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Verfahren am Jugendschutz-Schöffengericht

Auf den Mund geküsst: Rosenheimer Rentner (84) nach Belästigung von Zwölfjähriger vor Gericht

Am Rosenheimer Busbahnhof an der Stollstraße hatte der Rentner die Schülerin geküsst und am Oberschenkel berührt. Dafür musste er sich jetzt vor Gericht verantworten. Weiser
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Am Rosenheimer Busbahnhof an der Stollstraße hatte der Rentner die Schülerin geküsst und am Oberschenkel berührt. Dafür musste er sich jetzt vor Gericht verantworten.
  • VonTheo Auer
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Weil er eine zwölfjährige Schülerin auf den Mund geküsst und am Oberschenkel berührt hatte, musste sich jetzt ein 84-jähriger Rosenheimer vor dem Jugendschutz-Schöffengericht in Rosenheim verantworten.

Rosenheim – Am Busbahnhof in der Stollstraße saß am 8. Juli ein 84-jähriger Mann. Als sich eine zwölfjährige Schülerin zu ihm setzte, kamen die beiden ins Gespräch und der Mann erzählte ihr seine Lebensgeschichte. Insbesondere, dass im Jahr zuvor seine Ehefrau gestorben war und er nun alleine sei.

Auch am folgenden Tag traf der Senior die Zwölfjährige am Busbahnhof. An diesem Tag bat er das Mädchen allerdings um ein Bussi auf die Wange – was die Zwölfjährige dann auch machte. Als er dann aber näher rückte, sie auf den Mund busselte und sie am Oberschenkel fasste, fiel die Schülerin nach eigenen Angaben zunächst in eine Art Schockstarre, aus der sie sich erst lösen konnte, als Freundinnen sie zum Mitkommen aufforderten. Zuhause berichtete sie ihrer Mutter den Vorfall, die bei der Polizei Anzeige erstattete.

Der 84-jährige Rentner berichtete vor dem Amtsgericht Rosenheim, dass er seit dem Tode seiner Ehefrau, mit der er 52 Jahre verheiratet war, alleine in seiner Eigentumswohnung sitze und nur schwer Kontakt zu anderen Menschen finde. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Dürr war bemüht, in einem Rechtsgespräch deutlich zu machen, dass sein Mandant sich sicherlich falsch verhalten habe. Sexuelle Übergriffe habe er dabei aber nicht im Sinn gehabt. Dazu sei er schon auf Grund seiner körperlichen Verfassung gar nicht in der Lage. Man verständigte sich darauf, dass der 84-Jährige sein Fehlverhalten eingesteht und das Gericht im Gegenzug einen moderaten Strafrahmen zusagt.

Fraglos ein „unangemessenes Verhalten“

Die Staatsanwältin verwies in ihrem Plädoyer darauf, dass es sich fraglos um ein unangemessenes Verhalten des Angeklagten gehandelt habe, es sich aber angesichts der Begleitumstände wohl um einen Grenzfall handle. Es sei ein Missbrauch im unteren Bereich geschehen, deshalb sei eine Strafe von 14 Monaten Haft angemessen, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger stimmte ihr in der Sache wohl zu, schließlich hatte sein Mandant dies eingestanden. Jedoch könne es sich hier nicht um eine Missbrauchs-Handlung handeln. Äußerstenfalls eine sexuelle Belästigung könne man seinem Mandanten zur Last legen. Es habe sich weder um eine echte Bedrängung, geschweige denn um eine Gefährdung gehandelt. Eine Strafe müsse sich am unteren Rand der Verständigung bewegen. Einen konkreten Antrag stellte er nicht.

Das Jugendschutz-Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur entschied letztlich, dass es sich bei diesem Vorgang um ein Geschehen mit Sexualbezogenheit gehandelt habe, das als sexuelle Belästigung im unteren Bereich zu werten sei. Angesichts der Tatsache, dass der Rentner erstmals vor Gericht stehe, würde eine Strafe von neun Monaten Haft ausreichend sein. Die Strafe könne zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Gericht erlegte dem Mann zudem auf, sich zu einem Beratungsgespräch bei einem Psychiater einzufinden, damit abgeklärt werden könne, ob er einen Hang zu derlei Verhalten habe und ob dies einer Behandlung bedürfe. Zudem wird er eine Geldbuße entrichten müssen.

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