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Der Mann, der es krachen lässt

Anton Daurer aus Rosenheim schießt seit 30 Jahren den dreifachen Salut auf Beerdigungen

  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Bei Beerdigungen von Kriegsteilnehmern oder Soldaten schießt der Rosenheimer Anton Daurer auf dem städtischen Friedhof mit der Böllerkanone einen dreifachen Salut. Ein Porträt über den Mann, der es seit über 30 Jahren krachen lässt.

Rosenheim – Anton Daurer holt tief Luft, zählt bis drei und zieht an der Abzugsleine seiner Kanone. Ein lauter Knall ertönt, dann steigt Rauch auf. Zufrieden blickt Daurer in die Richtung, in die er seinen Schuss abgefeuert hat. Wäre er jetzt auf einer Beerdigung, würden noch zwei weitere Schüsse folgen – direkt während der ersten Strophe des Liedes „Alte Kameraden“. Weil er aber nur geübt hat, setzt er seinen Gehörschutz ab und zieht die Handschuhe aus.

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Dann lächelt er. Auch nach 30 Jahren hat er den Spaß an seinem Hobby nicht verloren. „Es ist jedes Mal eine ganz besondere Atmosphäre. Und ich hatte noch nie einen Fehlschuss“, sagt der Rosenheimer stolz.

Die Familientradition weiterführen

Mit leiser Stimme erzählt er von seinen Anfängen. Schon als kleiner Bub habe er seinem Vater über die Schulter geschaut, als dieser auf Beerdigungen die Salutschüsse abfeuerte. Davor sei sein Großvater dafür verantwortlich gewesen. Dass Anton Daurer die Familientradition weiterführt, sei für ihn von Anfang an klar gewesen. Er hat Lehrgänge durchlaufen, weiß alles, was es über Waffen und Kanonen zu wissen gibt.

Arbeiten schon seit vielen Jahren eng zusammen: Anton Daurer (links) und Rudolf Hötzel, Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins in Rosenheim mit der Kartuschenkanone.

Wie viele Salutschüsse er mittlerweile geschossen hat, weiß er nach 30 Jahren nicht mehr. Der Ablauf aber sei bei allen Beerdigungen ähnlich. „Der Krieger- und Soldatenverein informiert mich telefonisch, wenn es ein Begräbnis gibt, zu den ein Salut gewünscht ist“, sagt Daurer.

180 Kilogramm schwere Kartuschenkanone

Eine halbe Stunde vor der Beerdigung füllt er seine drei Kartuschen mit Schwarzpulver und radelt zum Friedhof. Dann schiebt er die 180 Kilogramm schwere Kartuschenkanone von der Lagerhalle zu einem seiner zwei Lieblingsplätze. „Entweder ich stehe auf der großen Wiese beim Denkmal oder am Rande des Klosters“, sagt er.

„Ein kleiner Nervenkitzel“

Hin und wieder komme es vor, dass ihm ein Sonderplatz zugewiesen wird, damit er nicht zu weit vom Grab entfernt ist. „Sonst würde ich noch meinen Einsatz verpassen“, sagt er. Denn er müsse genau wissen, wann das Lied „Alte Kameraden“ ertönt. „Während der ersten Strophe bin ich immer ein bisschen aufgeregt, ob es klappt. Das ist dann schon ein kleiner Nervenkitzel“, sagt Daurer.

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So könne es durchaus vorkommen, dass in jenem Moment, an dem der den Schuss eigentlich abgefeuert werden müsste, ein Hubschrauber oder Lastwagen vorbeifahre und er seinen Einsatz deshalb verpasse. Passiert sei das in 30 Jahren zum Glück noch nie.

Seine Umgebung im Blick behalten

Aber es ist nicht nur das Lied, auf das Anton Daurer achten muss. Auch seine Umgebung muss der Rosenheimer ständig im Blick haben. „Ich muss kurz vor meinem Schuss die Leute darauf aufmerksam machen, dass es jetzt gleich laut wird“, sagt er. Damit will er verhindern, dass sich die Trauernden oder Besuchers des Friedhofs erschrecken – um Kritik seiner Arbeit vorzubeugen.

Drei Schüsse, dann ist Schluss

Auf den Beerdigungen selbst hält sich Daurer im Hintergrund. Einige der Verstorbenen kennt er, die meisten sind ihm fremd. Nach drei Schüssen, packt er seine Sachen zusammen, schiebt die Kanone zurück, fährt nach Hause und wartet auf den nächsten Anruf.

Mehr als 50 Jahre im Verein

Lob für seine Arbeit bekommt er unter anderem von Rudolf Hötzel, Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins, der Daurer erst kürzlich zum Ehrenmitglied ernannt hat. Nach mehr als 50 Jahren im Verein. „Der Toni ist bei jedem Wetter da. Auf ihn kann man sich immer verlassen“, sagt Hötzel.

Unterstützung beim Schieben der Kanone

Dass das nicht selbstverständlich ist, wird spätestens dann deutlich, wenn Daurer erzählt, wie schwer es ihm fällt, die 180 Kilogramm schwere Kanone bei Schnee und Regen über den Friedhof zu schieben.

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„Bei trockenem Wetter ist es kein Problem. Wenn es rutschig ist, habe ich schon zu tun“, sagt er. Daran würden auch die Gummireifen nichts ändern, auf denen die Kanone steht. „Ich muss mal schauen, wie lange ich das noch machen kann.“ Notfalls müsse er eben „einen Gehilfen“ einstellen, der ihm beim Schieben unterstützen kann.

Immer weniger Beerdigungen

Ob sein Sohn irgendwann einmal in seine Fußstapfen tritt, sei im Moment noch offen. Zumal er mit dem Geschäft „Waffen Daurer“ alle Hände voll habe und nicht spontan auf eine Beerdigung könne, um die Salutschüsse abzufeuern.

Und dann steht auch noch die Frage im Raum, wie lange es das Ritual überhaupt noch geben wird. „Es gibt immer weniger Veteranen“, sagt Daurer. Während es früher bis zu 20 Beerdigungen gegeben habe, werde er jetzt nur noch fünf Mal im Jahr angerufen.

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Umso mehr genieße er die Momente, wenn es an der Zeit ist, die Abzugsleine seiner Kanone wieder zu ziehen – direkt nachdem er tief Luft geholt und ganz leise bis drei gezählt hat.

Rubriklistenbild: © Schlecker

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