Analog statt digital: Rosenheimer Fotograf Ernst Steiner setzt weltweit auf die "alte Schule"

Der Rosenheimer Fotograf Ernst Steiner. Seine Bilder von Motiven aus dem Iran, Oman und Äthiopien waren schon in Kalendern und Büchern zu sehen. Steiners Leidenschaft ist die Panorama-Fotografie. Steiner
  • vonAlexandra Schöne
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Iran, Jemen, Pakistan: Ernst Steiner (73) aus Rosenheim bereist seit fünf Jahrzehnten den Globus und fotografiert Landschaften, Menschen und Städte. Er spricht über seine Leidenschaft zur Panoramafotografie und warum die analoge Technik immer weiter ausstirbt.

Rosenheim – Ohne seine Kamera trifft man Ernst Steiner nur selten an. Der 73-jährige Rosenheimer ist Fotograf. Er reist seit fünf Jahrzehnten um die Welt, um Motive vor die Linse seiner Analogkamera zu bekommen. Die Fotografie und das „Arbeiten mit Film“ haben Ernst Steiner aus Rosenheim schon als Jugendlichen interessiert. Seine Passion machte er zum Beruf. Er bekam Aufträge von Verlagen und Agenturen für ein bestimmtes Motiv, machte die Bilder und anschließend wurden die besten von einer Gruppe im Verlag ausgewählt. Sie erschienen in Büchern und Kalendern.

Einsamkeit in den Wüsten Afrikas

Steiners Touren führen ihn nach Asien und Afrika. Auch in Indien, Nepal, Pakistan, Ägypten, Oman, Sudan und Iran war er schon. Seine heimliche Liebe unter den vielen Orten, zu denen er schon gereist: die Region Ladakh im Norden Indiens und Kaschmir. Die Landschaften und die Einwohner haben es ihm angetan, außerdem interessiert er sich seit Langem für den Buddhismus, sagt er. In Afrika schätze er die Einsamkeit in den Wüsten und die Ruhe, die diese ausstrahlen.

Steiner liebt die Reisen und all die Erlebnisse, die sie mit sich bringen. Er musste jedoch in den vergangenen Jahren feststellen, dass sich einiges verändert hat. „Der Markt der Fotografie ist übersättigt“, sagt Steiner. Heutzutage hat jeder ein Mobiltelefon mit eingebauter Kamera. „Fotografie ist zum Massensport geworden, es gibt keine Individualität mehr“.

Analog-Fotografie ist aufwenig und zeitraubend

Steiner fotografiert ausschließlich analog. Die Arbeit mit den alten Techniken und Fotoapparaten fasziniert ihn. Seit Beginn der digitalen Fotografie habe sich der analoge Anteil um 95 Prozent reduziert. „Analog stirbt aus“, sagt der Rosenheimer. Unter anderem weil die Arbeit aufwendiger und zeitraubender ist. Blende, Belichtungszeit, Stativ: Alles muss man einstellen und auf das Motiv abstimmen. Steiner merke jedoch, dass viele junge Fotografen sich wieder für die analoge Fotografie interessieren.

Die Rub al-Khali-Wüste in Oman.

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Lange Zeit fotografierte Steiner im quadratischen Format. Irgendwann kamen Panorama-Aufnahmen hinzu, als er bemerkte, wie wirksam diese Art der Fotografie auf das Auge ist. „Es ist eine andere Sichtweise. Alles wird breiter und schöner.“ Das Panoramaformat eignet sich besonders für Landschaften wie Wüsten, Berge und Täler. Festgestellt hat das Steiner auf seinen Reisen durch Indien, Nepal, Ägypten und Sudan.

Im arabischen Raum nur Landschaften ablichten

Doch das Fotografieren auf seinen Touren und in anderen Kulturkreise ist nicht immer einfach. Laut Steiner ist es beispielsweise in arabischen Ländern „schwierig“. Die Leute seien empfindlich, ließen sich nicht gern ablichten. „Es ist ein Balanceakt“, sagt er. Deshalb fotografiere er im arabischen Raum normalerweise nur Landschaften.

Der Tsomorori-See im Ladakh in Indien.

Wieder zuhause angekommen, beginnt der zweite Teil seiner Arbeit. Er muss die Fotos entwickeln. Steiner lässt das in einem Großlabor machen, zweieinhalb Euro kostet das Entwickeln eines Films. Die Negative werden von einem Hochleistungsscanner bearbeitet und ausgedruckt. Dann wird das Bild auf selbstklebende Leichtschaumplatten aufgezogen und mit einem Rahmen aus leichter Pappe („Passepartout“) versehen.

200 Fotos macht Steiner pro Reise

200 Fotos schießt Steiner im Schnitt pro Reise. Die Bilder der letztes 20 Jahre hat er noch bei sich zuhause. „Den Rest habe ich schon aussortiert. Die Fotos gehen mit der Zeit kaputt und verlieren ihre Farbe“, erklärt er. Ob er ein eigenes Zimmer für seine ganzen Werke hat? Nein, sagt er, und schmunzelt. Das brauche er nicht. Die Bilder steckt er in Kunststoffhüllen, in eine passen zehn Stück hinein. Für jedes Land gibt es eine eigene Mappe, in der er die Hüllen aufbewahrt. Denn: Ohne System funktioniert solch ein Archiv nicht. „Wenn ich ein bestimmtes Bild suche, weiß ich genau, wo ich nachsehen muss“, sagt er.

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Steiner überlegt, ob er irgendwann auf digitale Fotografie umsteigt. Ein Problem bei der analogen Technik sei nämlich die Menge Ausrüstung, die er benötigt. Dieses müsse er auf seinen Reisen am Flughafen als Handgepäck einchecken. Stativ, die Kamera und Objekte seien empfindlich und können leicht beschädigt werden. In manchen Ländern sei die Mitnahme in die Flugzeugkabine jedoch nicht immer möglich.

Steiners nächste Ziele sind die Hochebene Altiplano in den Anden in Südamerika und das K2-Basislager im Karakorum-Gebirge in Zentralasien. Vielleicht benutzt er bis dahin schon eine Digitalkamera.

Die Sandamani-Pagode am Mandalay-Hügel in Myanmar.

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