Bäume erhalten und Autoverkehr eindämmen

Zum Bericht "Weg mit dem alten Bunker" im Lokalteil:

Die Aktion der Initiative "Bürgerbeteiligung Zukunft Rosenheim" hört sich doch toll an: Weg mit dem Kriegsbunker - damit werden alle Verkehrsteilnehmer vom Autofahrer bis hinab zum Fußgänger glücklich, und sogar die Ökologie profitiert!

Das ist wohl zu schön, um wahr zu sein. Denn dort, wo der Bunker steht, sehen die derzeitigen Planungen weder Parkplätze noch eine Bushaltestelle und auch keine Fahrrad-Abstellanlagen vor. Zudem gibt es gewichtige Gründe, das Bauwerk aufzuwerten und zu erhalten: von den dort stehenden schönen Bäumen angefangen über die vielen Nutzungsmöglichkeiten des Hügels bis hin zur moralischen Verpflichtung, die Erinnerung an eine unliebsame Vergangenheit nicht einfach wegzuschieben. Neupflanzungen könnten den Wert der jetzigen Großbäume für Mensch und Natur allenfalls in Jahrzehnten erreichen - soviel zum Thema Ökologie!

Warum also dieser Aufwand für eine Petition? Maßgebliche Mitglieder der Initiative haben bisher schon einige fragwürdige Veränderungen der Planung angeschoben, zum Beispiel bei der Zahl und Lage von Kurzzeit-Stellplätzen, was zu Parksuchverkehr führen wird. Jegliche Verlagerung des Hol- und Bringverkehrs auf die Südseite wäre den Gewerbetreibenden am Bahnhof ein Dorn im Auge. Auch bei dieser Aktion dürfte wieder die Förderung des Autoverkehrs im Vordergrund stehen.

Die Nutzer von Bus, Fahrrad und den eigenen Gehwerkzeugen werden dagegen in die Röhre schauen. Für einen attraktiven Busverkehr zum Bahnhof und anderswohin müsste die Stadt ganz andere Aktivitäten entwickeln, zum Beispiel durch neue Bus/Fahrrad-Spuren und finanzielle Zuschüsse. Mit lediglich gut 1000 Fahrrad-Stellplätzen, wie von der Initiative gewünscht, werden viele ihr Rad wieder irgendwo im Gelände deponieren. Je mehr motorisierter Individualverkehr am Südtiroler Platz herrscht, desto gefährlicher und unangenehmer wird es für Fußgänger und Radfahrer.

Dient so eine Initiative wirklich den Bürgern?

Steffen Storandt

Bund Naturschutz

Ortsgruppe Rosenheim

Über den Bunker kann man sich ja streiten, wie erhaltenswert dieser wirklich ist. Ein Schildbürgerstreich aber wäre es, den alten eingewachsenen Baumbestand durch einen aspaltierten Platz mit zarten Bäumchen zu bepflanzen, die 50 und mehr Jahre brauchen, um wieder zu solchen prächtigen Gestalten heranzuwachsen. Es gibt in der Republik viele Bahnhofsvorplätze, die sich vor allem durch Leere auszeichnen; einen derart prächtigen Eingang in die Stadt wie in Rosenheim findet man selten.

Ein Bahnhof muss eine Verkehrsdrehscheibe sein. Und dazu gehört natürlich eine Anbindung durch Stadtbusse: passend zu den Zügen muss eine Verbindung in die verschiedenen Winkel der Stadt organisiert werden, so dass kaum noch die Notwendigkeit besteht, den Bahnhof mit dem Auto anzufahren, und so die Innenstadt zu belasten. Dieses Ziel würden wir uneingeschränkt mittragen.

Daher die Frage an den neuen Stadtrat: wann wird das Thema ÖPNV und Stadtbus von der Stadt Rosenheim endlich einmal systematisch angegangen? Den Verkehr zu organisieren ist Aufgabe der Stadtplanung; diese Aufgabe wird aber bislang nur in Bezug auf das Auto wahrgenommen. Der ÖPNV wird nicht gestaltet, man überlässt ihn einfach seinem Schicksal. Auch das City-Management ignoriert das Thema ÖPNV gänzlich.

Ein ÖPNV Konzept für Rosenheim, mit dem Bahnhof als Verkehrsdrehscheibe. Ja, das wird höchste Zeit.

Dr. Willi Messing

Initiativkreis RoRegio

Kommentare