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Noch bis zum 12. März

Ausstellung zum Weltfrauentag an der TH Rosenheim: Wie Frauen alles unter einen Hut bringen

Eine Demonstration der anderen Art: Anlässlich des Weltfrauentags haben Rosenheimer Frauen zu mehr Gleichberechtigung aufgerufen.
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Eine Demonstration der anderen Art: Anlässlich des Weltfrauentags haben Rosenheimer Frauen zu mehr Gleichberechtigung aufgerufen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Chancengleichheit, Gleichstellung und äußere Anforderungen: Die Ausstellung „Alles unter einen Hut“ widmet sich den Herausforderungen, denen sich vor allem Frauen gegenübersehen – und ist anlässlich des Weltfrauentags in der Technischen Hochschule zu sehen. Ein Besuch vor Ort.

Rosenheim – In der Hochschule dreht sich an diesem Vormittag alles um Hüte. Christine Mayer, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, trägt einen schwarzen Hut, mit weißem Band. Susanne Heunisch, Mitglied des Aktionsbündnisses „Internationaler Frauentag“, hat einen Strohhut auf, an dem eine Sonnenblume befestigt ist. Es gibt rote Hüte, Hüte mit frechen Slogans und Zylinder mit einer unmissverständlichen Botschaft.

Selbst gebastelte Schildern mit vielen Slogans

In der Mitte des Foyers steht ein überdimensionaler, türkisfarbener Hut. Um ihn herum haben sich zahlreiche Frauen versammelt – darunter Stadträte, Vertreter der Hochschule, Mitglieder des Aktionsbündnisses, Professor Dr. Petra Bauer, sowie die stellvertretende Frauenbeauftragte der Technischen Hochschule und die Kuratorin der Ausstellung, Ursula Winkler. In der Hand halten sie selbst gebastelte Schilder mit Slogans wie „Frauen an die Macht“, „Führung ist weiblich“ oder „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“.

Eine Demonstration der anderen Art

Nach jedem Redebeitrag treten einige Frauen nach vorne, heben ihr Schild und lesen die Botschaft darauf laut vor. Es ist eine Demonstration, die auf die Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen soll und klar aufzeigt, was in Sachen Gleichstellung noch alles passieren muss. „Wir versuchen, alles unter einen Hut zu bringen. Dann denken wir schon wieder nach, was wir als Nächstes tun müssen“, beschreibt Susanne Heunisch den Alltag vieler Frauen. „Emotional labor“ nennt das die Soziologie – die ständige Last des daran Denkens.

Ein Zeichen setzen: Zahlreiche Frauen haben für die Eröffnung der Ausstellung Plakate mit wichtigen Botschaften angefertigt. Die Ausstellung ist noch bis Samstag zu sehen.

Ist Sorgearbeit Frauensache?

„Klar ist: Sorgearbeit ist traditionell Frauensache“, ergänzt Christine Mayer, erinnert aber im gleichen Atemzug auch an die Emanzipation. Eine Bewegung, die – laut Susanne Heunisch – das Kümmer-Dilemma nur noch verstärkt hat. „Jetzt dürfen wir alles tun: Arbeiten – und uns trotzdem weiter um alles kümmern“, sagt sie.

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Und liefert einige Minuten später gleich noch die Lösung für das Problem. So müssten Frauen lernen, das „häusliche Ruder“ aus der Hand zu geben, und die Männer aktiv werden. „Einer muss zupacken – und eine sich zurücklehnen“, sagt Heunisch.

Differenz zwischen dem Arbeitslohn von Männern und Frauen

Wieder treten Frauen nach vorne, heben ihre Schilder mit den Forderungen „Wohnen im Alter selbstbestimmt“, „50/50 auch im Familienalltag“ und „Sex ist unbezahlbar“.

Dann beginnt Dr. Beate Burkl mit ihrer Rede. Sie ist Stadträtin und die Vorsitzende des Fördervereins „Fairtrade-Stadt Rosenheim“. Sie spricht über die den „Gender Pay Gap“, der die Differenz zwischen dem Arbeitslohn von Männern und Frauen beschreibt.

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„Laut dem Statistischen Bundesamt verdienen Frauen immer noch 18 Prozent weniger für dieselbe Arbeit“, sagt Burkl. Sie geht auf veraltete Rollenbilder ein, spricht über das Thema Altersarmut. „Frauen sind öfter davon bedroht als Männer, sei es durch Teilzeit, längere Berufspausen oder finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann“, sagt die Stadträtin, bevor sie das Wort an die Kuratorin der Ausstellung, Ursula Winkler, übergibt.

Keine abschließenden Lösungen parat

Erstmals gezeigt habe sie die zwölf Banner am 10. März 2019, so Winkler. „Unser Thema – die Vielfachbelastung und systematische Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft – hat sich in diesen drei Jahren nicht zum Besseren entwickelt“, sagte sie. Zwar seien durch die neue Regierung Veränderungen in Sicht, im Wesentlichen aber habe die Pandemie gerade Frauen, Mütter und Familien besonders gefordert.

Die Kuratorin der Ausstellung, Ursula Winkler.

Geschlechtergerechtigkeit auf friedlichem Weg

Während sie redet, zeigt sie immer wieder auf die Banner hinter ihr. „Die Ausstellung ist keine Ausstellung über Sexismus oder Misogynie.“ Auch habe sie keine Lösungen parat. Vielmehr gehe es darum, zu informieren, die Sinne zu öffnen und die Diskussionen am Laufen zu halten.

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„Sie möge dazu beitragen, die Geschlechtergerechtigkeit auf friedlichem Wege weiter voran zu bringen“, sagt Ursula Winkler. Rosenheim leiste dazu einen guten Beitrag. Ein Vormittag in der Hochschule unterstreicht das.

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