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Alles wie zu Vor-Pandemie-Zeiten?

Steigende Zahlen, fröhliche Feste: Spielt Corona keine Rolle mehr? Ärzte aus der Region warnen

Die Maske ist längst ein Symbol der Corona-Politik. Ist sie ein Auslaufmodell oder weiter notwendig?
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Die Maske ist längst ein Symbol der Corona-Politik. Ist sie ein Auslaufmodell oder weiter notwendig?

Bei Konzerten und Volksfesten stillen viele Menschen derzeit ihren Hunger nach gemeinsamen Erlebnissen. Nach Jahren der Pandemie ist die Sehnsucht nach Normalität groß. Aber Ärzte warnen, dass Corona weiterhin große Probleme produziert.

Rosenheim – Bis zu 9000 Menschen standen vergangene Woche jeden Abend dicht an dicht beim Rosenheimer Sommerfestival und feierten James Blunt, Clueso oder Deep Purple. Die Stimmung war gut, die Freude über die wieder möglichen Liveauftritte war groß – alles wie zu Vor-Pandemie-Zeiten?

Masken sind bei Konzerten oder in Festzelten kaum mehr zu sehen, auch in Supermärkten sind die Maskenträger in der absoluten Minderheit. Corona spielt im öffentlichen Leben keine Rolle mehr. Was es aber aus Sicht von Dr. Fritz Ihler, dem Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, besser tun sollte: „Man muss schauen, das Virus in den Griff zu bekommen", sagt Dr. Ihler im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Sind Großveranstaltungen vertretbar?

Dr. Nikolaus Klecker, Vertreter des bayerischen Hausärzteverbands in der Region und Hausarzt aus Rosenheim, geht noch einen Schritt weiter: Er hinterfragt die Machbarkeit von geplanten Großveranstaltungen wie dem Herbstfest.

Die aktuell vorherrschenden Omikron-Virusvarianten BA.5 und BA.2.75 breiten sich schnell aus. Im Gegensatz zu ihren Vorgängervarianten auch bei warmen Temperaturen im Sommer. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag, 22. Juli, bei 941 im Landkreis Rosenheim und bei 711 in der Stadt Rosenheim. Zum Vergleich: Der Nachbarlandkreis Mühldorf ist bereits knapp vierstellig mit 951, Traunstein liegt wiederum bei 654. Auch wenn es gesellschaftlich den Anschein erweckt: Die Pandemie ist noch nicht vorbei, die Sommerwelle türmt sich auf. Davor warnen auch die Ärztevertreter aus der Region.

Aber wie aussagekräftig sind die Zahlen überhaupt noch? Seit Anfang Juli gibt es keine kostenlosen Bürgertests mehr. Wer sich dennoch offiziell testen lassen will, muss mittlerweile drei Euro als Kostenbeteiligung bezahlen. Lediglich vulnerable Gruppen wie Kleinkinder, Schwangere oder Personen, die mit Infizierten im selben Haushalt leben, können sich nach wie vor kostenlos testen lassen.

Forderung nach kostenlosen Tests

Drei Euro für einen Test erscheinen zwar nicht viel, sind aber dann doch eine psychologische Hürde, die viele nicht mehr nehmen wollen. Daraus ergibt sich womöglich eine große Dunkelziffer an Infizierten. Das befürchtet zumindest Dr. Josef Stein, Allgemeinarzt aus Rosenheim. Er geht sogar von der fünffachen Zahl an tatsächlich Infizierten aus und fordert im OVB-Gespräch eine Wiedereinführung der kostenlosen Tests.

Dr. Fritz Ihler, Ärztlicher Kreisverband.

Die Sommerwelle macht sich auch in den Kliniken der Region wieder schleichend bemerkbar, die Belegungszahlen mit Covid-Patienten steigen an. Die Intensivbetten der Kliniken im Landkreis Rosenheim waren vergangene Woche laut DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) zu fast 89 Prozent ausgelastet, in Mühldorf waren es sogar knapp 93 Prozent.

Die Sommerwelle kommt – und die Politik scheint zuzusehen. Derzeit werden Schutz- und Hygienemaßnahmen lediglich empfohlen. Im ÖPNV, in Krankenhäusern und Arztpraxen reicht eine medizinische Schutzmaske.

Mögliche Maßnahmen für den Herbst werden lediglich diskutiert. „Fahrlässig“ findet das Hausärzteverbandsvertreter Dr. Klecker. „Ernüchternd und erschreckend“, sagt Dr. Stein. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, „droht uns eine gewaltige Welle im September und Oktober", ist der Mediziner überzeugt.

Dr. Nikolaus Klecker, Hausärzteverband.

Impfen könnte hier womöglich helfen. Rund 76 Prozent der deutschen Bevölkerung sind zumindest zweimal geimpft, erst rund 62 Prozent haben sich bisher ein oder zweimal boostern lassen. Die STIKO empfiehlt eine weitere Impfung ab 70 Jahren. Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Dr. Fritz Ihler, geht sogar noch einen Schritt weiter: Er spricht sich gegenüber dem OVB für eine Impfung ab 60 Jahren aus, „eigentlich schon früher“. Jetzt seien noch genug Kapazitäten für eine weitere Impfung vorhanden. Im Herbst könne das schon wieder anders aussehen, sagt Ihler.

Derselben Meinung sind Dr. Klecker und Dr. Stein: Aus ihrer Sicht sollten die Impfbemühungen besonders bei den Risikogruppen in Bezug auf die hohen Inzidenzen und die sehr hohe Intensivbettenbelegung stark ausgeweitet werden.

ML

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