Bäume fallen ganz zum Schluss

Hier ist es deutlich zu sehen: Am Bahnhof gab es zwei Unterführungen. Eine wurde nie geöffnet. Sie sollte direkt in das Hertie-Untergeschoss leiten. Hertie kam aber nie nach Rosenheim. Foto Schlecker
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Hier ist es deutlich zu sehen: Am Bahnhof gab es zwei Unterführungen. Eine wurde nie geöffnet. Sie sollte direkt in das Hertie-Untergeschoss leiten. Hertie kam aber nie nach Rosenheim. Foto Schlecker

Bis das Gelände am Bahnhof sein neues Gesicht zeigt, vergehen noch Jahre. Das Fällen der Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz würde die Optik besonders einschneidend verändern. Die endgültige Entscheidung, ob alle weichen müssen, behielt sich der Stadtrat gestern noch vor.

Rosenheim - Die bisherige Planung sieht vor, dass die Bäume wegen des Bunkers fallen müssen. Dieser soll abgerissen werden. Das ist Bestandteil des Wettbewerbsergebnisses. Die Bäume wachsen zum Teil in diesen Hügel hinein. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Franz Lukas meinte aber im Haupt- und Finanzausschuss und nun erneut im Stadtrat, man solle versuchen, zumindest einig zu erhalten. Vom Bahnhof bis zum Brückenberg werde in den nächsten Jahren neu gebaut. Da dürfe man den Bahnhofsvorplatz nicht "baulich verunstalten". Möglicherweise sei unter den Bäumen der ideale Platz für eine Terrasse, wenn in das alte Oberbahnamt, wie geplant, ein Gastronomiebetrieb einzieht.

Baudezernent Helmut Cybulska wies auf geplante Neupflanzungen hin. Die vorhandenen Bäume jedoch stünden auch anderen Nutzungen im Wege. Unter anderem müssen die Bushaltestellen des Regionalverkehrs während des Neubaus des regionalen Busbahnhofs gut erreichbar platziert werden. Demnächst will Cybulska eine Übersicht darüber vorlegen, wie welche Flächen am Bahnhof zu welcher Zeit übergangsweise genutzt werden sollen. Um den gesamten Stadtrat mit einzubinden, bat Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer um Behandlung des Themas nach der Sommerpause.

"Möglichst nahe am Bahnhof", forderte CSU-Stadtrat Wolfgang Bergmüller den Übergangs-Busbahnhof. Ob die Bäume auf dem Vorplatz ein Jahr früher oder später gefällt werden, hält er für nicht so entscheidend. Wichtig seien kurze Wege für die Buskunden.

Zuvor hatte die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht im Haupt- und Finanzausschuss daran erinnert, wie vor langer Zeit Bäume an der Westerndorfer Straße gefällt worden waren, ohne dass in den darauf folgenden Jahren der geplante Neubau entstand. "Wegreißen und Fällen geht schnell", warnte sie. Im Stadtrat zeigte sich auch ihr Fraktionskollege Andreas Lakowski skeptisch. Der Stadtrat müsse auf jeden Fall noch einmal gehört werden, bevor Fakten geschaffen werden. "Wir werden die Bäume so lange erhalten wie es geht. Das kommt ganz zum Schluss", versicherte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Solange nicht feststehe, wie die Konzeption aussieht, werde nichts geschehen.

Die derzeitigen Bauarbeiten zwischen AntonKathrein- und Münchener Straße sind auf die Neuverlegung von Fernwärme- und Wasserleitungen zurückzuführen. Mit der Neugestaltung der Flächen am Bahnhof haben sie nur indirekt etwas zu tun. Der einzige Zusammenhang besteht darin, dass diese Arbeiten abgeschlossen sein müssen, wenn die Erschließung der Flächen am Bahnhof beginnt.

Gleichzeitig werden jetzt die 1972 gebauten Fußgängerunterführungen abgerissen. Damals musste der Bau der Bundesbahnsozialverwaltung Süd an der Ecke Bahnhof-/Luitpoldstraße weichen. Die Verwaltung sollte aus Rosenheim wegverlagert und einer anderen Stelle angegliedert werden. Vor allem Georg Bamberg, zu dieser Zeit Bundestagsabgeordneter der SPD, machte sich für den Erhalt stark - erfolgreich. Die Sozialverwaltung zog an die Klepperstraße. Heute firmiert sie unter dem Namen KVB, Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten.

Für das Grundstück Ecke Bahnhof-/Luitpoldstraße war lange Zeit das Kaufhaus Hertie als neuer Nutzer im Gespräch. Nachdem in diesem Bereich ohnehin Straßenbauarbeiten anstanden, baute man vorsorglich Unterführungen gleich mit. Eine hätte unterirdisch vom Bahnhof direkt ins Kaufhaus führen sollen. Doch Hertie kam nie. Dieser Teil der Unterführung wurde deshalb nie geöffnet und trat erst jetzt wieder bei den Abrissarbeiten zutage. Aber auch die offene Röhre als Verbindung vom Bahnhofsvorplatz zum Gebäude der Post auf der anderen Seite war nicht gerade ein Lieblingskind der Fußgänger. Als die Unterführung fertig war, stellte sich heraus, dass es die Bahnpendler viel zu eilig hatten, um sie zu benutzen. Viele Frauen mieden den dunklen Durchgang zudem, weil sie sich dort unwohl fühlten. Schon nach wenigen Jahren ließ die Stadt die Unterführung schließen.

Wegen der Fernwärme- und Abbrucharbeiten ist die Einmündung in die Bahnhofstraße seit Mitte Juli voll gesperrt. Bauende ist voraussichtlich im November.

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