Ärger um Zigaretten auf Rosenheimer Spielplätzen: ÖDP fordert eindeutigere Verbotstafeln

Trotz Verbotes: Immer wieder kommt es vor, dass auf den Spielplätzen im Stadtgebiet geraucht wird. Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder beim Spielen ausgerauchte Glimmstengel finden und sich in den Mund stecken. dpa
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Trotz Verbotes: Immer wieder kommt es vor, dass auf den Spielplätzen im Stadtgebiet geraucht wird. Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder beim Spielen ausgerauchte Glimmstengel finden und sich in den Mund stecken. dpa
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Zigarettenstummel im Sandkasten, zerbrochene Bierflaschen auf der Spielfläche: Die Sauberkeit auf einigen Spielplätzen in Rosenheim lässt zu wünschen. Dass jedenfalls kritisiert Stadtrat Horst Halser (ÖDP) in einem Antrag an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). Und bekommt Zustimmung dafür, direkt vor Ort.

Rosenheim – Sandra Maier (32) lässt ihren Sohn Simon nicht aus den Augen. Sie beobachtet, wie der 18 Monate alte Bub mit seiner Schaufel im Sandkasten buddelt, das Loch immer tiefer wird. Fast täglich sind die beiden draußen, auf den Spielplätzen in der Innenstadt. Am Riedergarten sind sie oft, seit Kurzem auch auf dem Spielplatz an der Sudetenlandstraße. Wirklich entspannen kann die junge Mutter während dieser Zeit nicht. „Ich bin immer dabei und kann meinen Sohn nicht einfach machen lassen“, sagt sie. Zu groß ist die Angst, dass Sohn Simon beim Buddeln einen Zigarettenstummel findet, ihn sich in den Mund steckt. Die Sorge der Mutter ist nicht unbegründet, die Filter enthalten Giftstoffe wie Arsen, Blei, Kadmium oder Benzol, können zu Tabakvergiftungen führen.

Halser fordert eine bessere Beschilderung

Wie gefährlich die ausgerauchten Glimmstengel sein können, weiß auch Simone Wettlaufer (39). Sie ist selbst Mutter, ihr Sohn Jakob drei Jahre alt. „Dem Sohn meiner Freundin musste der Magen ausgepumpt werden, weil er einen Zigarettenstummel gegessen hat“, sagt sie. Alles sei zwar am Ende gut verlaufen, trotzdem hat der Vorfall Spuren hinterlassen. Ihren Sohn lässt Simone Wettlaufer beim Spielen selten aus den Augen. Sie erzählt all das, während sie mit Jakob auf dem Spielplatz am Riedergarten spielt. Er sitzt in der großen Nestschaukel, sie schubst ihn an. Immer wieder.

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„Generell bin ich mit den Spielplätzen in Rosenheim zufrieden“, sagt sie. Nur ab und zu komme es vor, dass sie Leute beim Rauchen erwische. „Das hat auf Spielplätzen einfach nichts verloren. Es ist ja nicht ohne Grund verboten.“

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Eine Meinung, die Neyka Maysiria (34) teilt. „Es gehört sich einfach nicht“, sagt sie. Auch sie ist Mutter, auch sie ist immer wieder auf den Rosenheimer Spielplätzen unterwegs. Sie wünscht sich Spielplätze, auf denen keine Zigarettenstummel rumliegen. Eine Meinung, die die anderen Mütter teilen, auch wenn sie sich nicht fotografieren lassen wollen.

Auf vielen Spielplätzen fehlen Hinweise

ÖDP-Stadtrat Horst Halser will sich der Sache annehmen. In seinem Antrag an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer fordert er „bessere und häufigere Kontrollen, eine Überwachung mit Aufklärung sowie Bußgeldauflagen bei Verstößen“. Zudem beantragt er eine „Optimierung der Rauch- und Alkoholverbotsschilder auf den Rosenheimer Spielplätzen“. Die meisten Spielplätze seien –passend zur städtischen Spiel- und Bolzplatzsatzung –  mit Verbots-Symbolschildern ausgestattet, allerdings fehlten diese Hinweise „in einer nicht geringen Anzahl“, kritisiert Halser. Er spricht unter anderen von den Spielplätzen in der Endorferau, am Biberweg, an der Finsterwalderstraße und an der Erlenaustraße. Hier gibt es zwar Schilder, die den Spielplatz-Besuchern verbieten, Glasflaschen zu benutzen, laut Musik zu hören, Rad zu fahren oder mit dem Hund spazieren zu gehen. Von einem Alkohol- und Rauchverbot fehle allerdings jede Spur, sagt Halser. Er will, dass sich das ändert. Und fordert insbesondere mehr Aufklärung über die Gefahren für Kinder.

Zigaretten stellen hohe Gesundheitsgefahr teil

Auch die Geschäftsführerin des Rosenheimer Kinderschutzbundes, Marianne Guggenbichler, appelliert an eine bessere Aufklärung. Sie fände es wünschenswert, überall Hinweis- und Verbotsschilder aufzustellen, auch und gerade weil „Zigaretten eine hohe Gesundheitsgefahr darstellen“.

Dass es regelmäßig vorkommt, dass Menschen auf Spielplätzen rauchen und Alkohol trinken, weiß auch der Medienbeauftragte der Rosenheimer Polizei, Robert Maurer. Ob das allerdings an den fehlenden Verbotsschildern liegt, bezweifelt er. „Eigentlich weiß jeder, dass es nicht erlaubt ist.“

Zehn Anzeigen im vergangenen Jahr

Fast täglich sei die Rosenheimer Sicherheitswacht unterwegs, kontrolliere die Spielplätze im Stadtgebiet. Manchmal zu dritt, manchmal zu viert. Immer wieder komme es vor, dass die Mitarbeiter Jugendliche beim Rauchen und Alkoholtrinken erwischten. Der Spielplatz an der Aventinstraße beispielsweise sei vor allem abends „ein Brennpunkt“. Und auch an der Erlenaustraße gebe es immer wieder Vorfälle, müssten die Mitarbeiter der Sicherheitswacht einschreiten.

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Sie nehmen die Daten auf und belehren. Handelt es sich um einen Wiederholungstäter, muss er ein „Verwarnungsgeld“ in Höhe von 20 bis 30 Euro bezahlen. Beim dritten Verstoß gebe es ein Bußgeldverfahren, sagt Maurer. Insgesamt kam es im vergangenen Jahr so zu zehn Anzeigen.

Keine Stellungnahme von der Stadt

Die Stadt will zu der Situation auf den Spielplätzen keine Stellungnahme abgeben. Sie verweist auf Paragraph 47 der Geschäftsordnung. Zunächst habe der Antragsteller das Recht im zuständigen Ausschuss Antwort auf seinen Antrag zu erhalten, heißt es darin.

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