Amtsgericht Rosenheim: Handynachrichten überführen Dealer

Pech für den Drogenhändler: Sein Kunde hatte die Kommunikation über WhatsApp auf seinem Handy gespeichert.
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Pech für den Drogenhändler: Sein Kunde hatte die Kommunikation über WhatsApp auf seinem Handy gespeichert.
  • vonTheo Auer
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Zu zwölf Monaten Jugendstrafe auf Bewährung wurde ein 21-jähriger Afghane vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Der junge Mann handelte mit Cannabis. Der Dealer wurde mittels Handynachrichten überführt.

Rosenheim – Im Jahre 2016 war der Afghane (21), der sich nun vor Gericht verantworten musste, über Syrien, die Türkei und Griechenland nach Deutschland gekommen. Zunächst hatte er eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen. Weil ihm aber wegen des ungeklärten Aufenthaltsstatus‘ keine Arbeitserlaubnis erteilt wurde, musste er sein Lehrverhältnis abbrechen. Und damit begann der soziale Abstieg des jungen Mannes.

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Weil er nun einerseits viel Freizeit hatte, andererseits aus Afghanistan den Gebrauch von Cannabis gewohnt war, geriet er, wie viele andere Geflohene, in den Sog des Salingarten-Milieus in Rosenheim. Die Asylbewerber-Sozialhilfe von 380 Euro konnte da nicht ausreichen. Also beschloss der 21-Jährige sein Geld mit dem Handel von Cannabis zu verdienen. Entsprechende Kontakte waren in dem Park-Hotspot schnell geknüpft. Wie er vor Gericht sagte, kamen die Drogen aus Italien.

Aufgeflogen war er, als einer seiner wesentlichen Abnehmer festgenommen wurde und ihn, um in den Genuss des Kronzeugenparagrafen 31 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) zu kommen, als seine Bezugsquelle angab.

Weder bei der Polizei noch vor Gericht äußerte sich der Angeklagte allerdings zu den Vorwürfen. Er spekulierte wohl darauf, dass der einzige Belastungszeuge nicht glaubhaft genug sein könnte. Außerdem hatte er auf seinem Handy alle Kontakte mit diesem unwiederbringlich gelöscht.

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Nicht so aber sein Kunde! Dessen Smartphone und die Chatverläufe darauf belegten nicht nur die entsprechenden Kontakte, sondern auch Bestellungen und Liefertermine für die Drogen.

Nachdem diese zusammen mit dem 22-jährigen Belastungszeugen, der sich derzeit in einer Therapie befindet, präzisiert und belegt worden waren, blieben unter dem Strich sieben nachweisliche Vergehen des gewerbsmäßigen Handeltreibens zwischen Mai und November 2018.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sagte, der Angeklagte könne zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher gelten und sei deshalb nach Jugendstrafrecht zu verurteilen.

In ihrem Schlussvortrag beklagte die Staatsanwältin, dass sich der Angeklagte nach wie vor nicht zu einem Geständnis habe durchringen können. Auch Reue sei nicht zu erkennen. Weil aber offensichtlich Jugendstrafe zur Anwendung kommen müsse, könne es mit 14 Monaten Jugendeinheitsstrafe sein Bewenden haben. Weil der 21-Jährige zudem keine Vorstrafen hat, sei diese Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Dauerarrest angeordnet

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Roland Kuhnigk, kam nicht umhin, der Beweislast aus dem Chatverkehr zuzustimmen. Er hielt aber eine Jugendstrafe von neun oder zehn Monaten für angemessen und ausreichend.

Der Vorsitzende Richter Hans-Peter Kuchenbaur machte dem Angeklagten deutlich, dass ihn die Zuerkennung von Jugendstrafrecht vor viel härterer Bestrafung bewahrt habe. Gemäß Erwachsenenstrafrecht wäre eine Strafe nicht unter zwei Jahren erfolgt, was eine Aussetzung zur Bewährung unmöglich gemacht hätte. Weil die zwölf Monate Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt würden, müsse er aber einen Dauerarrest von zwei Wochen antreten, um am eigenen Leibe zu erleben, was passiere, wenn eine solche Strafe tatsächlich vollzogen werden müsse. Selbstverständlich wurde er mittels eines Bewährungshelfers und strengen Auflagen dazu angehalten, künftig drogenfrei zu leben.

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