Strenges Hygienekonzept

Ärger über die Diakonie Rosenheim: Wenn das Spenden schwierig wird

Zu schön, um ihn wegzuschmeißen: Johanna Abel wollte ihren Schreibtisch gerne an die Diakonie spenden.
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Zu schön, um ihn wegzuschmeißen: Johanna Abel wollte ihren Schreibtisch gerne an die Diakonie spenden.
  • Anna Hausmann
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Johanna Abel wollte ihren geliebten Schreibtisch der Diakonie geben. Für den Sperrmüll war er ihr zu schade. Die Spende an die Diakonie sollte sich allerdings alles andere als einfach erweisen. Denn die hat zur Zeit strenge Vorgaben zum Schutz vor Corona.

Frasdorf/Rosenheim – Bei jedem Umzug, bei jeder Änderung in den eigenen vier Wänden, bleibt die Frage: Wohin mit den Möbeln, die noch gut in Schuss sind? Für manche findet man einfach keine Verwendung. Statt den Sperrmüll zu rufen, wollte Johanna Abel (79) aus Frasdorf jemand anderem eine Freude machen und ihren geliebten Schreibtisch an die Diakonie spenden. Doch das sollte sich nicht gerade als leicht herausstellen.

Ein Möbelstück mit Erinnerungswert

Noch steht er da, der Schreibtisch aus Holz. Eigentlich hätte er seinen Weg schon in die Hände eines neuen Besitzers finden können. Er ist 1,50 Meter lang und relativ schwer.

Das Möbelstück hat einen Erinnerungswert: „Er hat früher meinem Pfarrer gehört, war für ihn einfach etwas besonderes.“ Die langjährige Übersetzerin hat ihre Wohnung verkleinert, für den Schreibtisch fand sie keinen Platz mehr. Auch ihre Kinder konnten ihn für ihr Zuhause nicht gebrauchen. „Aber ich finde einfach, es ist ein schöner Schreibtisch.“

Absage der Diakonie

Also rief sie das Sozialkaufhaus der Diakonie in Rosenheim an, sandte ein Foto. Dann habe sie prompt die Antwort erhalten: Die Diakonie nimmt den Tisch. Doch schließlich am Telefon hätte der Mitarbeiter des Trödelhofs nur kurz und knapp gesagt: „Wir dürfen nicht fahren, wegen Corona.“

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Stattdessen sollte sie ihn selbst nach Rosenheim bringen. Doch der Tisch passt nicht in ihr eigenes Auto. Bei der Frasdorferin stößt das Verhalten der Diakonie auf Unverständnis: „Es wäre doch möglich, dass sie ihn einfach aus meiner Garage abholen.“

Das Möbelstück steht in der Garage

Dort steht nämlich das Möbelstück gerade, seit etwa zwei Wochen. Für ihr eigenes Auto ist hier nun kein Platz mehr. „Das kann doch keine Lösung sein.“ Gerade in den Wintermonaten möchte sie den Wagen geschützt wissen. Der Tisch muss dann raus. „Ich werde ihn leider zersägen und zu Brennholz machen.“

Die Diakonie erklärt die Sache so: Aktuell könnten nur Sachen abgeholt werden, bei denen eine kontaktlose Übergabe, etwa in einer leeren Wohnung oder vor dem Haus, möglich ist, so Sebastian Kurz, Geschäftsbereichsleiter auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Diese Information ist zugänglich und wird auch so kommuniziert.“

Individuelles Hygienekonzept

Diese Entscheidung sei getroffen worden, um den Schutz der Mitarbeiter und der Zielgruppenbeschäftigten zu gewährleisten. Von ihnen gehörten sehr viele zur Risikogruppe. „Hier bedarf es eines umfassenden Schutzes“, sagt Kurz.

Durch ein individuelles Hygiene-Konzept sei es möglich, die Sozialkaufhäuser auch weiterhin für die Menschen in und um Rosenheim offen zu halten. Sollte es jemanden nicht möglich sein, die Möbel eigenhändig vor das Haus zu befördern, könnte man Nachbarn, Freunde oder Familie um Hilfe bitten, so der Vorschlag des Geschäftsbereichsleiters.

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