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Eine Frage des Preises

Asche unterm Birnbaum oder auf der Wiese? Rosenheim setzt auf alternative Bestattungsformen

Mitarbeiter der Stadtgärtnerei fertigen die Hülsen an, in denen dann die Urnen bestattet werden sollen.
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Mitarbeiter der Stadtgärtnerei fertigen die Hülsen an, in denen dann die Urnen bestattet werden sollen.

Bei Bestattungsinstituten gibt es immer mehr Nachfragen nach alternativen Bestattungsformen. Dabei geht es vor allem um die Grabpflege, für die immer weniger Zeit bleibt.

Rosenheim – Dass sie niemandem mehr zu Last fallen wollten, hat Andreas Kalz vom Rosenheimer Umwelt- und Grünflächenamt häufiger gehört. Denn ein Grab erfordert Pflege, es muss gegossen und bepflanzt werden, beschnitten und umgegraben. Andere Bestattungsformen sind da nicht so anspruchsvoll. Aufgrund der hohen Nachfrage schafft die Stadt Rosenheim nun die Möglichkeit, Angehörige mit einer sogenannten Rasenbestattung zu beerdigen.

Dabei kommen drei bis vier Urnen Gräber in ein Metallrohr, das auf einer großen Wiese in die Erde gesteckt wird. Ob das fremde Personen sind oder eine Familie ist derzeit noch offen. Auf dem Messingverschluss des Rohres stehen die Namen und Lebensdaten der verstorben – ähnlich wie bei einem Grabstein.

Trend zu anderen Bestattungsformen

Auch eine Baumbestattung soll bald möglich sein, aber das dauere noch etwas länger. Dabei ist das Prinzip das gleiche und auch aus Gedenkwäldern in Deutschland schon bekannt. Ein Metallrohr wird dann aber nicht auf einer Wiese, sondern bei einem Baum in die Erde geschoben.

Deutschlandweit gibt es den Trend weg von Sarg und Grabstein. In Bad Feilnbach gibt es schon seit 2010 die Möglichkeit, Angehörige im Gedenkwald zu bestatten. Stephan Rüttenauer hat ihn zusammen mit seinem Team von „Gedenkwald“, Vertretern der Gemeinde, katholischen und evangelischen Seelsorgern, Steinmetzen und Landschaftsgärtnern konzipiert. Auch Rüttenauer bestätigt, dass viele Menschen den Wunsch nach einem quasi pflegefreien Grab hätten. „Die Familienbande sind nicht mehr so eng wie früher und oft können die Menschen sich nicht mehr so viel kümmern“, erklärt er. Oft einfach weil sie weit weg wohnten. Aber gleichzeitig hätten Sie den Wunsch nach einer Begegnungsstätte. Das Treffen mit dem Verstorbenen und anderen Trauernden. Auch sei es keine Abkehr von religiösen Riten, der Gedenkwald ist ökumenisch geweiht. Kritisch für die Kirchen sind einzig anonyme Bestattungen und die sind in dem Gedenkwald nicht gestattet.

Ein anderer Punkt, warum eine Rasenbestattung für viele in Frage kommt, ist die Frage nach dem Preis. Alleine mit dem Sarg ist man schnell im vierstelligen Bereich, dazu kommen noch die Kosten für Beisetzungen, Öffnen und Schließen des Grabes sowie die Grabmiete.

Nicht den eigenen Kinder zumuten

Wobei die Kostenfrage selten ausschlaggebend sei, wie Michael Hartl vom Rosenheimer Bestattungsinstitut erklärt. Eher gehe es um ein pflegefreies Grab. Menschen erzählten ihm, dass sie 30 Jahre die elterlichen Gräber gepflegt hätten und das ihrem eigenen Kindern nicht zumuten wollten.

Insgesamt sei auch bei ihnen die Nachfrage gestiegen. „Die vorhanden Möglichkeiten zur Urnenbestattung sagen vielen einfach optisch nicht zu.“ Dazu seien die Urnennischen im Kolumbarium keine richtige Bestattung, sondern quasi nur eine Aufbewahrung. Menschen aller gesellschaftlicher Schichten, aller Konfessionen, allen Alters fragten nach anderen Bestattungsformen als den üblichen.

Das bestätigt auch Stephan Rüttenauer: „Zu uns kommen Adelige, Esoteriker und Banker gleichermaßen.“ Viele Menschen würden auch die starke Bildhaftigkeit der Natur schätzen, wenn sie trauern und mit Vergänglichkeit konfrontiert seien. Aber im Gegensatz zu Kalz möchte er keinen Trend im Sinne von zurück zur Natur ausmachen. Aber die Angehörigen würden es begrüßen, dass zum Beispiel passionierte Bergsteiger dann in einem Felsengarten ihre letzte Ruhe finden würden.

Die Hülsen werden gerade gefertigt

Auf dem städtischen Friedhof in Rosenheim sollen ab Mitte dieses Jahres die ersten Rasenbestattungen von statten gehen können. Die Hülsen sollen dann sternenförmig um einen Baum angeordnet werden. Gerade werden in der Stadtgärtnerei die Hülsen gefertigt. Aber die Wiese müsse noch angelegt werden, die Gebührenordnung angepasst.

Es ist also noch einiges zu tun, bevor die ersten Rasenbestattungen durchgeführt werden können. Baumbestattungen, also fast genau wie im Gedenkwald, sind übrigens angedacht, aber das wird noch etwas dauern.

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