmen von „Sommer in Rosenheim“ ausgesucht?

Jasmin Siddiqui: Das Motiv hat sich aus der Umgebung heraus und aus Gesprächen mit Einheimischen entwickelt. In dieser Straße gibt es gleich mehrere Geschäfte mit Umstands- und Babymoden. Daher sollte die Hauptfigur feminin sein. Ich wollte mich auch nach den Farben der Umgebung richten, es kommen viel Grün und Altrosa wie an den Fassaden der Nachbarschaft vor. Das Bild zeigt eine große Frau, eine Riesin, die einen Igel in ihrer Hand hält. Etwas symbolisch und bildlich steht das für das Einigeln in der eigenen Umgebung, fürs introvertiert sein. Die Leute haben immer wieder gefragt „Ja, der piekst doch“. Wir ergänzen das Ganze noch mit einem Rosenmotiv und Rosmarin, der auch stachlig sein kann.

Wer hilft Dir bei der Aktion?

Siddiqui: Sabrina Cultrona und Stella Brandlhuber vom Kunstkollektiv zeigen mir die Stadt und helfen bei der Fassadengestaltung. Das macht im Team richtig Spaß.

Wie hast Du das Ganze vorbereitet ?

Siddiqui: Mit einer Skizze im Café gegenüber, am nächsten Tag habe ich mit einer Teleskopstange und einer Farbrolle Farbe aufgetragen.

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Ein Blick auf eine Weltkarte mit Lageplan auf Eurer Website zeigt, dass Du schon oft international gearbeitet hast. Wie hat sich denn Deine Karriere aufgebaut?

Siddiqui: Am Anfang hieß es noch nicht „Street Art“, sondern Graffiti, und es war noch keine Karriere, sondern ein Hobby. Mit viel Üben und zusätzlichem Interesse seitens der Städte hat sich ein stetiges Wachstum entwickelt. Zunächst habe ich auch in Schulen gearbeitet. In Deutschland gehöre ich inzwischen zu den prägenden Frauen in der Street-Art-Szene. Man wächst mit seinen Aufgaben. Mich hat Teamwork immer weiter gebracht. Es fühlt sich dann nicht mehr wie Arbeit an.

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Du bist international auch im Rahmen von Entwicklungshilfe unterwegs. Kannst Du dazu etwas sagen?

Siddiqui: Ich war mehrfach in Flüchtlingslagern aktiv, beispielsweise in Jordanien. Oft sind die Mädchen außen vor, wenn es um Sport geht. Aber mit Kunst erreicht man viele Menschen. Street Art ist da ein richtig gutes Mittel. Wenn jemand ankommt und Zelte oder Container bemalt, sorgt das für Motivation. Man kann visuell auch soziopolitische Botschaften und Appelle vermitteln. Von uns gemalte Kinder sind oft androgyn, denn Mädchen werden gern auch übermalt.

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Ganz aktuell entwirfst Du auch Kostüme für eine Tanzgruppe?

Siddiqui: Ja, das ist die Tanzfactory DDC in Schweinfurt. Ich durfte an einer Geschichte mitschreiben, die als neunzigminütige Show auf die Bühne kommt. Meine Mutter hat früher Ballettkleidung genäht, daher habe ich einen Bezug zu Bühnenkostümen.

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