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Helfer erhalten Ehrenzeichen

Mehr als „nur“ Ehrenamt: Warum sich Rosenheimer für ihr Engagement im Rettungsdienst entscheiden

Die Geehrten gemeinsam mit Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (links), der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (Dritte von rechts) und Vertretern der Hilfsorganisationen.
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Die Geehrten gemeinsam mit Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (links), der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (Dritte von rechts) und Vertretern der Hilfsorganisationen.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Sie haben ihren Hilfsorganisationen seit Jahren die Treue gehalten: Elf Rosenheimer hat der Freistaat Bayern mit dem Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten für ihr ehrenamtliche Engagement ausgezeichnet. Dabei sind die Wege ins Ehrenamt durchaus vielfältig, wenngleich sich immer weniger hierfür entscheiden.

Rosenheim – An elf langjährig aktive Mitglieder des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), des Technischen Hilfswerks (THW) und des Malteser-Hilfsdienstes (MHD) hat die Stadt Rosenheim das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten verliehen. Gemeinsam mit der örtlichen CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig übergab Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März die Auszeichnung an jene neun Personen, denen es möglich war, das Ehrenzeichen persönlich entgegenzunehmen.

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„Gemeinschaft wächst durch Gemeinsinn“, würdigte März den Einsatz der Geehrten. Das Ehrenamt sei „Rückgrat für das soziale Bindungsgeflecht“. Ludwig lobte die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen untereinander und den Einsatz der Helfer während der Corona-Pandemie – auch zu Zeiten, während denen noch kein Impfstoff für die Kräfte zur Verfügung stand.

Viele Wege führen ins Ehrenamt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten verleiht der Freistaat seit 1994. Es erhalten Personen, die sich durch aktive Tätigkeit in Vereinen, Organisationen und sonstigen Gemeinschaften mit kulturellen, sportlichen, sozialen oder anderen gemeinnützigen Zielen „hervorragende Verdienste“ erworben haben.

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Dabei sind die Wege ins Ehrenamt durchaus unterschiedlich: Von den Maltesern zum BRK zog es vor 25 Jahren die Rosenheimerin Christine Graf. Damals, berichtet sie, sei es eine Wette gewesen, ob sie das silberne Rettungsschwimmabzeichen schaffe. Die Wette hatte sie gewonnen, und die Wasserwacht des BRK war recht schnell zur Stelle, um sie für sich zu gewinnen. Für die ausgebildete Rettungssanitäterin gehört seitdem der Happinger Ausee zu ihrem „Revier“, wo sie für die Wasserwacht die Badegäste beaufsichtigt.

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Ihren Beitritt zum BRK hat sie nie bereut. Vor allem die Kameradschaft unter den Mitgliedern hebt die 58-Jährige hervor. Wenn Not am Mann sei, seien alle zur Stelle – egal ob dienstlich oder privat. Dabei ziert sie sich ein wenig ob der Auszeichnung durch den Freistaat. Graf findet, ihre Kollegen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk hätten diese viel eher verdient, seien sie es doch, die sich bei Unglücken in Gefahr begeben, um Opfer zu bergen.

Kleinflugzeug stürzt in Hofstätter See

Auch Heinrich Gumpert engagiert sich seit nunmehr 25 Jahren bei der Rosenheimer Wasserwacht. Der 65-Jährige kam über einen Kurs für Rettungsschwimmer zum Rosenheimer BRK. In dieser Zeit konnte er seine Fertigkeiten als gelernter Kfz-Elektroniker einbringen, als gerade ein ganzer Schwung an Einsatzfahrzeugen umgebaut werden musste.

Als Bergungs- und Rettungstaucher waren die Einsätze für Gumpert meist eher unerfreulich, oft waren es Tote, die es zu bergen galt. In Erinnerung geblieben ist ihm der Absturz eines Kleinflugzeugs in den Hofstätter See im Jahr 2002. Auf der anderen Seite freut sich der zweifache Vater jedes Jahr auf das Weihnachtstreffen der Wasserwacht zu Heiligabend.

Alternativen zum Wehr- und Zivildienst

Seit 25 Jahren engagiert sich Daniel Geisse beim Technischen Hilfswerk. Nach Rosenheim zum dortigen Ortsverband des THW ist er vor drei Jahren gekommen. Vorher war der Bauingenieur in München aktiv, zuvor an seinem Studienort Darmstadt. Er verpflichtete sich für den Katastrophenschutz beim THW – eine der damaligen Alternativen zum Wehr- oder Zivildienst. Inzwischen sei er jedoch zum „Überzeugungstäter“ geworden.

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Beim THW ist er als Fachberater für Bauwesen tätig und deswegen erst jüngst beim Halfinger Kirchturm vor Ort gewesen, um dessen Standsicherheit zu prüfen (wir berichteten). „Ich war vorher noch nie in einer Kirchturmspitze“, sagt Geissing über dieses Erlebnis. Er schätzt vor allem die Kameradschaft innerhalb des Technischen Hilfswerks. „Man merkt immer, die Leute sind alle voll dabei“, schwärmt er. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht befürchtete er, dass die Zahl an Nachwuchskräften beim THW abnehmen könnte. Dies habe sich aus seiner Wahrnehmung heraus jedoch nicht bewahrheitet.

Der Tritt in den Hintern

Die Bundeswehr wiederum hat den Wasserburger Josef Meltl zum BRK „getrieben“. Dort hatte er einen Kurs als Helfer im Sanitätsdienst gemacht, auch wenn er selbst nicht im Sanitätsbereich gedient hatte. Als er selbst der Notfall war und ihm andere zur Hilfe eilten, sei dies für Meltl der „Tritt in den Hintern“ gewesen, sich beim BRK zu engagieren. Dort war der 63-Jährige unter anderem beim Rettungsdienst aktiv, als dieser noch vornehmlich ehrenamtlich organisiert war.

Weniger Nachwuchs

Gerne erinnert er sich dabei an eine Krankenfahrt nach München: Er und sein Kollege brachten einen Buben ins Hospital, die Mutter begleitete den Transport. Erstaunt sei diese jedoch darüber gewesen, wie gut sich Meltl und der Bub verstanden ohne zu fremdeln. Er bedauert, dass der Nachwuchs beim BRK merklich nachgelassen habe.

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In Wasserburg seien für Sanitäts- oder Betreuungszüge gut und gerne 60 bis 70 Leute zusammengekommen. Inzwischen sei es nur noch die Hälfte. Er vermutet, dass die vielen Freizeitalternativen, gerade im digitalen Bereich, das Interesse am Ehrenamt sinken lasse.

Eine große Familie

Die „große Familie“ und den Zusammenhalt unter den Kameraden schätzt Markus Schulz am Technischen Hilfswerk. Der 46-Jährige aus Pang stieß seinerzeit über den Katastrophenschutz zu den Helfern. Inzwischen leitet er die Fachgruppe Wassergefahren und kümmert sich damit auch um die Ausbildung der Gruppe.

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Selbstredend ist ihm noch das große Hochwasser in Rosenheim und Kolbermoor im Jahr 2013 in Erinnerung geblieben. Aber auch bei den Rettungsmaßnahmen nach dem Zugunglück bei Bad Aibling war Markus Schulz dabei.

Passion zum Beruf gemacht

Auf 40 Jahre Mitgliedschaft beim BRK blickt Thomas Neugebauer zurück. Der Rosenheimer ist beim Roten Kreuz quasi aufgewachsen: Nach dem Jugendrotkreuz blieb er der Hilfsorganisation auch weiterhin als Teil der Bereitschaft erhalten. Neben Sanitätsdiensten war der Rosenheimer auch ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig. Eine Passion, die er als Leiter des BRK-Rettungsdienstes inzwischen zum Beruf gemacht hat. Für ihn ist klar: Beim Nachwuchs im Ehrenamt müsse man „dranbleiben“, wie er sagt. Will heißen, dass die jungen Leute nicht von allein kommen und man sich um den Nachwuchs bemühen müsse.

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