Urteil gefallen

Autofahrer mit Bierflasche attackiert – Geldstrafe für 29-jährigen Rosenheimer

Mit einer Bierflasche hatte der Angeklagte nach einem Autofahrer geworfen.
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Mit einer Bierflasche hatte der Angeklagte nach einem Autofahrer geworfen.
  • vonTheo Auer
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Weil er einen Autofahrer in Rosenheim mit der Faust und einer Bierflasche attackiert haben soll, musste sich jetzt ein 29-jähriger Rosenheimer vor dem Amtsgericht verantworten. Eine rote Trainingsjacke hatte die Ermittler auf die Spur des Mannes geführt.

Rosenheim – Etliche Nachtschwärmer gerieten am frühen Morgen des 17. März 2019 im Hofbräu-Areal vor der Imbissbude aneinander. Aus dem Streit heraus attackierte einer der Streitenden den schlichtenden Dönerverkäufer. Dabei schleuderte der Angreifer einen Stuhl gegen das Ausgabefenster. Verletzt wurde niemand, allerdings trug der Fensterrahmen über der Ausgabe einen Schaden davon.

Ein Augenzeuge konnte der herbeigerufenen Polizeistreife den Vornamen des Täters nennen und diesen beschreiben. Er soll nach Angaben von Zeugen eine auffallend rote Trainingsjacke getragen haben.

Überwachungskamera als Beweismittel

Nur wenig später beobachteten Beamte der Polizeiinspektion Rosenheim auf der Überwachungskamera in der Ruedorfferstraße einen Mann in roter Trainingsjacke, der auf ein vorbeifahrendes Auto einschlug. Als daraufhin dessen Fahrer ausstieg und ihn zur Rede stellte, versuchte der Randalierer, ihn niederzuschlagen. Ob der Angegriffene geschickter war, oder ob der Angreifer zu betrunken war um zu treffen, ließ sich auf dem Video, das im Gerichtssaal des Amtsgerichtes Rosenheim abgespielt wurde, nicht mehr erkennen. Sehr wohl aber war zu sehen, dass der Angreifer den Autofahrer mit dem Wurf einer Bierflasche verletzen wollte.

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Weil der Angeklagte in der roten Trainingsjacke angetroffen wurde, hielt ihn die Polizei fest. Auch der Vorname, der von dem Zeugen an der Imbissbude angegeben wurde, stimmte überein. Nun fand sich der 29-jährige Mann aus Rosenheim also vor dem Amtsgericht Rosenheim als Angeklagter wieder. Zum Vorwurf gemacht wurden ihm versuchte gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Einschlägig vorbestraft

Zwar war der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft, jedoch erschien ein wichtiger Belastungszeuge nicht. Ein weiterer Beobachter war nicht geladen, sodass die vorsitzende Richterin nicht zu einer abschließenden Beurteilung kommen konnte. Der Angeklagte machte zu den Vorwürfen keine Angaben. Somit musste zunächst offenbleiben, ob der Angeklagte wirklich der nächtliche Randalierer war.

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Ein Zeuge war zunächst nicht geladen worden, weil dessen Aussage bei der Polizei nicht als wesentlich erschienen war. Nachdem ein Polizeibeamter als Zeuge jedoch ausgesagt hatte, dass von diesem ein entscheidender Hinweis auf den Täter gekommen war, vertagte die vorsitzende Richterin Julia Haager die Verhandlung, um diesen noch zu laden. Ein weiterer Zeuge war einfach nicht erschienen. Der Staatsanwalt beantragte deshalb ein erhebliches Bußgeld und beantragte dessen Vorführung durch die Polizei.

Am zweiten Verhandlungstag stellte sich dann heraus, dass der neue Zeuge sich plötzlich an viele Angaben nicht mehr erinnern konnte. Im Gegensatz zu seiner Aussage gegenüber den Beamten vor Ort konnte er sich lediglich an einen Wurf mit einem Stuhl, überhaupt nicht aber an den Werfer erinnern.

Zeuge war nicht erschienen

Weil der bislang nicht erschienene Zeuge auch von der Polizei nicht gefunden werden konnte, beschränkte sich das Gericht auf die Verlesung der Vernehmungsaussage des einen Zeugen und stellte auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Sachbeschädigung mit dem Stuhlwurf im Hinblick auf den anderen Anklagepunkt ein.

In seinem Schlussvortrag erklärte der Staatsanwalt, dass zwar die Sachbeschädigung wegen der Vergesslichkeit des Zeugen eingestellt sei. Das Video in der Ruedorfferstraße aber die Tat des Angeklagten klar belege. Wegen der versuchten Körperverletzung per Faustschlag und des gefährlichen Flaschenwurfes beantragte er eine Haftstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Ein Bußgeld von 1600 Euro solle ihm klar machen, dass dies kein Freispruch sei.

Verteidiger fordert Freispruch

Der Verteidiger Rechtsanwalt Oliver Drexler zweifelte die Beweiskraft der Videoaufzeichnung an, führte auch ins Feld, dass es keinerlei Belastungszeugen gegeben habe. Dazu sei sein Mandant auch viel später festgenommen worden und rote Trainingsjacken gäbe es wohl auch um 5 Uhr morgens mehr als eine. Er beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

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Zwar, so erklärte die Richterin, sei es nicht nachzuweisen, dass der Angeklagte mit hinreichender Absicht die Bierflasche geworfen habe. Zumal sie weitab von dem Kontrahenten gelandet sei. Keinerlei Zweifel habe sie aber an dem versuchten Niederschlag durch den Angeklagten. Deshalb verurteilte sie ihn wegen versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 3750 Euro.

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