FRAUEN- UND MÄDCHENNOTRUF

Beratungsbedarf um 50 Prozent gestiegen

Der Frauen- und Mädchennotruf in Rosenheim ist eine wichtige Anlaufstelle für Opfer von Gewalt. Jetzt hat sich die Stadt auf Antrag der SPD dazu entschlossen, ihren Zuschuss zu erhöhen.

Rosenheim – „Die Entscheidung der Stadt, ihren Zuschuss zu erhöhen, ist ein Schritt in die richtige Richtung und längst überfällig“, sagte Diplomsozialpädagogin Mirjam Spies vom Frauen- und Mädchennotruf. Der ehrenamtlich arbeitende Vorstand muss derzeit rund 60 Prozent des Jahresetats selbst stemmen. Diese 156 800 Euro bringt der Frauen- und Mädchennotruf durch Spendengelder, Mitgliedsbeiträge und Bußgelder auf. Laut Spies ist selbst die Deckung der Personalkosten nicht gesichert. „Gewalt gegen Frauen verstößt gegen das Grundgesetz. Die Unterstützung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, sollte ein Angebot sein, das mit Mitteln der öffentlichen Förderung von Land und Kommunen sichergestellt ist.“

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Beratungsbedarf gestiegen ist. 2012 gab es 1005 Kontakte, 2016 waren es schon 1522. „Die 1522 Beratungskontakte sind auf 255 Betroffene und 118 Bezugspersonen verteilt“, erklärt Spies. Es gebe Frauen, die eine einmalige Beratung in Anspruch nähmen und Frauen, die über einen längeren Zeitraum Unterstützung fänden.

Der Frauen- und Mädchennotruf berät zu den Themen häusliche und sexualisierte Gewalt. Geholfen wird betroffenen Frauen, Mädchen und Jungen und deren Bezugspersonen. „Die Gewalt passiert häufig im sozialen Umfeld. Viele dieser Frauen erleiden die Übergriffe durch Männer, die sie kennen. Dies hat oft schwerwiegende Folgen, das Vertrauen in die Umwelt und in sich selbst wird zerstört“, erklärt Spies.

Die meisten Frauen nehmen über das Telefon Kontakt auf, kommen dann aber zu persönlichen Gesprächen in die Beratungsstelle. „Wir bieten ihnen qualifizierte Beratung und Begleitung“, erklärt Spies. „Wir unterstützen Frauen im Meistern des Alltags, der häufig durch das Gewalterleben aus den Fugen geraten ist.“ Neben den Gesprächen begleiten die Beraterinnen auch zu Anwältinnen, Jobcenter, Gericht und Jugendamt. „Es geht darum, wieder Stabilität zu erlangen“, so Spies.

Beratung von Frauen aus 31 Nationen

Seit 2010 gibt es auch die Interventionsstelle pro-aktive Beratung bei häuslicher Gewalt, die erst seit 2016 staatlich gefördert wird. „Unsere Interventionsstelle kooperiert mit den Polizeiinspektionen von Stadt und Landkreis Rosenheim sowie den Polizeiinspektionen des Landkreises Miesbach“, sagt Spies. Über diese Kooperation werden Frauen erreicht, die von sich aus keine Unterstützung suchen. In 2016 unterstützte der Frauen- und Mädchennotruf auf diese Weise 73 Betroffene.

Die Beraterinnen haben neben der Ausbildung zur Sozialpädagogin auch traumaspezifische Zusatzqualifikationen. „Die Ausbildung ermöglicht es uns, Frauen in Krisensituationen zu stabilisieren“, sagt Spies. Dadurch können beispielsweise lange Wartezeiten auf Therapieplätze überbrückt werden.

Im Jahr 2016 wurden Frauen aus 31 Nationen beraten und 26 Frauen mit Behinderung unterstützt. Insgesamt stellt Spies fest, dass Frauen im Unterschied zu früher heute zwar besser über Gewalt informiert sind, „das heißt aber nicht, dass sie wissen, wie sie sich aus der Gewalt befreien können.“

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