So bereiten sich Rosenheimer Einzelhandel und City-Management auf den Neustart am Montag vor

  • Ilsabe Weinfurtner
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Nach gut sechs Wochen Corona-Zwangspause dürfen am 27. April viele der Rosenheimer Geschäfte wieder aufsperren. Allerdings unter Auflagen. Dass diese erfüllt werden können und der Start gelingt, dafür helfen die Einzelhändler zusammen. Das City-Management koordiniert.

Rosenheim – Wenn zu Wochenbeginn Läden mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern öffnen, sind die Vorgaben der bayerischen Staatsregierung streng und gelten auch für Buchhandlungen, Autohäuser und Fahrradgeschäfte, die unabhängig von ihrer Größe aktiv werden dürfen. So soll jeder Kunde 20 Quadratmeter Fläche für sich haben, damit der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Außerdem muss für ausreichend Desinfektionsmöglichkeiten gesorgt sein. Da Maskenpflicht gilt, werden sich Angestellte und Kunden mit Atemschutzmasken gegenüberstehen. Erlaubt ist auch der selbst genähte Mund-Nase-Schutz, von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder „Community-Maske“ genannt.

Mund-Nase-Schutz für Unternehmer

Viele solcher Stoffmasken sind bereits in privaten Initiativen entstanden. Doch noch sind es nicht genug. Und so haben sich auch die beiden Inhaberinnen von „Silk & Honey“ in Rosenheim an die Nähmaschine gesetzt. Agnes Zeller und Konstanze Grabmayer führen gemeinsam das Couture Atelier an der Kaiserstraße. Ein kleines Geschäft, das wie viele andere wegen Corona geschlossen bleiben musste.

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Um etwas zu tun zu haben, aber vor allem, um zu helfen, nähen die beiden Frauen seit dem Beginn der Osterferien Mund-Nase-Schutz. Sie verwenden dazu in Deutschland hergestellten Jerseystoff und vertreiben die fertigen Masken über together.silkandhoney.de. Das Angebot richte sich explizit an Rosenheimer Unternehmer und deren Mitarbeiter, meldet dazu das City-Management Rosenheim. Es hat sich, unter der Federführung von Sabrina Obermoser, zur Aufgabe gemacht, ein Online-Netzwerk der Hilfe einzurichten. Titel: „Corona – Rosenheim hält zusammen.“

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Die Idee ist, dass jeder einbringt, worin er gut ist, was er vorrätig hat und entbehren kann. Gemeinsam, so der Plan, sollen die Rosenheimer Geschäftsleute gut gerüstet sein, wenn am Montag ein wenig Normalität in ihr Unternehmertum Einzug hält. Das Angebot reicht dabei weit über das Nähen von Schutzmasken hinaus: Es gibt Hinweise zu wichtigen Links. Etwa in Sachen Hygienevorschriften, zu Bezahlsystemen von Lieferdiensten, die es gerade in der schwer angeschlagenen Gastronomie weiterhin geben soll.

Stütze für den Wirtschaftskreislauf

Außerdem den Hinweis zu einem Online-Coaching, das die Technische Hochschule anbietet, für alle, die ihren Online-Auftritt verbessern wollen. Das Angebot auf der Homepage des City-Managements ist vielfältig und enthält auch Infos darüber, wer was in Sachen Corona anbietet: Die Schreinerei „Alpenstolz“ sorgt für Aufkleber, Plakate, Schilder und Plexiglasscheiben, die als Spukschutz an Kassen genutzt werden können. Andreas Bensegger vom gleichnamigen Bürofachhandel ist der Mann für die Hygiene. Er kümmert sich um Desinfektionsmittel, Spender, Handschuhe und anderes mehr. Und schließlich gibt es sogar eine Rechtsanwältin, die kostenlose Beratung anbietet.

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Sabrina Obermoser freut sich über das Engagement so vieler. Alles greife ineinander und mache möglich, dass der regionale Wirtschaftskreislauf unterstützt werde. So mancher Geschäftsinhaber stehe schon bereit, sagt sie. Andere arbeiteten fieberhaft daran, am Montag gut vorbereitet zu sein. Ob die Vorgaben der bayerischen Staatsregierung tatsächlich eingehalten werden, das zu kontrollieren behält sich die Stadt vor. Wie sie mitteilt, sollen Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt „stichprobenartig beziehungsweise anlassbezogen während der Geschäftsöffnung“ überwachen. Eine Kontrolle oder Abnahme vor der Wiederöffnung ist nicht geplant.

Kurz vor dem Neustart sei die Stimmung unter den Einzelhändlern in der Stadt geprägt von einem vorsichtigen Optimismus, sagt Sabrina Obermoser. Problematisch, gerade in der Innenstadt, sei, dass Cafés und Gaststätten weiterhin geschlossen sind. „Einzelhandel und Gastronomie gehen Hand in Hand“, sagt Obermoser. Einen großen Ansturm der Kunden erwartet daher niemand. Dazu passt die Einschätzung des Handelsverbands (HBE), Bezirk München-Oberbayern, in dem mittelständische, inhabergeführte Betriebe und große Einzelhandelsunternehmen organisiert sind.

HBE warnt vor Pleitergeier

Die Branche hatte für den Regierungsbezirk Oberbayern in diesem Jahr mit einem Umsatz von 27 Milliarden Euro gerechnet. Allein auf Rosenheim sollten rund 570 Millionen Euro entfallen. Doch das ist schon jetzt Geschichte, wie Pressesprecher Bernd Ohlmann sagt. Denn aktuellen Verlust aufgrund der Corona-Ausgangsbeschränkung beziffert er bayernweit auf 1,1 Milliarde Euro pro Einkaufswoche, also von Montag bis Samstag. „Der Pleitegeier kreist über den kleinen Geschäften“, sagt er. Ohlmann kritisiert die 800-Quadratmeter-Regel und die in Bayern um eine Woche verzögerte Öffnung: Spricht von einer „großen Ungerechtigkeit“.

Die Angst vor Angst der Kunden

Wie Sabrina Obermoser blickt auch der HBE mit verhaltenen Hoffnungen auf den Montag. Man wisse nicht, ob sich der Kunde schon online mit seinen Waren eingedeckt habe. Dazu komme die Furcht vieler vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. „Eventuell sind die Leute noch im Corona-Krisenmodus“, sagt Ohlmann.

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Was, wenn sich der Rosenheimer Kunde sich nicht traut, ein Geschäft zu betreten, gar ein T-Shirt anzuprobieren oder eine Hose? Auch die Tatsache, dass die Großen des Rosenheimer Handels, Magnete wie Peek und Cloppenburg oder Galeria, nicht aufsperren dürfen, trage nicht dazu bei, besonders erwartungsvoll zu sein, sagt Ohlmann. Am Ende des Gesprächs hofft aber auch er „auf einen Silberstreif am Horizont“.

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