Allen zum Gruß und Willkomm

Vielleicht haben es selbst alte Rosenheimer noch gar nicht bemerkt, dass sich seit urdenklichen Zeiten am Mittertor zwei Wappenschilder befinden und wenn sie ihnen einen flüchtigen Blick geschenkt haben, dann werden sie sich wohl wenig Gedanken darüber gemacht haben, was sie bedeuten und aussagen wollen. Vor 50 Jahren, 1962, wurden sie liebevoll renoviert.

Rosenheim - Die beiden Wappen befinden sich auf der Seite des Mittertores, die dem Ludwigsplatz und der Kaiserstraße zugewendet ist, auf der Höhe des ersten Stockes. Dort war in früheren Jahren der Markt Rosenheim zu Ende. Ludwigsplatz, Kaiserstraße, Färberstraße entstanden erst später. Die Wappenschilder entboten einen Gruß und Willkomm allen Besuchern des Ortes, die aus nördlicher Richtung, aus der Wasserburger Gegend also, hereinströmten.

Rosenheim folgte damit einem Brauch, der früher in allen Städten und Märkten üblich gewesen ist. Es sind immer zwei Wappen angebracht worden, das Stadtwappen und das Wappen des Landesherrn, dem der Ort unterstand. Dass aber selbst diese Zierden den Erscheinungen der Zeit unterlegen sind, zeigt das Beispiel Rosenheim.

Im vorletzten Jahrhundert war es notwendig geworden, die Wappen, die ja unter den Witterungseinflüssen zu leiden haben, neu zu fassen. Da wurde nun in Unkenntnis der wirklichen Zusammenhänge oder vielleicht aus Stolz darüber, dass Bayern ein Königreich geworden war, anstatt des alten kurbayerischen Wappens aus dem Jahre 1623 das königlich bayerische Wappen von 1835 angebracht. Solange aber Rosenheim zum Herzogtum Oberbayern gehört hatte, war am Mittertor das kurbayerische Wappen gewesen.

Stadtarchivar Albert Aschl griff deshalb bei der Überarbeitung vor 50 Jahren auch auf die alte Tradition zurück. Somit hing nun wieder das Wappen der Kurfürsten von Bayern neben dem der Stadt am Mittertor.

Eines ist das kurbayerische Wappen. Zu sehen ist der pfälzische (staufische) Löwe mit Krone. 1923, als Bayern Freistaat geworden war, hat der Löwe seine Krone vorübergehend verloren gehabt. Aber auch hier lag wieder ein Irrtum zugrunde. Die Krone verkörpert in diesem Falle nämlich nicht die Monarchie, sondern kennzeichnet den Löwen als König der Tiere. Und weil man nunmehr über diese Dinge etwas abgeklärter denkt, haben die beiden Löwen, die so treue Wacht am Mittertor halten, vor 50 Jahren auch wieder eine Krone bekommen. Die beiden Rautenfelder sind in den Hausfarben (Weiß und Blau) der Wittelsbacher gehalten, hervorgegangen aus dem Wappen der untergegangenen Grafen von Bogen.

In der Mitte des Wappens ist ein rotes Herzschildchen zu sehen mit dem goldenen Reichsapfel, dem Abzeichen des Reichstruchseßamtes, das "fürnehmste" kaiserliche Amt, das zu vergeben war. Als Herzog Maximilian 1623 die Kurfürstenwürde erhielt, ist dieses Herzschildchen in das kurbayerische Wappen mit aufgenommen worden.

Das zweite Wappen, das Stadtwappen, stellt eine weiße Rose auf rotem Grund dar. Es ist aber keine gewöhnliche Rose, sondern eine fünfblättrige, gefüllte mit goldenen Butzen und grünen Kelchblättern. Mit einem Heckenröserl oder gar einem Mauerblümchen gäben sich die Rosenheimer in ihrem Wappen nicht zufrieden. Das Wappen Rosenheims ist von ehrwürdigem Alter. Es tritt erstmals 1374 in einem Siegel in Erscheinung.

Die Wappen sind von Malermeister Josef Koch auf Kupferschilder gemalt worden. Früher waren die Wappen in die Mauerblenden eingelassen, nun sind sie abgesetzt und damit als Schilder besser erkenntlich geworden. Dadurch, dass sie etwas schräg gestellt wurden, können sie gut betrachtet werden. re

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