Autohäuser ächzen in der Coronakrise: Wie es Händlern im Raum Rosenheim ergeht

Autowerke habenim Zuge der Coronakrise den Betrieb eingestellt, fertige Fahrzeuge werden noch ausgeliefert. Die Autohäuser in der Region haben mit dem unterbrochenen Verkauf zu kämpfen, halten die Werkstätten für dringende Fälle jedoch offen. dpa
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Autowerke habenim Zuge der Coronakrise den Betrieb eingestellt, fertige Fahrzeuge werden noch ausgeliefert. Die Autohäuser in der Region haben mit dem unterbrochenen Verkauf zu kämpfen, halten die Werkstätten für dringende Fälle jedoch offen. dpa
  • vonAlexandra Schöne
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Es gibt nur noch telefonische Beratung, keine Probefahrten mehr und die Werkstätten bearbeiten nur notwendige Fälle: In den Autohäusern im Rosenheimer Raum haben die Auswirkungen der Coronakrise auch Einzug gefunden. Besonders die geschlossenen Zulassungsstellen sind ein Problem.

Rosenheim – Die Coronakrise durchdringt mittlerweile alle Teile des öffentlichen und privaten Lebens. So werden auch diejenigen nicht von den Auswirkungen verschont, die die Menschen mobil halten: die Autohäuser und ihre Werkstätten. Die bayerische Regierung hat kürzlich die Ausgangsbeschränkungen bis zum 19. April verlängert. Diese Maßnahme schränkt auch die Betriebe im Raum Rosenheim weiterhin ein.

„Die Situation ist angespannt“, sagt Roland Mainzl, Geschäftsführer der BaderMainzl-Autohäuser im Landkreis Rosenheim und Wolfratshausen (Audi, VW und Seat). „Der stationäre Fahrzeughandel ist untersagt, wir haben noch ein wenig Onlinegeschäft. In den Werkstätten dürfen wir nur noch Notwendiges zur Mobilerhaltung bearbeiten.“

Per Nachtannahme direkt in die Werkstatt

Die Mitarbeiter im Verkauf seien alle schon daheim. In den Werkstätten wurde die Mannschaft um 50 Prozent reduziert. Anfang April hat Mainzl Kurzarbeit angemeldet.

„Die Sicherheit der Angestellten in unseren vier Standorten geht selbstverständlich vor. Deshalb wird auch beim Service direkter Kundenkontakt vermieden, die Fahrzeuge werden so oft es geht per Nachtannahme in die Werkstatt gebracht“, erklärt der Geschäftsführer. „Außerdem tragen die Mitarbeiter immer Latexhandschuhe und verwenden in den Autos Sitz- und Lenkradschoner aus Kunststoff.“ Diese würden nach einmaligem Verwenden entsorgt werden. Das sei zwar nicht ökologisch, aber die Gesundheit der Menschen gehen in diesem Fall vor. Zudem werden alle Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Schlüssel, desinfiziert.

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Im Hinblick auf die Zukunft weist Mainzl auf die mittleren Betriebe hin. „Die Autoindustrie ist wichtig für die Infrastruktur, deshalb glaube ich schon, dass sie vom Staat gesichert werden wird. Aber das betrifft eher große und kleinere Betriebe. Firmen von mittlerer Größe, so wie die unsere, werden noch nicht wirklich unterstützt.“

Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent erwartet

Werden im Moment denn überhaupt noch Autos verkauft? An Privatpersonen nur noch vereinzelt, meint Willi Bonke, Geschäftsführer von Auto Eder in Kolbermoor (Ford, Mazda, Jaguar und Landrover). „Firmen wie Hilfs- und Lieferdienste oder Handwerker, die arbeiten und mobil bleiben müssen, kaufen schon noch Wägen.“

Trotzdem erwartete Bonke Rückgänge im Umsatz, um die 15 bis 20 Prozent. „Ungeachtet dessen haben wir das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent aufgestockt, sodass die nächsten zwei Monate die Mitarbeiter ihr volles Gehalt bekommen“, so Bonke. Im Servicebereich habe es durch die Ausgangsbeschränkungen einen massiven Einbruch gegeben.

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„Hier wird nur noch das Nötigste gemacht. Wir haben zudem alle Kontaktstellen zwischen Kunden und Mitarbeitern eliminiert.“ Trotz all der Ungewissheit ist er sich bei einer Sache sicher: „Eine schwarze Null wird es vermutlich nicht geben.“

Autohändler akzeptieren die Maßnahmen

Für Richard Meisinger, Geschäftsführer des Audi-Zentrums und des Volkswagen-Zentrums in Rosenheim, ist es das Wichtigste, seine Kunden mobil zu halten. „Die Werkstatt ist offen, aber im Verkauf sind schon 80 Prozent der Angestellten in Kurzarbeit. Die Lackierungsabteilung zum Beispiel ist aber noch voll beschäftigt“, berichtet er. Autos, die in den Werken vor der Coronakrise schon fertig produziert waren, wurden in den letzten Tagen noch ausgeliefert. „Das wird aber auch langsam zum Stillstand kommen, da die Fabriken den Betrieb eingestellt haben.“

Meisinger ist dennoch optimistisch. „Niemand kann sagen, wie es weitergeht. Aber: Wer es mit solch starken Marken wie Audi und Volkswagen nicht schafft, wer dann?“

Susanne Meisinger ist Geschäftsführerin des in Raubling ansässigen AVG-Auto-Vertriebes der Marke Mercedes. Sie verfährt genauso wie in den Audi und Volkswagen Zentren in Rosenheim. „Der Fokus liegt darauf, die Mitarbeiter gesund und den Fuhrpark mobil zu halten“, bekräftigt sie.

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Siegfried Bernegger vom Rosenheimer Fiat-Autohaus Bernegger sieht den eingestellten Fahrzeugverkauf als großes Problem, unterstreicht aber auch: „Das dient jetzt der Allgemeinheit und sowohl die Kunden als auch wir akzeptieren diese Maßnahme.“

Zulassungsstellen sind geschlossen

Das Problem sieht er eher in den geschlossenen Zulassungsstellen. In der Stadt Rosenheim werde noch ein bisschen etwas abgewickelt, aber die Landkreis-Zulassungsstelle sei quasi komplett dicht. „Wir haben zwischen 30 und 40 Autos, die eigentlich ausgeliefert werden müssten, aber nicht zugelassen sind. Für die haben wir sogar Lagerflächen angemietet“, berichtet Bernegger.

Ebenso ernst sieht das Problem mit den Zulassungen Robert Seebacher, Betriebsleiter des Autohauses Unterberger in Rosenheim (BMW und Mini).

„Es ist ein bisschen schade, dass Fahrzeuge nur noch in Notfällen zugelassen werden. Wir hatten zum Beispiel letztens einen Arzt, bei dessen Auto so verfahren wurde. Das ist natürlich richtig so. Aber viele andere Kunden würden ihre Wägen auch gerne abholen“, meint Seebacher. Zudem könne er als Händler keine Rechnungen schreiben, solange das Fahrzeug noch nicht angemeldet ist.

Trotz allem hofft er, dass die sich Coronakrise am Ende vielleicht auch positiv auf Autohändler auswirkt. „Ich könnte mir vorstellen, dass die individuelle Mobilität hinterher wieder mehr gefragt sein wird“, mutmaßt Seebacher.

Schleusen für Schilder sowie für Dokumente

Auch Albert Vetterl, Präsident und Landesinnungsmeister des bayerischen Kraftfahrzeuggewerbes, äußert sich zu den Herausforderungen und Problemen in der Coronakrise.

Er kritisiert die komplette Schließung eines großen Teils der Kfz-Zulassungsstellen in Bayern und fordert die Aufrechterhaltung des Zulassungsbetriebs. „Wir können als bayerisches Kfz-Gewerbe nicht akzeptieren, dass aus Angst der komplette Betrieb in sehr vielen Zulassungsstellen generell eingestellt wird.“

Die gebündelte Abwicklung von Zulassungen könne gefahrlos und durch „Schleusen“ für Dokumente und Schilder ohne körperlichen Kontakt erfolgen.

„Nach der Dieselkrise und nach den Unklarheiten bei der Förderung der E-Mobilität ist die Coronakrise jetzt innerhalb sehr kurzer Zeit wohl die größte Herausforderung, der wir uns stellen müssen“, sagt Vetterl.

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