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„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir der Natur untergeordnet sind“

Bergsteiger-Legende Reinhold Messner ruft in Rosenheim zur Impfung gegen Corona auf

Beim Signieren: Bergsteiger Reinhold Messner unterzeichnet im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum Exemplare seines Buches.
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Beim Signieren: Bergsteiger Reinhold Messner unterzeichnet im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum Exemplare seines Buches.

Er ist eine lebende Legende und füllt immer noch ganze Säle: der Bergsteiger und Autor Reinhold Messner. Am 16. Oktober berichtete der Bergsteiger von seinen Erlebnissen am „Nanga Parbat“ und wie er den Umgang mit der Corona-Krise sieht.

von Georg Füchtner

Rosenheim - Reinhold Messner berichtete am Samstag (16. Oktober) im Rosenheimer Kuko über seine Erlebnisse im Westhimalaya. Diesmal war Messners Thema der „Nanga Parbat“, an dem 1970 sein jüngerer Bruder Günther tödlich verunglückt ist.

Endlich wieder vor Publikum

Froh war Messner darüber, dass er endlich wieder vor Publikum sprechen könne. „Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir der Natur untergeordnet sind“, so der Bergsteiger. Er sei mit der Zeit aber vernünftig umgegangen und habe in den eineinhalb Jahren ein Buch über traditionellen Alpinismus geschrieben. Wenn wir uns alle impfen lassen würden, so kämen wir schnell aus der Krise, ist Messner überzeugt.

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„Ich erzähle Ihnen nun von meinem Schlüsselberg Nanga Parbat“, eröffnete der Alpinist seinen Vortrag mit seinen Erlebnissen im Westhimalaya. Spannend und fesselnd berichtete er von den ersten Erkundungsversuchen der Brüder Schlagintweit, vom ersten Besteigungsversuch des Briten Mummery, dessen Begleiter bereits Ende des 19. Jahrhunderts eindrucksvolle Fotos des Berges gemacht haben.

Tragödie am Südostgrat des Berges

Nach einer deutsch-amerikanischen Expedition unter Willy Merkl kam es 1934 mit der deutschen Nanga-Parbat-Expedition zu einer Tragödie, bei der die deutschen Bergsteiger Willo Welzenbach und Uli Wieland mit mehreren Sherpas am Südostgrat des Berges auf über 7000 Meter Höhe im Schneesturm ums Leben kamen. So sei der Berg im Jargon der Nazis zum „Schicksalsberg der Deutschen“ verklärt worden. Erst 1938 fand man die Leiche von Merkl mit einem Brief an Welzenbach.

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Großformatige Fotos und eine dreidimensionale Animation zeigten eindrucksvoll die riesenhafte Dimension des „Nackten Berges“. Messner veranschaulichte den Zuschauern detailliert die Auf- und Abstiegsrouten der Expeditionen, die einzelnen Grate und gigantischen Flanken und Wände des Berges. 1953 gelang unter der Leitung von Karl Herrligkoffer dem Tiroler Hermann Buhl die Erstbesteigung. Herrligkoffer wollte nicht, dass die Seilschaften selbst entscheiden, doch Buhl habe auf eigene Faust gehandelt. Ein historisches Filmdokument, auf dem Herrligkoffer die Bergsteiger auf den Gipfelsturm mit „Berg Heil“ einschwörte, kommentierte Messner trocken: „Das ist nicht meine Sprache.“

Zuhörer lauschen gebannt dem Drama

1970 gelang es Messner mit seinem Bruder, die Rupalwand zu durchsteigen, was bis dahin als unmöglich galt. Gebannt lauschten die Zuhörer dem sich dann abspielenden Drama. Wie die Brüder bei eisigen Temperaturen auf dem Grat übernachten mussten, wie es zunächst beiden gelang, über die Diamir Seite abzusteigen und wie Günther dann vermutlich zu Tode kam, schilderte Messner fesselnd und glaubwürdig.

Dass der Alpinist den mühsamen, kilometerlangen Abstieg tagelang ohne Nahrung durchhielt, bis er von Holzfällern gefunden wurde, grenzt an ein Wunder. In seinem Kopf hätten damals Emotion und Ratio miteinander gestritten. „Der Bruder lebt“, so sein Gefühl, „der Bruder ist tot“, so die Wirklichkeit. Die Behauptung Herrligkoffers, Messner habe seinen Bruder allein gelassen, bezeichnete der Bergsteiger als „Rufmordkampagne“.

Absolutes Glück erst bei der Rückehr

„Am Gipfel ist nicht das absolute Glück zu spüren“, erklärte der Alpinist demütig. Zu spüren sei es erst beim Zurückkommen in die Zivilisation. Überhaupt zeigte sich Messner nachdenklich, fast philosophisch. „Ich habe die Gabe, meine Träume wahr zu machen“, sagte er mit Blick auf seine sechs Museen in Südtirol. „Das Glück passiert uns, wenn wir hier und jetzt ein gelingendes Leben schaffen.“

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Messner, der nach dem Fund der Leiche seines Bruders und auch später mit der Familie noch einmal zum Nanga Parbat reiste, betreut in der Region auch mehrere Schulprojekte. Am Ende wirkte der leicht gebeugt gehende, 77-jährige Alpinist fast resigniert. Sein Resumee: „Am Nanga Parbat habe ich gelernt, was Sterben bedeutet und was das Geschenk des Lebens ist.“

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