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Die Sache mit den Straßenamen

Auch in Rosenheim sind Wege nach historisch fragwürdigen Personen benannt

Der Philosoph und bekennende Antisemit Julius Langbehn stand Pate für diese Straße. Schlecker
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Der Philosoph und bekennende Antisemit Julius Langbehn stand Pate für diese Straße. Schlecker
  • VonKarin Wunsam
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Der Name „Langbehnstraße“ klingt unscheinbar, hat es jedoch in sich. Zumindest, wenn man auf die Person blickt, die Pate für diesen Namen stand: Julius Langbehn war Autor und Philosoph, ebenso aber auch deutschnational und Antisemit. Nicht die einzige Straße in Rosenheim, deren Namen eine eher unrühmliche Geschichte hat.

Rosenheim – In München wird darüber aktuell heiß diskutiert: Wann ist ein Straßenname historisch so belastet, dass die Stadt ihn umbenennen muss? Das Stadtarchiv München hat eine entsprechende Liste mit 45 Straßen veröffentlicht. Die Prüfung läuft.

Auch auf die Stadt Rosenheim könnte dieses Problem zukommen, insbesondere durch die Langbehnstraße, die nach dem völkischen-antisemitischen Philosophen und Autor Julius Langbehn benannt wurde. Außerdem können Oberdonauweg und Niederdonauweg mit dem NS-Regime in Bezug gebracht werden.

Antidemokrat und Antisemit

Julius Langbehn wurde 1851 in Hadersleben (Nordschleswig) geboren. Er galt als Sonderling, arbeitete als Kellner, Sekretär und Fremdenführer. In München und Venedig studierte er Archäologie, und nach seiner Dissertation 1881 arbeitete er als Lehrer und Journalist. Bekannt gemacht hat ihn sein Buch mit dem Titel „Rembrandt als Erzieher“.

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Für zwei Mark war es erhältlich und brachte es bereits im ersten Erscheinungsjahr auf 60.000 verkaufte Exemplare. Langbehn lehnt in diesem Werk die Demokratie ab, spricht sich für die Aristokratie als Herrschaftsform aus, erhebt die Deutschen zu Angehörigen der edelsten Rasse und macht offensiv Front gegen Juden. Heute wird er darum als Wegbereiter des Nationalsozialismus betrachtet.

Der Oberdonauweg sollte wieder umbenannt werden, findet der Historiker Walter Leicht. Auch hier hatten die Nationalsozialisten ihre Finger im Spiel.

In Rosenheim verstorben

Was hat Langbehn aber nun mit der Stadt Rosenheim zu tun? Nichts – bis auf die Tatsache, dass er auf dem Weg nach Tirol aufgrund von Krankheit dort Rast einlegen musste und schließlich am 30. April 1907 im Hotel König Otto verstarb. Tatsächlich wurde die Langbehnstraße in Rosenheim auch schon einmal unbenannt, im Jahr 1991 auf Anstoß von Historiker Walter Leicht und mit journalistischer Unterstützung der damaligen OVB-Redakteurin Elvira Bibel-Neu. „Aus der Langbehnstraße wurde die Geschwister-Scholl-Straße“, erzählt Leicht.

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Aber die Umbenennung währte nur wenige Wochen. Dann wurde daraus erneut die Langbehnstraße. „Anwohner beschwerten sich, weil sie durch die Straßenumbenennung ihre Postanschrift ändern mussten, und man beugte sich deren Wunsch“, erinnert sich der Historiker.

Thema auch in anderen Kommunen

Nicht nur in der Stadt Rosenheim gibt es eine Langbehnstraße, sondern auch in München, Altötting, Hamburg und Fürstenfeldbruck. Im Stadtteil Puch in Fürstenfeldbruck liegt Langbehn begraben.

Auch dort gab es bereits Diskussionen darüber, ob es zu einer Umbenennung von historisch belasteten Straßennamen kommen muss.

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Im Jahr 2018 lehnte der dortige Stadtrat dieses Ansinnen ab und fasste stattdessen den Beschluss, Hinweistafeln mit dem Lebenslauf der betreffenden Personen unter den Straßenschildern anzubringen.

Die Nationalsozialisten sorgten nach der Machtübernahme dafür, dass aus dem Niederösterreichweg der Niederdonauweg wurde.

Keine öffentliche Diskussion seit 1991

In der Stadt Rosenheim gab es nach dem Jahr 1991 keine öffentliche Diskussion mehr zu diesem Thema. Wenn es so weit kommt, muss nach Meinung von Walter Leicht auch über eine Umbenennung des Oberdonauwegs und des Niederdonauwegs nachgedacht werden. Ursprünglich waren das mal der Oberösterreichweg und der Niederösterreichweg. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam die Namensänderung – und die entbehrt nach Ansicht des Historikers ohnehin jeglicher Logik.

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