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41-jährige Rosenheimerin vor Gericht

Mutter mischt sich in Streit von Jugendlichen ein - und wird schließlich wegen Raubes verurteilt

Weil sie dem Bekannten ihres Sohnes dessen Halskette raubte, ist eine Rosenheimerin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
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Weil sie dem Bekannten ihres Sohnes dessen Halskette raubte, ist eine Rosenheimerin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
  • VonTheo Auer
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Angefangen hatte es mit einem Streit zwischen Jugendlichen um eine Baseball-Kappe. Eine 41-jährige Mutter aus Rosenheim mischte sich in den Streit ein. Sie landete schließlich vor Gericht und wurde wegen Raubes verurteilt. Wie es dazu kam.

Rosenheim – Im Jahr 2013 war die Angeklagte mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen, nachdem ihre Tochter zwangsverheiratet werden sollte. Ihre größte Sorge gilt derzeit dem 15-jährigen Sohn, der sich nach ihrer Meinung mit den falschen Freunden umgibt. Mehrfach sei er gemobbt und verprügelt worden. Wenngleich sich im Nachhinein auch bisweilen herausgestellt hatte, dass er bei seinen Erzählungen übertrieben hatte.

Sachverhalt schwer zu rekonstruieren

Jedenfalls war sie höchst empört, als ihr Sohn anrief und klagte, einer seiner „falschen Freunden“ habe ihm eine Baseball-Kappe gestohlen. Nicht gewusst hatte die Mutter, dass ihr Nachwuchs diese Kappe eigentlich am Chiemseeufer gefunden hatte und seinen Fund auch behalten wollte. Doch sein Bekannter hatte ihm das Markenprodukt einfach weggenommen.

Unklar blieb vor Gericht, ob der Filius am Telefon „mein Käppi“ oder „ein Käppi“ gesagt hatte. Das machte es der vorsitzenden Richterin Melanie Bartschat merklich schwer, den Sachverhalt zu rekonstruieren. Zumal es ja eigentlich nicht um die Kappe, sondern die Kette des Geschädigten ging.

Vielmehr hatte die Mutter zurück in Rosenheim vom Geschädigten die Kappe zurückgefordert. Dieser hatte das Fundstück aber längst nicht mehr bei sich. Die Mutter verfolgte den vermeintlichen Dieb durch die Innstraße bis zur Mangfallbrücke. Dort stellte sie ihn und riss ihm kurzerhand seine Kette vom Hals. Zurückgeben wollte sie diese erst wieder, wenn er mit der Kappe herausrücken würde. Damit, so die Überzeugung der Anklage, sei der Tatbestand des Raubes erfüllt. Wenngleich es sich bei der Kette mitnichten um wertvollen Modeschmuck handelte. Sechs Euro soll der Umhänger gekostet haben.

Dass die Frau diese nahezu wertlose Kette nicht zurückgegeben, sondern erst nach vier Wochen der Polizei aushändigte, erklärte sie damit, dass sie den ganzen Vorgang – für den sie sich heute schäme – einfach vergessen habe. Nachdem der Geschädigte den Vorfall der Polizei mitgeteilt und sich der Sachverhalt bestätigt hatte, kam es zur Anklage. Ungeachtet des Wertes einer Sache, war im Schlussvortrag zu hören, erfüllte eine gewaltsame Wegnahme den Tatbestand des Raubes. Wegen des geringen Wertes der „Beute“ und der Vorgeschichte handle es sich aber aus seiner Sicht um einen minder schweren Fall, sodass er lediglich eine Gefängnisstrafe von zwölf Monaten beantragte und diese auch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Verteidigung beantragt Freispruch

Verteidiger Roland Kuhnigk beharrte in seinem Plädoyer darauf, dass seine Mandantin nicht in der Absicht gehandelt habe, sich die Kette zuzueignen. Es sei lediglich um einen Tausch gegangen. Auch die Körperverletzung sei vernachlässigbar. So beantragte er, die Frau in allen Anklagepunkten freizusprechen.

Das sah das Gericht anders. Zwar habe es sich um einen minderschweren Fall gehandelt, weshalb auch das Strafmaß entsprechend anzusiedeln sei. Dennoch habe es sich um einen Raub gehandelt. „Sie haben sich auf das Niveau von streitenden Jugendlichen begeben, anstatt sich als Erwachsene um Schlichtung und Mäßigung zu bemühen“, sagt die Richterin. Aufgrund aller Begleitumstände hatte das Gericht sich auf das niedrigstmögliche Strafmaß beschränkt: Sieben Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ein moderates Bußgeld soll sie dazu künftig an unüberlegtem, aggressivem Handeln hindern.

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