Auch nachts Ampelbetrieb

24 Stunden in Betrieb - das soll nach einem Beschluss des Verkehrsausschusses in Zukunft für alle Ampeln in der Stadt gelten.  Foto  Neu
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24 Stunden in Betrieb - das soll nach einem Beschluss des Verkehrsausschusses in Zukunft für alle Ampeln in der Stadt gelten. Foto Neu

Einige Ampelanlagen in Rosenheim werden nachts abgeschaltet, andere nicht. Warum das so ist, lässt sich nicht in jedem Einzelfall nachvollziehen.

In Zukunft sollen alle Anlagen 24 Stunden in Betrieb bleiben. Damit will die Stadt mehr Sicherheit für behinderte Menschen schaffen.

Rosenheim - An manchen Stellen hatte die Stadt auf den Wunsch von Anliegern reagiert und die Ampeln ausgeschaltet. Diese Bürger hatten erklärt, sie fühlten sich von einem vorbeirollenden Auto weniger gestört als von einem, das bremst und wieder anfährt. Auch wollte man an nicht stark befahrenen Straßen Autos nicht unnötig vor einer roten Ampel warten lassen.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) sieht allerdings etwas anderes vor. Ihr zufolge sollten Ampeln in der Regel auch nachts in Betrieb bleiben. Es wird empfohlen, für diese Zeit ein besonderes Programm zu wählen, das alle Verkehrsteilnehmer möglichst nur kurz warten lässt. Nächtliches Ausschalten sollte laut StVO nur dann in Betracht gezogen werden, wenn eingehend geprüft wurde, ob die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist.

Im Dezember 2013 hat der Stadtrat den Teilhabeplan für Menschen mit Behinderung beschlossen. Eines der Ziele ist deren größtmögliche Selbstständigkeit in allen Lebensbereichen. In diesem Sinne hat die Stadt die Verantwortung, Barrieren systematisch abzubauen. Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, unter anderem Sehbehinderte und Blinde, sind beim Überqueren der Straße besonders auf die Hilfestellung durch Ampeln angewiesen, auch auf akustische Signale, vor allem auf vielbefahrenen Straßen. Im Teilhabeplan ist ausdrücklich vermerkt, dass ein Abschalten der Signalanlagen in den Abendstunden für Menschen mit Mobilitätseinschränkung zu gefährlichen Situationen führen kann.

Als der Verkehrsausschuss des Stadtrats sich mit dem Thema beschäftigte, hieß es von Seiten der Verwaltung, die Einschaltzeiten seien vielfach historisch gewachsen und den örtlichen Gegebenheiten angepasst. Auch hätten die Ämter vor allem auf die Unfallsituation reagiert. Einige Ampeln werden derzeit bereits um 22 Uhr ausgeschaltet, andere erst um 2.30 Uhr, einige sind morgens ab 5.30 Uhr wieder in Betrieb, andere erst ab 6.30 Uhr.

Das Technische Institut der Universität Dresden hat 2008 in einer wissenschaftlichen Untersuchung festgestellt, dass ein nächtliches Abschalten von Signalanlagen zu einer Verschlechterung der Verkehrssicherheit führt. Vermutete Stromeinsparungen würden mit Blick auf den Einsatz verbesserter Technik - Niedervolttechnik und LED - und bei Anwendung intelligenter, verkehrsabhängiger Signalsteuerungen vergleichsweise gering ausfallen. Es komme ohnehin nur zu geringen Einsparungen bei der Fahrzeit und damit auch nur zu unwesentlichen Rückgängen beim Kraftfahrstoffverbrauch, bei der Lärm- und der Schadstoffbelastung.

Der Ausschuss folgte der Empfehlung der Verwaltung, die Ampeln durchgehend in Betrieb zu halten und Wartezeiten durch bestimmte Signalprogramme zu verringern. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Umsetzungsphase. Vom Staatlichen Bauamt heißt es dazu, auf Wunsch der Stadt würden auch die Ampeln an der Bundesstraße auf einen 24-Stunden-Betrieb umgestellt. bi

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