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OVB-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“

„Bärenmutter mit Kind“ an der Happinger Grundschule erzählt von Mutterliebe und Vertrauen

Die Kalkstein-Skulptur „Bärenmutter mit Kind“ schuf 1976 die Bildhauerin Marianne Lüdicke für die neu eröffnete Grundschule im Rosenheimer Stadtteil Happing.
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Die Kalkstein-Skulptur „Bärenmutter mit Kind“ schuf 1976 die Bildhauerin Marianne Lüdicke für die neu eröffnete Grundschule im Rosenheimer Stadtteil Happing.
  • VonEvelyn Frick
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Das knuddelige Bärenjunge ist seiner auf dem Rücken liegenden Mutter auf den Bauch geklettert: Ein tiefes Gefühl von Mutterliebe und kindlichem Vertrauen spricht aus der großformatigen Steinskulptur, die Marianne Lüdicke 1976 für das Freigelände der Grundschule im Rosenheimer Stadtteil Happing schuf.

Rosenheim – Das Thema „Bärenmutter mit Kind“ passt natürlich bestens zu der 1976 neu eröffneten Grundschule in der Eichenholzstraße, deren Bau eine ausdrückliche Bedingung für die Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Happing zur Stadt Rosenheim im Jahre 1967 war. Doch auch dann sollte es noch neun Jahre dauern, bis die Happinger Schüler nicht mehr den weiten Weg bis zur Grundschule in Aising hatten. Für die „Kunst am Bau“ wählte man die Bärenplastik der in Weisham bei Prien lebenden Bildhauerin aus, deren Signatur „ML“ ganz unten auf der linken Pobacke von Mutter Bär zu finden ist.

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Marianne Lüdicke konzentrierte sich in ihrem umfangreichen Werk auf zwei große Themenbereiche, den Menschen und das Tier. Und so wie sich in ihren Menschendarstellungen immer wieder neben Einzelfiguren Paarungen oder auch kleine Gruppen ergeben, wie Mutter und Kind, Mann und Frau, Frauen oder Kinder, so spielt der Dialog, das zueinander in Beziehung treten, auch in ihrer Tierplastik eine wichtige Rolle. Hier nun Mutter und Kind in der Tierwelt, genauer gesagt in der Bärenwelt.

Typisch für die Grande Dame der Chiemgauer Künstlerwelt

Die künstlerische Umsetzung ist typisch für die Grande Dame der Chiemgauer Künstlerwelt, deren Kleinbronzen bei Sammler sehr beliebt, deren Großplastiken in Prien, Rosenheim, München, Köln und Darmstadt im öffentlichen Raum präsent sind, deren Schaffen von Künstlerkollegen anerkannt und deren Jury-Urteil geschätzt wurde.

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Bildhauerin Marianne Lüdicke

In ihrem Werkprozess konzentriert Marianne Lüdicke den Ausdruck auf das Wesentliche, verdichtet ihre Darstellungen auf grundlegende Linien und Formen, verzichtet auf viele Details, ohne dabei pauschal zu werden. Gerade in ihrer Konzentration liegt die große Kraft der Figuren. Marianne Lüdicke hat nie die figurative Umsetzung ihrer Vorlagen verlassen, blieb bei aller Abstraktion immer gegenständlich und verständlich. So auch hier bei der Bärenmutter mit ihrem Kind, deren Körper zu weichen großen Formen zusammengefasst sind, deren Einzelteile aber typisch für Bären sind, wie das Fell, die Schnauzen, die kleinen Ohren oder die Pfoten.

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Als Material wählte die Künstlerin einen Kalkstein, der gerne als Bale Marmor bezeichnet wird. Auch die weiteren Namen wie Kanfanar Stein oder Giallo d’Istria verweisen auf das Herkunftsgebiet. Hier auf der kroatischen Halbinsel Istrien, zwischen den Orten Kanfanar und Bale, finden sich die großen Steinbrüche für den hellen, frostsicheren und gut zu verarbeitenden Kalkstein.

Wird er heute vor allem für Platten und Verkleidungen genutzt, so ließ in der Antike Kaiser Vespasian aus diesem Stein das Amphitheater im nahen Pula errichten und die Venezianer erbauten daraus ihre Stadt in der Lagune.

Die Künstlerin

Marianne Lüdicke, 1919 in Frankfurt am Main geboren, besuchte 1938/39 in München die private Kunstschule von Wilhelm Georg Maxon. Von 1939 bis 1944 studierte sie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München; zuletzt als Meisterschülerin bei Professor Richard Knecht. 1938 war sie mit der Kunstschule Maxon erstmals nach Weisham in den Chiemgau gekommen. Hier fand die Bildhauerin ab 1945 ihre Heimat und wurde eine der prägenden Gestalten im regionalen Kunstschaffen. Geehrt mit dem Seerosenpreis der Stadt München (1980), dem Kulturpreis des Landkreises Rosenheim (1999) sowie der Goldenen Ehrenmünze der Marktgemeinde Prien am Chiemsee (2000) war die Vertreterin der klassischen Moderne auf zahlreichen Ausstellungen präsent. 2012 starb Marianne Lüdicke im Wohnstift Marquartstein.

Das Werk

„Bärenmutter mit Kind“, Bale Marmor, 1976, Höhe 120 Zentimeter, Breite 150 Zentimeter, Tiefe 70 Zentimeter; Signatur ML; Grundschule Happing, Eichenholzstraße 1, Rosenheim.

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