Serie OVB-Kulturminuten

Auch während des Lockdowns ist die Städtische Galerie in Rosenheim eine Oase

Auch wenn die hiesigen Ausstellungsorte für Kunst geschlossen bleiben müssen, herrscht in Rosenheims städtischer Galerie weiterhin reges Treiben. Weil man mit Zuversicht auf die kommende Saison – nach Corona – blickt.

Von Rebecca Seeberg

Rosenheim – Dieser Überraschungsmoment, wenn die Türen der städtischen Galerie Rosenheim ins Schloss fallen und der Besucher sich unvermittelt hohen und hellen Wänden gegenübersieht. Die Geräuschkulisse der Hauptverkehrsstraße ist weg – im plötzlichen Weiß ist das Brummen der Belüftung beinahe beruhigend. Das Licht fällt weich durch die Glasdecke – nichts stört diesen Eindruck, als befände man sich in einer Blase, die vom ganzen Trubel rund um Corona abschirmt.

Raum, um in Kunst zu versinken

„Behütet“ fühlt sich Galerieleiterin Monika Hauser-Mair in ihren „vier Wänden“. Solch einen Ort brauche man jetzt. Einen Raum, in dem man in der Kunst versinken könne – vielleicht vor den pyramidenförmigen Wasserspitzen, die der Rosenheimer Fotograf Martin Weiand wohl an einem Regentag eingefangen haben muss. Aber: „Dieser Ort können wir gerade nicht sein“, bedauert Hauser-Mair.

Der Street Art Künstler „MR. Woodland“ (im Hintergrund) verwandelt eine Betonwand in ein Kunstwerk. Stadtgaleriechefin Monika Hauser Mair zeigt mit einem Poster, wie der damals geplante Astronaut heute auf der Wand sieht.

Diskussion ist erneut entbrannt

Mit dem zweiten Lockdown mussten auch Kunst- und Kultureinrichtungen wieder schließen. Die Diskussion hierüber ist erneut entbrannt und die Galerieleiterin irritiert vom „einseitigen politischen Blick“ auf die Kulturbetriebe.

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So wie bei Kanzleramtsminister Helge Braun. Er hatte Orte wie die städtische Galerie in Rosenheim als „Freizeiteinrichtung“ bezeichnet. Dieses Etikett habe in der Kunst- und Kulturszene für Empörung gesorgt.

Nicht nur zum Vergnügen

Museen seien vor allem Horte kultureller Bildung, keine bloßen Stätten, um sich zu vergnügen. Sie akzeptiert, dass ihr Haus schließen musste. Gleichzeitig findet sie den aktuellen Aufruf prominenter deutscher Museumsdirektoren unter dem Credo „Öffnet die Museen!“ berechtigt.

Leere Stühle während des Lockdowns.

Ein Appell, den Künstler und Veranstalter an die Verantwortlichen im Bund und in den Ländern schickten, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

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Denn: Grundsätzlich böten auch die luftigen Räume der städtischen Galerie in Rosenheim die Möglichkeit, den Aufenthalt für Besucher coronakonform zu gestalten. Das findet zumindest Hauser-Mair.

Sofort bereit für neue Ausstellung

Zudem sei der Hunger nach Kunst und Kultur spürbar: „Wir sind bereit, sofort eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, sobald wir wieder öffnen dürfen“, versichert die Galerieleiterin. „Wir“, das sind Marie Pfeiffer (Besucherbetreuung und Ausstellungsbüro), Birgit Harand (Depot- und Besucherbetreuung) und die Leiterin des Hauses, Monika Hauser-Mair.

Die Zeit während des Lockdowns nutzen Galeriemitarbeiter zur Inventur.

In der Zwischenzeit gelinge es dem Team der Galerie, „qualitativ hochwertige Kunst“ trotz des eingeschränkten Betriebs unter die Menschen zu bringen. „Umsonst und draußen“ sei auch deshalb Motto des „Transit-Art-Festivals“ gewesen, das im Rahmen der Erlebniswochen „Sommer in Rosenheim“ 2020 stattfand. Street-Art-Künstler von internationalem Renommee nahmen sich dabei sechs grauen Betonwänden im Stadtzentrum an und verwandelten diese in Kunstwerke.

Polarisierende Kunst

„Kann der nicht lächeln?“, reagiert in diesem Moment ein Rosenheimer auf jenen „Wal-Zeppelin“, der die Außenwand des Parkhauses P12 Bahnhof Nord ziert. Das an die Wand gemalte und als Luftschiff verfremdete Meerestier polarisiert – und erfüllt den Auftrag, den die Galerie sich selbst gegeben hat: Kunst soll Freude bereiten, soll nachdenklich machen, soll auch manchmal empören – Kunst soll anregen. Und zwar jeden. „Und jene, die nicht wollen, die kriegen wir auch noch“, lautet Monika Hauser-Mairs Maxime.

„Kann der nicht lächeln?“: Der Wal-Zeppelin des Duo Sourati polarisiert mitunter. Seeberg

Die Galerie als Klassenzimmer

Im Übrigen geht es bei dem Wandgemälde auch gar nicht um den Wal. Thema des Bildes sind die drei Gestalten, die in der Gondel unter dem Bauch des Tieres hängen. Zwei Menschen und ein Hund fliegen „heimwärts“, so haben das die Street-Art-Künstler Christina Laube und Mehrdad Zaeri (Duo Sourati) mit Blick auf Bahnhof und die viel befahrene Münchener Straße konzipiert.

Neben dem Wal sorgte auch das Klassenzimmer, in das sich die Galerie im November und Dezember verwandelte, vergangenes Jahr für Schlagzeilen. Im lichten Hauptraum der „Kunstinsel“ paukten die Schüler der zwölften Klassen des Sebastian-Finsterwalder Gymnasiums unter Gemälden von Fried Stammberger oder Peter Tomschiczek für ihre Abschlussprüfungen.

Von der Galerie zum Klassenzimmer: Rosenheims städtische Galerie diente im November und Dezember 2020 zum als Unterrichtsraum für den Abschlussjahrgang am Sebastian-Finsterwalder Gymnasium.

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Als erstes Haus in ganz Deutschland kooperierten Museum und Schule in Zeiten, in denen Präsenzunterricht nur stattfindet, wenn der nötige Abstand gewährleistet werden kann. Der 90 Quadratmeter große Saal des Gebäudes bot sich als „pragmatische Lösung“ an, sagt Hauser-Mair. Auf diese Weise kann die Galerie während des Lockdowns eine Kunst-Oase sein.

Mit der Serie Kulturminuten portraitieren die OVB-Heimatzeitungen in loser Reihenfolge Rosenheims Ausstellungsorte für Kunst.

Rubriklistenbild: © Seeberg

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