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Nato-Beitritt: Türkei macht Weg für Finnland und Schweden frei - und soll dafür „ernste Gewinne“ erhalten

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Das steckt hinter dem Rosenheimer Verein

Bei den Schlaraffen ist es mindestens so feierlich wie bei der Queen

Arte Voluptas heißt das Motto der Schlaraffen: In voller „Rüstung“ von links. Oberschlaraffe „Fresco von hetz mi ned“, „Tirando der Minneholzige“, „Lockolin das stille Blondchen“ und Konrad-san da Kimm-Mo. 
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Arte Voluptas heißt das Motto der Schlaraffen: In voller „Rüstung“ von links. Oberschlaraffe „Fresco von hetz mi ned“, „Tirando der Minneholzige“, „Lockolin das stille Blondchen“ und Konrad-san da Kimm-Mo. 
  • VonThomas Stöppler
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Ein bisschen Gaga sind sie, sagen die Schlaraffen über sich selbst, und das ist wohl etwas untertrieben. Über einen Verein, der sich Kunst, Humor und Freundschaft verschrieben hat.

Rosenheim – „Ihnen sitzen hier nur Grafen und Fürsten gegenüber“, erklärt Konrad-san da Kimm-Mo. Besonders fürstlich sieht allerdings keiner der vier Herren aus: Unter dem Tisch lassen sich Sandalen und kurze Hosen entdecken und auch von Siegelringen oder anderen Insignien, die auf adelige Herkunft deuten könnten, ist keine Spur zu entdecken. Nur die Burg, die mitten in der Rosenheimer Innenstadt im vierten Stock eines schönen Altbaus liegt, wirkt mit Holzvertäfelung und Thron schon ein wenig ritterlich.

Reyche auf der ganzen Welt

Moment – eine Burg in der Rosenheimer Innenstadt? Im vierten Stock? Doch, wirklich. So jedenfalls nennen die Schlaraffen Ihr Vereinsheim. Seit 1950 gibt es den Verein „Schlaraffia im Rosenhaag“. Weltweit gibt es ihn allerdings deutlich länger: 1859 wurde er in Prag gegründet. Dort durften einige junge Künstler nicht in die Künstlervereinigung, da sie „zu proletarisch“ waren. Die Reaktion folgte prompt mit einem eigenen Künstlerverein, der sich über den Standesdünkel der Oberen lustig machte. Heute gibt es fast überall auf der Welt „Reyche“ (die lokalen Ableger), in denen ausschließlich deutsch gesprochen wird. Das Gründungsdatum ist der Beginn einer Zeitrechnung – im wahrsten Sinne des Wortes: Schlaraffen geben Jahreszahlen vom Startpunkt 1859 an. Der Rosenhaag wurde also im Jahr 91 gegründet.

„Wir pflegen Kunst, Humor und Freundschaft“, wird einem einhellig erklärt, wenn man fragt, was die Schlaraffen eigentlich tun. „Es ist eine Persiflage auf das Leben“, erklärt Fresco von Hetz mi Ned, aktuell Oberschlaraffe im Rosenhaag. Als Oberschlaraffe wird er mit „Eure Herrlichkeit“ angesprochen und ist dazu als Leiter der Sippungen (so heißen die wöchentlichen Treffen) auch noch unfehlbar.

Die Unfehlbarkeit ist eine der wenigen Ausnahmen bei den ansonsten strengen Regeln: Keine Politik, keine Religion und kein Geschäft. Politik und Religion haben keinen Platz, weil sie zu leicht ins Ernste kippen können. Das Geschäft kennen, damit man beim Spaß bleibt und nicht doch wieder über den Alltag spricht.

Der Humor kommt nicht zu kurz

Denn genau darum geht es den Schlaraffen: Das Profane hinter sich zu lassen. Da kommt die Kunst ganz recht. Jeder Schlaraffe ist angehalten etwas darbieten: Musik zum Beispiel oder Gedichte rezitieren – eigene wie fremde. Dabei darf nicht kritisiert werden. Nicht nur der Höflichkeit wegen: Quasi niemand ist professioneller Musiker oder Künstler. Aber so mancher hat in der Jugend ein Instrument gelernt und hier gibt es den passenden Rahmen, das wieder hervorzuholen. „Da muss keiner Angst haben, wir sind ja unter uns“, erklärt Lockolin das stille Blondchen und Tirando der Minneholzige ergänzt: „Ich habe hier das freie Reden gelernt, das konnte ich vorher überhaupt nicht.“

Der Humor kommt wirklich an keiner Ecke zu kurz. Betritt ein Schlaraffe die Burg, so legt er am Eingang seinen profanen Namen ab, verbeugt sich vor dem am Eingang aufgestellten Uhu, dem Zeichen der Schlaraffen und begrüßt die anderen mit einem „Lulu“. Kurz für „ludum ludite“, lateinisch für „Spielt das Spiel.“ Schlaraffenlatein ist sowieso eine Sache für sich. Es gilt ein kleines Lexikon auswendig zu lernen: Beim Klang des Kniewinsels füllte der Küper den Humpen mit Lethe. Für normalsterbliche heißt das soviel, wie: Beim Klang des Cellos füllte der Kellner das Glas mit Wein.

Man muss ein bisschen Gaga sein, heißt es schon in der Broschüre und Oberschlaraffe Fresco bestätigt das noch mal. Aber es entstehen genau durch das Ablegen der profanen, bürgerlichen Rollen lebenslange Freundschaften: „Hier fragt keiner, wer Du bist, was Du kannst, sondern Du wirst so angenommen, wie Du bist.“

Das Einzige, was Mitglieder und solche, die es werden wollen, mitbringen müssen ist Humor – nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Auch die vier Ritter sparen nicht mit Witzen über sich selbst oder ihre Kollegen – dabei bleibt alles deutlich oberhalb der Gürtellinie ohne deswegen harmlos zu sein.

Pilger, Junker, Ritter und Burgfrauen

Die Burgfrauen (also die Gattinnen der Schlaraffen) müssen übrigens genau wie alle anderen Damen bei den Sippungen draußen bleiben. „Wir könnten nicht so kindsköpfig sein, wenn Frauen dabei wären“, sagt Tirando. Aber es gibt natürlich Ausnahmen, zum Beispiel beim Rosenkavaliersabend. Für den waren sie schon im Schloss Amerang, im Ballhaus und – ein wenig profaner – im Kultur- und Kongreßzentrum. Dabei sind dann auch allerhand Außenstehende geladen, nicht nur die Burgfrauen. Wer an den regulären Sippungen teilnehmen will, der kommt als Pilger.

Wer Mitglied werden möchte, der wird zunächst Junker und dann irgendwann zum Ritter geschlagen. Mit Schwert und allem drum und dran. „Das ist mindestens so feierlich wie bei der Queen,“ erklärt Konrad-san.

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