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WILDNISPÄDAGOGE, DOZENT UND ÜBERLEBENSTRAINER

Auf den Spuren eines Spurenlesers: Elmar Teucher aus Rosenheim hat von Indianern gelernt

Mit sich und der Natur im Einklang: Elmar Teucher hat vor seinem Leben in Rosenheim fünf Wochen mit den Indianern in Peru gelebt.
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Mit sich und der Natur im Einklang: Elmar Teucher hat vor seinem Leben in Rosenheim fünf Wochen mit den Indianern in Peru gelebt.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Feuer machen, Spurenlesen oder ein Zelt bauen: Elmar Teucher (41) ist in der Natur zu Hause. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der gebürtige Rosenheimer mit der Wildnis und verschiedenen Überlebens-Techniken. Eine Geschichte über einen Mann, der nicht viel braucht zum Glücklichsein.

Rosenheim – Den Huflattich sieht Elmar Teucher schon von Weitem. Vorsichtig zieht er die gelbe Pflanze aus dem Boden, hält sie in die Höhe und lächelt. „Die meisten Menschen sehen die kleinen Wunder nicht“, sagt er. Er dreht die Pflanze zwischen den Fingern, sein Blick ist weiterhin auf den Boden gerichtet. „Die Natur beschenkt uns mit allem, was wir brauchen.“

Tee, Sirup oder eine Tinktur

Aus dem Huflattich könne er Tee, Sirup oder eine Tinktur herstellen. Meistens macht er das in seinem Schrebergarten. Den einzigen Luxus, den er sich vor einigen Jahren geleistet hat. Seine Wohnung ist, so sagt er, eher minimalistisch eingerichtet.

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Auf der Spur: Elmar Teucher versucht zu erkennen, wer hinter den Spuren im Sand steckt.

Ein Bett, ein Schrank, eine kleine Küche. Mehr braucht er nicht. Er ist jemand, der mit wenig zurechtkommt. Der sich arrangiert, mit dem, was ihm die Natur bietet. So sei er schon als Kind gewesen. „Ich wäre am liebsten zu Hause aus und als Abenteurer in die Wildnis gezogen“, sagt er.

Schule geschwänzt, um Natur zu entdecken

Damals habe er sogar die Schule geschwänzt, um die Natur zu entdecken. „Ich hatte so viele Fragen“, sagt der Rosenheimer. Sein Opa habe ihm irgendwann das Buch „Leben wie Robinson“ auf den Tisch gelegt, mit den Worten: „Hier findest du die Antworten auf alles“. Doch seinen Wissensdurst habe auch dieses Buch nicht stillen können.

Fünf Wochen mit den Indianern

„Mit zwölf wusste ich, dass ich alleine nicht weiterkomme“, sagt Teucher. Also sei er zu den Pfadfindern gegangen. Dort habe er gelernt, wie man ein Zelt baut und ein Lagerfeuer macht. Mit 19 verliebt er sich in eine Austauschschülerin aus Peru. Die beiden heiraten, verbringen im Anschluss Zeit in Südamerika.

Dort angekommen, lernt er zum ersten Mal einen „echten Indianer“ kennen. „Alles was ich dachte über Indianer zu wissen, wurde über den Haufen geworfen.“ Fünf Wochen habe er jede freie Minute mit den Quechua-Indianern verbracht. Er sei mit ihnen jagen gewesen, habe gemeinsam mit acht anderen in einer Lehmhütte mit Blechdach geschlafen, ohne Wasser und Strom.

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Er habe gelernt, tagelang ohne Nahrung auszukommen, weiß jetzt, wie man aus der Rinde eines Baumes ein Seil bastelt. Noch heute fasziniert ihn diese Lebensweise. „Ich habe auch gelernt, dass man keine Weltreise machen muss, um Natur zu erleben. Sie beginnt direkt vor unserer Haustür“, sagt er.

Der Respekt vor der Natur

Während der 41-Jährige seine Geschichte erzählt, spaziert er durch die Rosenheimer Innenstadt. Hin und wieder hält er an, zeigt auf Zigarettenstummel, Brotkrümel und Mäuselöcher. Er kniet sich daneben, steckt seinen Finger in die Erde und versucht zu verstehen, was an dieser Stelle vor sich gegangen sein könnte. Eine Antwort hat er nicht immer. Aber darum gehe es beim Spurenlesen auch gar nicht. „Es geht darum, Respekt vor der Natur zu haben und im Moment anzukommen“, sagt er.

Animateur in einem Hotel in Bad Aibling

Nach seiner gescheiterten Ehe zieht er zurück nach Deutschland. Er beginnt, als Animateur in einem Hotel in Bad Aibling zu arbeiten. Gemeinsam mit Kindern baut er Flöße, fertigt Unterstände und bringt ihnen das Bogenschießen bei. Er hat Spaß, trotzdem zieht er weiter.

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Er geht nach München, arbeitet dort für 14 Jahre als Techniker. „Das war ein richtiges Kontrastprogramm“, sagt Teucher.

Floßfahrten auf der Isar

Eine Feder mit Geschichte: Der Überlebenstrainer versteht die Natur um sich herum zu lesen.

Weil ein Leben ohne Zeit in der Natur zu verbringen für ihn noch nie funktioniert hat, beginnt er nebenberuflich als Überlebenstrainer zu arbeiten. Er bietet Floßfahrten auf der Isar an, erklärt die Technik des Feuermachens und macht sich einen Namen in und um München.

„Ältere Menschen sind das Internet unserer Zeit“

Der Eltern wegen zieht es ihn zurück nach Rosenheim. Er mietet sich eine Wohnung, beginnt als Hausmeister in einem Altenheim zu arbeiten. „Ich mache das aus voller Überzeugung. Ältere Menschen sind das Internet unserer Zeit“, sagt Teucher.

Wildnispädagoge in der Rosenheimer Volkshochschule

Wenn er nicht im Heim arbeitet, dreht er Youtube-Videos zu verschiedenen Survival-Themen. Er zeigt, wie man die Spuren eines Wildschweins erkennt, wie man schweres Gepäck abseilt oder Notsignale sendet. Um noch mehr Menschen zu erreichen, bewirbt er sich bei der Rosenheimer Volkshochschule als Wildnispädagoge und bekommt die Zusage. „Der Kurs ist ganzheitliche Umweltbildung, die das Verständnis für die Natur fördert“, sagt die stellvertretende Leiterin Sylvia Seiler.

Gründung einer Survival-Schule

Mittlerweile ist Elmar Teucher am Inndamm angekommen. Er zeigt auf die Spuren im Sand, vermutet, dass ein Hund dahintersteckt. Er blinzelt in die Sonne.

Vor einigen Tagen hat er sich seinen Traum von einer eigenen Survival-Schule erfüllt. Mit seinen Kursen, Videos und Vorlesungen will er „intensives Verständnis für und tiefen Respekt vor der Natur“ vermitteln. „Nur was man kennt und liebt, kann man auch schützen“, sagt Elmar Teucher. Den Huflattich hält er noch immer in der Hand.

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