Antanzen gegen das Coronavirus: Rosenheimerin nutzt Krise, um interaktive Show zu entwickeln

  • Anna Heise
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Die Corona-Krise hat die Kreativszene hart getroffen. Trotzdem haben viele Künstler die Zeit genutzt, um neue Projekte in die Wege zu leiten. Ein Beispiel: Lisa-Marie Rettenbacher und ihr Freund Felix Schnabel. Das Paar hat in den vergangenen vier Monaten ein eigenes Showkonzept entworfen.

  • Lisa-Marie Rettenbacher und Felix Schnabel hatten schon zahlreiche Rollen.
  • Sie entwerfen gemeinsam eine holografische Show mit 3D-Effekt.
  • Der Prototyp der Tanzshow befasst sich mit der Frage „Was macht mich menschlich?“

Rosenheim – Lisa-Marie Rettenbacher (23) und Felix Schnabel (23) sind auf der Bühne zu Hause. Die gebürtige Rosenheimerin hat an der Universität in Wien Musical studiert und arbeitet hauptberuflich als Musicaldarstellerin. Sie hat unter anderem in dem Bollywoodfilm „Blue Mountains“ mitgespielt, hatte Rollen in den Stücken „Grimm“, „Chicago“ und „Triumph of Love“. Neben ihrer Tätigkeit auf der Bühne arbeitet sie als Autorin und Regisseurin.

Schnabel arbeitet in Bayerischen Staatsoper

Ähnlich erfolgreich ist ihr Freund Felix Schnabel. Der 23-Jährige tanzt in der Bayerischen Staatsoper, arbeitet außerdem als Videographer und kümmert sich um die audiovisuelle Gestaltung von Bewegtbild.

Doch in den vergangenen Monaten blieben die Aufträge aus. Sämtliche Auftritte wurden verschoben, einige sogar abgesagt. „Wir hatten wenig Perspektiven. Dafür aber einen Haufen Zeit“, sagt Rettenbacher.

Der gemeinsame Traum

Für sie und Felix Schnabel Anlass, ihren gemeinsamen Traum von einer eigenen holografischen Tanzshow zu verwirklichen, die mit einer Gaze-Leinwand und animierten Videografiken arbeitet. Bei einer solchen Show nimmt das Publikum durch die Technik ein 3D-Effekt zwischen Darsteller und Videoelement wahr, sagt Schnabel. „Das sieht dann aus, als ob wir in der Luft tanzen.“

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit: Lisa Maria Rettenbacher und Felix Schnabel arbeiten an einer eigenen holografischen Tanzshow.

Rettenbacher fügt hinzu: „Unser Ziel war es Tanz und videotechnische Elemente miteinander zu verbinden.“ Weil es solche Shows aber „schon zur Genüge gibt“, gehen die beiden einen Schritt weiter und setzen auf Interaktivität. „Wir wollten das Publikum aktiv in unsere Show miteinbeziehen.“

Jugendlichen fehlt Interesse an Kunst und Kultur

So habe sie über die Jahre feststellen müssen, dass Jugendliche sich nur „wenig für Kunst und Kultur interessieren“. Dafür umso mehr für ihre Smartphones. Die beiden Dinge galt es nun miteinander zu verbinden.

Vier Monate lang arbeitet das Paar an einem Konzept. Sie telefonieren mit anderen Künstlern, erstellen eine Crowdfunding-Seite und entwerfen einen QR-Code.

Zuschauer sollen aktiv miteinbezogen werden

Über diesen Code sollen die Zuschauer, so der Plan, in die Show miteinbezogen und Teil der Darbietung werden. Denkbar sei, dass die Zuschauer beispielsweise Fragen beantworten, die direkt oder indirekt das Geschehen beeinflussen.

Klicken Sie auf den QR-Code für eine Volldarstellung.

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Um die Ideen zu testen, haben sie ein Versuchsmodell entworfen unter dem Titel „Developing Human“ (der sich entwickelnde Mensch). Der Prototyp der Tanzshow dauert zehn Minuten und beschäftigt sich mit den Fragen „Was macht mich menschlich?“, „Was kommt nach Corona?“, „Haben wir als Gesellschaft etwas gelernt?“ und „Wie überwinden wir Probleme wie Rassismus?“.

Der Traum von der Selbstständigkeit

„Wir wollen hier, neben dem philosophischen Ausblick, vor allem die Technik testen und schauen, wie es bei den Zuschauern ankommt“, sagt Rettenbacher.

Die 23-Jährige und ihr Freund Felix Schnabel träumen von der Selbstständigkeit, wollen mit der holografischen Tanzshow eine „größere Unabhängigkeit erreichen“ und in die „Eventbranche einziehen“. Geht es nach ihnen, könnte das Showkonzept auch für Weihnachtsfeiern, Saisonauftakte oder Produkteinführungen gebucht werden.

Hoffen auf finanzielle Unterstützung

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Im Moment hoffen sie auf finanzielle Unterstützung, haben sich dafür auf der Crowd-funding-Plattform „Startnext“ (www.startnext.de/showerk) angemeldet. Bis Sonntag, 19. Juli, haben Interessierte noch die Möglichkeit das Projekt zu unterstützen.

Und auch hier haben sich die beiden Künstler etwas besonderes einfallen lassen. „Wir bieten verschiedene Dienstleistungen an“, sagt Rettenbacher. So können Interessierte Geld spenden und erhalten dafür private Tanzstunden, eine Gesangsstunde, eine private Schauspielstunde, ein Wohnzimmer-Konzert oder aber 1000 Karma-Punkte.

Datum für Premiere steht noch nicht fest

Bis jetzt sind sie mit der Resonanz zufrieden. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell so viel Geld zusammenbringen“, sagt Schnabel. Ein Blick auf die Website verrät, dass immerhin schon rund 2400 Euro zusammengekommen sind. Geld, mit dem das Paar technische Anschaffungen tätigen kann. Bezahlt werden müssen unter anderem ein Hochleistungsbeamer, eine Gaze-Leinwand sowie Programme für die Entwicklung der Videografik.

Wann die Premiere stattfinden kann, stehe aber noch nicht fest. Zu groß ist nach wie vor die Ungewissheit durch das Corona-Virus. Die Vorfreude aber ist schon jetzt riesig.

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