Anlaufstelle mit Dampfnudeln: Sozialer Treffpunkt eröffnet in der Rosenheimer Innenstadt

Anstoßen auf die Eröffnung: Uschi Nicol und Olaf Heck sind die Initiatoren des neuen sozialen Treffpunktes „includere“. Schlecker

Uschi Nicol (53) und Olaf Heck (55) sind die Initiatoren des neuen sozialen Treffpunkts „includere“ in der Papinstraße 8 in Rosenheim. Hier entsteht ein generationsübergreifender Treffpunkt für Menschen aller sozialen Schichten. Eröffnung ist am Montag, 3. Februar, um 10.30 Uhr.

von Anna Heise

Rosenheim – Die Wände sind gestrichen, die Fenster geputzt und der Boden gereinigt. Die ersten Bilder hängen, die Kaffeemaschine hat ihren Platz an der Bar gefunden und auf den Stühlen liegen türkisfarbene Kissen. Viel ist bereits geschehen, Etliches muss noch getan werden. „Es herrscht immer noch Chaos“, sagt Olaf Heck.

Einzug in ehemalige Gastwirtschaft

Der 55-Jährige ist, gemeinsam mit Uschi Nicol, der neue Mieter der 160 Quadratmeter großen Räume. Er will der ehemaligen Gastwirtschaft neues Leben einhauchen, will einen Ort schaffen, an dem die Leute zusammenkommen und Zeit miteinander verbringen. „Die Räumlichkeiten sind ideal für das, was wir vorhaben“, sagt Heck. Und das ist eine ganze Menge. Geplant ist ein Aktivcafé, ein Treffpunkt für Rentner, Menschen mit Behinderung, Arbeitslose, Kinder, Familien, Touristen und Hundebesitzer. Sie alle sollen sich geborgen fühlen. Deswegen haben sich die beiden auch für den Namen „includere“ entschieden. Das Wort kommt aus dem lateinischen, bedeutet „aufnehmen“, „einschließen“ und „einbeziehen“.

Anlaufstelle zur Kommunikation

„Wir sind eine Anlaufstelle zur Kommunikation, zum Kontaktaufbau und zur Findung von Selbsthilfegruppen“, sagt Heck. Eine solche Einrichtung fehle in Rosenheim, darin sind sich die beiden Initiatoren einig. Das soll sich ab kommenden Montag ändern. Dann eröffnen Uschi Nicol und Olaf Heck ihrensozialen Treffpunkt. Und das ohne jegliche Erfahrung.

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„Wenn wir es nicht probieren, wissen wir auch nicht, ob es funktionieren wird“, sagt Heck.

Kennengelernt bei den Naturfreunden

Also haben sie seit August rund um die Uhr an ihrem gemeinsamen Projekt gearbeitet. Heck kümmert sich um das Handwerkliche, Nicol um das Organisatorische. Die beiden haben sich bei einem Treffen der Naturfreunde kennengelernt, sind in Kontakt geblieben und haben gemeinsam Pläne geschmiedet. Im Dezember hat das Team den Mietvertrag unterschrieben –  erst einmal für sechs Monate. Wir schauen mal, wie es läuft“, sagt Heck. Hat das Projekt Erfolg, will er den Vertrag verlängern.

Nach Burnout auf der Suche nach neuer Aufgabe

Heck ist gelernter Bäckereimeister, arbeitete lange Zeit als Lebensmitteltechniker. Nach einem Burn-Out musste er seinen Job aufgeben und suchte nach einer neuen Aufgabe. Die ist jetzt gefunden.

Heck investiert jede freie Minute in sein Projekt.

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Er malert, schraubt und hämmert. Rund um die Uhr. Wenn er am Abend nach Hause geht, überlegt er sich neue Ideen. Und davon hat er etliche. Geht es nach Heck, soll es im „includere“ künftig Stammtische geben. Zum Spielen, Basteln, Stricken und Häkeln. Geplant ist eine Wissensbörse, der Verkauf von Kunsthandwerk und Selbstgemachtem. Außerdem soll es gemeinsame Mittagessen geben.

Konzept funktioniert nach dem Motto „Bezahle was es dir wert ist“

Kochen will Heck selbst. Es soll einfache Gerichte geben, er denkt an täglich wechselnde Suppen, selbst gebackenen Kuchen und Dampfnudeln. Dazu Kaffee, Tee und Wasser. Alkohol soll es nicht geben. Das Essensangebot funktioniert unter dem Motto „Bezahle, was es dir wert ist“. „Wir wissen, dass die Leute, die wir ansprechen am Anfang des Monats mehr Geld haben als am Ende“, sagt Heck. Er will den Menschen entgegenkommen, weiß aber auch, dass dadurch die finanzielle Lage des Treffpunktes nicht einfacher wird.

Schwierige finanzielle Situation

„Die finanzielle Situation ist schwierig“, sagt Heck. Sponsoren und ein Träger seien bisher nicht gefunden, momentan bezahlt Heck alles aus eigener Tasche. Dass es so nicht ewig weitergehen kann, weiß er. Aufgeben will er trotzdem nicht. Er hofft, dass er auf die etlichen Anfragen, in denen er um Unterstützung bittet, bald Antworten bekommt.

Heck und Nicol kümmern sich um alles selbst

Erst dann will Heck Personal einstellen. Bis es soweit ist, kümmern sich Nicol und Heck um alle Aufgaben selbst. Die beiden wissen, dass viel Arbeit auf sie zukommt. Trotzdem freuen sie sich auf die kommenden Wochen. Und auch etliche Rosenheimer sind gespannt, was der soziale Treffpunkt zu bieten hat.

Zustimmung vom Vorsitzenden des Seniorenbeirats

„So etwas braucht es in der Stadt. Ich finde die Idee super und werde es mir auf jeden Fall mal anschauen“, sagt Josef Kugler, der Vorsitzende des Rosenheimer Seniorenbeirats.

„Ich glaube, das Angebot wird gerne angenommen“, sagt Andrea Thomas, Vorsitzende des Rosenheimer Tierschutzvereins.

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Gerade für Hundebesitzer sei die Einrichtung eine Bereicherung. „Nach dem Stadtspaziergang mit dem Vierbeiner noch gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen, hört sich wirklich sehr verlockend an“, sagt sie.

Kein Ort für Selbsthilfegruppen?

Auch Josef Gropper von der Selbsthilfegruppe Al-Anon glaubt, dass der Treffpunkt gut angenommen werden könnte. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“ Gropper weiß aber auch, dass ein solcher Ort für viele Selbsthilfegruppen nicht in Frage kommt. „Oft spielt die Anonymität eine große Rolle, ein öffentlicher Ort ist da nicht geeignet.“

Räume können gemietet werden

Olaf Heck weiß das, will die Räumlichkeiten in der Papinstraße deshalb unter der Woche ab 19 Uhr zur „anonymen Nutzung“ bereitstellen. Diese Möglichkeit gebe es auch an den Wochenenden. Dann ganztags. Olaf Heck scheint an alles gedacht zu haben. Kein Wunder, das Projekt ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Es gibt viele einsame Menschen. Für die sind wir da.“ Ab Montag, um 10.30 Uhr.

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