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In Zusammenarbeit mit der Diakonie

Wie ein Rosenheimer Unternehmen den Traum eines ganz besonderen, jungen Mannes erfüllt

Freuen sich über die erste Inklusionsausbildung: (von links) Stefan Petzold von der Diakonie Rosenheim, der Auszubildende Benne und C&A-Filiale-Leiterin Sophia Adlberger.
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Freuen sich über die erste Inklusionsausbildung: (von links) Stefan Petzold von der Diakonie Rosenheim, der Auszubildende Bene und C&A-Filialleiterin Sophia Adlberger.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Mode ist Benes Leidenschaft. Der 18-Jährige liebt Muster, Farben, Klamottenkombis. Ein Job in dieser Branche ist der Traum des geistig beeinträchtigten jungen Mannes. Und jetzt wird er wahr...

Rosenheim - Auf dem Arbeitsmarkt ist es für Menschen mit einer körperlichen, seelischen oder geistigen Beeinträchtigung nicht immer einfach. Genau hier setzt das Team von „MITarbeit“ dem „Anderen Leistungsanbieter“ der Diakonie an. Ein fünfköpfiges Team sucht Beschäftigungsplätze in der Region - und hat Bene (18) so einen Lebenstraum erfüllt.

Für Mode hat sich Bene schon immer interessiert. Er mag es Muster und Farben zu kombinieren, interessiert sich für die neusten Trends und Schnitte. Er trägt ein weißes T-Shirt mit dem Gesicht von Schauspieler Bud Spencer, dazu schwarze Jeans und Sneakers. Seine Haare hat er zu einem Zopf zusammengebunden. An seinem Kragen ist ein grünes Schild befestigt, auf dem die Worte: „Hi! Wie kann ich helfen?“ stehen.

Für die Bestandsaufnahme zuständig

Seit etwas mehr als einem Monat arbeitet Bene in der C&A-Filiale in Rosenheim. Er kümmert sich um die Zonen 2 und 3. Also den Bereich von der Umkleide bis hin zur Kasse. Er räumt die Tische auf, nimmt Waren an und ist für die Bestandsaufnahme zuständig. Jeden Tag nimmt er den Zug von Kiefersfelden nach Rosenheim, steht um Punkt 9 Uhr im Geschäft und bleibt bis 15 Uhr. „Mein größter Traum war es schon immer in einem Klamottengeschäft zu arbeiten“, sagt er. Kurz wird er leise, spielt mit seinen Händen. „Ich musste sehr lange warten, bis sich dieser Traum erfüllt.“

Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz in der Region

Denn Bene hat eine geistige Beeinträchtigung und hatte Mühe, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dann lernte er Stefan Petzold kennen. Der Kontakt entstand über die Privaten Schulen Oberaudorf Inntal unter der Mitwirkung der Agentur für Arbeit. Petzold arbeitet als Inklusionsberater bei dem „Anderen Leistungsanbieter“ (ALA) der Diakonie und hilft Menschen mit einer Beeinträchtigung dabei, unter Berücksichtigung ihrer Wünsche, einen Arbeitsplatz in der Region zu finden.

13 aktive Teilnehmer und 150 Betriebe

Bisher engagiert sich der ALA seit seiner Gründung in 2019 an drei Standorten: Erding, München und Rosenheim. In Rosenheim werden derzeit 13 Teilnehmende betreut. „Die Nachfrage ist da“, sagt Petzold. Gleiches gelte auch für die Kooperationsbetriebe. So seien immer mehr Geschäftsführer und Betriebsleiter daran interessiert, auf Inklusion zu setzen. In den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der interessierten Betriebe auf 150 angestiegen - darunter auch die C&A-Filiale in der Bahnhofsstraße in Rosenheim.

Abstimmung im Personalrat

In dieser arbeitet Sophia Adlberger seit einem halben Jahr als Filialleiterin. Inklusion ist für sie ein Herzensprojekt. Und genau deshalb habe sie sich - nach einer positiven Abstimmung im Personalrat - dafür entschieden, Bene nach seiner Schulzeit bei sich zu beschäftigen. Erst als Praktikant, seit August mit einem festen Vertrag. „Damit sind wir das erste C&A-Haus in Deutschland mit Inklusion“, sagt Adlberger. Ihr sei es vor allem wichtig gewesen, dass das ganze Team mit im Boot ist. Deshalb habe es Vorträge gegeben und mehrere intensive Gespräche. Schließlich wurden drei Mitarbeiter bestimmt, die Bene als Paten im Betrieb begleiten.

Offene Fragen beantworten

Zudem schaut Stefan Petzold mindestens einmal in der Woche nach seinem Schützling. „Es ist mir wichtig, dass Bene aber auch der Betrieb wissen, dass jemand da ist, wenn Unterstützung benötigt wird“, sagt der Inklusionsberater. Sei es, um offene Fragen zu beantworten, sich auszutauschen oder einfach nur, damit Bene von den Dingen berichten kann, die er während seines Arbeitsalltags erlebt hat. „Uns von ‚MITarbeit‘ ist es wichtig, die Arbeit um die Teilnehmenden herumzubauen“, sagt Petzold.

„Absoluter Gewinn“ für jeden Betrieb

Doch trotz allem gebe es nach wie vor viel zu tun. Denn nicht jeder Betrieb sei bereit einen Mitarbeiter mit Beeinträchtigung bei sich aufzunehmen. Gründe hierfür seien Bedenken der Betriebe oder falsche Vorstellungen. „Trotz des Fachkräftemangels ist es bei vielen Betrieben noch nicht angekommen, dass sie es sich nicht leisten können, diese Gruppe auszugrenzen“, sagt der Inklusionsberater. Menschen wie Bene sind in seinen Augen „ein absoluter Gewinn“.

Nachahmer gesucht

Das findet auch Sophia Adlberger. „Es läuft sehr gut“, sagt die C&A-Filialleiterin. Jetzt hofft sie, dass auch andere Städte es dem Beispiel von Rosenheim gleichtun. Dass es funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Bene, der sich seinen Lebenstraum erfüllt hat.

So können Betriebe der ALA helfen

Um als Teilnehmender im Angebot „Der Andere Leistungsanbieter“ aufgenommen zu werden, brauchen die Teilnehmenden eine Werkstattbefähigung von der Agentur für Arbeit oder alternativ eine Erwerbsminderungsbestätigung durch die Deutsche Rentenversicherung. Damit können die Teilnehmenden der Maßnahme ab dem ersten Tag in „ihrem“ Betrieb Erfahrung sammeln, sich persönlich entwickeln und sich so auf eine Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vorbereiten. Mehr Infos gibt es unter Telefon 08031/284518 oder per Mail unter anderer-leistungsanbieter@dwro.de.

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