Stadtrat hat entschieden

Beratung für Betroffene und Angehörige: Rosenheim bekommt einen Pflegestützpunkt

Beratung, Hilfe und Begleitung bekommen Pflegebedürftige und deren Angehörige bei einem Pflegestützpunkt. Eine solche Anlaufstelle soll es demnächst auch in Rosenheim geben.
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Beratung, Hilfe und Begleitung bekommen Pflegebedürftige und deren Angehörige bei einem Pflegestützpunkt. Eine solche Anlaufstelle soll es demnächst auch in Rosenheim geben.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Pflegestützpunkte sind eine wichtige Anlaufstelle für ratsuchende Pflegebedürftige und deren Angehörige. Bundesweit gibt es mittlerweile über 300 Einrichtungen. Bald auch in Rosenheim. Das haben die Mitglieder des Stadtrates einstimmig beschlossen.

Rosenheim – Dass die Rosenheimer SPD hartnäckig sein kann, hat sie schon mehrmals unter Beweis gestellt. So auch beim Thema Pflegestützpunkt. Bereits im Februar 2020 stellte die Fraktion einen Antrag und forderte die Errichtung eines Pflegestützpunktes in der Stadt. „In einer immer stärker alternden Gesellschaft ist es dringend notwendig, einen Pflegestützpunkt zur neutralen Beratung in Fragen und Pflegebedürftigkeit sowie der Eingliederungshilfe von Menschen mit Behinderung anzubieten“, begründete der damalige Fraktionsvorsitzende Robert Metzger den Antrag.

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Noch nicht alle Unklarheiten beseitigt

Eine Forderung, die auch sein Nachfolger, Abuzar Erdogan, einige Monate später noch vertritt. „Viele Menschen wissen überhaupt nicht, was das Sozialgesetzbuch für Leistungen anbietet“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Umso erfreulicher dürfte es für die beiden SPD-Männer sein, dass sich sowohl die Stadt als auch der Landkreis mittlerweile mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Zwar seien laut Oberbürgermeister Andreas März (CSU) noch nicht alle „Unklarheiten beseitigt“, trotzdem wolle man sich Gedanken machen über die organisatorischen und räumlichen Voraussetzungen.

Pflegebedarfsplanung durch Corona-Krise verzögert

Und das, obwohl März eigentlich die Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung abwarten wollte. Weil sich die Fertigstellung dieses Gutachtens aber aufgrund der Corona-Krise stark verzögert habe, habe man sich in der Verwaltung darauf geeinigt, mit dem Aufbau und der Errichtung eines Pflegestützpunktes zu beginnen. Auch deshalb, weil der Betrieb und die Errichtung von Anfang an in engster Zusammenarbeit mit dem Landratsamt geplant war. Wie berichtet, haben die Mitglieder des Kreisausschusses in ihrer jüngsten Sitzung ebenfalls grünes Licht für das Vorhaben gegeben.

Wohnortnahe Beratung, Versorgung und Betreuung

Der Weg, die Beratung in Pflegefragen in Stadt und Landkreis zu stärken, ist also frei. „Unser Ziel ist eine möglichst wohnortnahe Beratung, Versorgung und Betreuung der Bürger zu allen Fragen der Hilfe zur Pflege“, heißt es aus dem Rathaus. Dabei sei es wichtig, nicht aus den Augen zu verlieren, dass die bestehenden Beratungs- und Hilfsstrukturen nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr in die Arbeit des Pflegestützpunktes eingebunden werden.

Stadt betreibt Pflegestützpunkt in Eigenregie

Die Organisation des Pflegestützpunktes soll im Rahmen des Angestelltenmodells erfolgen. Das bedeutet, dass die Stadt den Pflegestützpunkt in Eigenregie betreibt und dafür die Kosten zum Großteil erstattet bekommt.

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„Das Angestelltenmodell ermöglicht eine eigenständige Steuerung und Betriebsführung“, heißt es von der Verwaltung. Personalplanung, Personaleinsatz und organisatorische Abläufe könnten so eigenständig koordiniert und gesteuert werden. Zudem gewährleistet die personelle Kontinuität, dass Rat- und Hilfesuchenden eine konstante Bezugsperson zur Verfügung steht, welche sie individuell begleitet und berät.

Eine Vollzeitstelle für 60 000 Einwohner

Die Kosten, die auf die Stadt zukommen, regelt ein Rahmenvertrag. Der sieht vor, dass pro 60 000 Einwohner eine Vollzeitstelle zu schaffen ist. Das bedeutet bei 64 162 Einwohnern, eine Vollzeitkraft. Da die Stadt ein Sechstel der Personalkosten selber tragen muss – zwei Drittel übernehmen die Kassen, ein Sechstel bezahlt der Bezirk – rechnet die Verwaltung mit Ausgaben von rund 17 036 Euro pro Jahr.

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Aus diesem Grund will die Stadt überprüfen, ob eine Regelfinanzierung durch den Freistaat Bayern möglich ist. Wäre das der Fall gäbe es keine zusätzlichen Ausgaben.

Räume sollen angemietet werden

Der Plan ist jetzt, dass die Stadt – gemeinsam mit dem Landkreis – zentrale, ausreichend große, barrierefreie und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Räumlichkeiten mietet. „Die Stadt und das Landratsamt betreiben jeweils einen eigenen Pflegestützpunkt“, machte Oberbürgermeister März noch einmal deutlich.

Enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis

Ziel sei jedoch eine „überaus enge Zusammenarbeit der Mitarbeiter des Pflegestützpunktes der Stadt und des Landratsamtes“. „Wir müssen schauen, ob er angenommen wird“, sagte der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann. Etwas euphorischer zeigte sich Sonja Gintenreiter (Grüne). So herrsche in der Stadt eine große Unsicherheit, an wen man sich bei bestimmten Fragen wenden müsse. Dass es demnächst eine Stelle gebe, wo „die Informationen gebündelt werden“, sei deshalb gut und wichtig.

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