Hilfe bei Behördengängen und Wegfinder durch Formular-Dschungel - Neuer Schulungskurs ab Mai

Ämterlotsen sind stark gefragt

Helfer bei Behördengängen (von links): Ämterlotse Michael Müller, Hedwig Petzet von der Caritas und Helmut Türk-Berkhan vom Diakonischen Werk am Eingang des "Sozialrathauses" in der Reichenbachstraße. Foto Sieberath
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Helfer bei Behördengängen (von links): Ämterlotse Michael Müller, Hedwig Petzet von der Caritas und Helmut Türk-Berkhan vom Diakonischen Werk am Eingang des "Sozialrathauses" in der Reichenbachstraße. Foto Sieberath

Rosenheim - Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 136 Anfragen zu "Ämterlotsen Rosenheim", einem Gemeinschaftsprojekt der Caritas und des Diakonischen Werkes Rosenheim. 86 Fälle wurden von den 16 ehrenamtlich tätigen und dafür geschulten Ämterlotsen begleitet. Rund Dreiviertel der Begleitungen lagen im Bereich der sogenannten Hartz-IV-Gesetzgebung.

Die Ämterlotsen leisten nicht nur überforderten Mitbürgern Unterstützung bei dem Gang zu Behörden, sie fungieren auch als Katalysator zwischen Sachbearbeiter und Antragsteller, so Hedwig Petzet, zuständig für das Projekt Ämterlosten beim Caritaszentrum Rosenheim.

Ämterlotsen helfen zudem, den Weg durch den häufig unverständlichen FormularDschungel zu finden, die Amtssprache in verständliches Deutsch zu übersetzen und sind beim Ausfüllen der Anträge behilflich. "Allein für den Standard-Hartz-IV- Antrag müssen 18 Seiten Formular ausgefüllt werden", beklagt Helmut Türk-Berkhan, verantwortlich beim Diakonischen Werk für das Projekt.

Hinzu kommen zu den Anträgen zahlreiche Belege, die den Unterlagen beigefügt werden müssen. Das alles systematisch zu ordnen, um alles als Komplettpaket beim Sachbearbeiter abgeben zu können, dafür steht zum Beispiel Ämterlotse Michael Müller den Hilfesuchenden zur Seite. Der ehemalige Direktor der Rosenheimer Filiale der Dresdner Bank wurde nach dem Tod seines Schwiegervaters darauf aufmerksam, wie verwirrend Behördengänge gerade für ältere Menschen oder für Menschen mit Migrationshintergrund sein können.

Habe ich Anspruch auf Wohngeld? An wen muss ich mich wenden? Was brauche ich dafür - das sind Fragen, die Türk-Berkhan und Petzet bereits am Telefon beantworten können. Schwieriger wird es bei sogenannten Bedarfsgemeinschaften, bei denen alles Familienvermögen in einen Topf geworfen wird.

"Da kommt es schon mal vor, dass auf das von den Großeltern für die Enkel angesparte Sparbuch zugegriffen wird", wie Müller aus Erfahrung weiß. Auch bei Kontensperrungen und Neuanträgen konnte Müller schon behilflich sein. Hier ist die Begleitung des Ämterlotsen oft mehrmals gefordert.

Dabei seien "Ämterlotsen Begleiter bei Behördengängen, zum Beispiel zum Jobcenter (früher Arge), nicht Rechtsberater und kein Fahrdienst zu den Behörden. Ämterlotsen sind im sozial-rechtlichen Bereich tätig. Steuerrechtliche Angelegenheiten werden nicht von unseren Ämterlotsen betreut", betont Türk-Berkhan und macht auf den neuen Kurs "Ämterlotsen" aufmerksam, der am 4. Mai mit einer Informationsveranstaltung im Beratungszentrum der Diakonie in der Klepperstraße 18 im Klepperpark beginnt.

Kursinhalte sind unter anderem Information und Orientierung in der sozialen Landschaft Rosenheims, Grundlagen der Kommunikation, ein Überblick über sozialrechtliche Ansprüche, die Rolle als Ämterlotse, Schweigepflicht, Datenschutz und versicherungsrechtliche Fragen.

"Wir hoffen, dass wir dabei neue ehrenamtlich tätige Ämterlotsen gewinnen können - Bedarf ist vorhanden. Besonders die Gebiete Bad Endorf, Wasserburg und Prien sind noch weiße Flecken im Bereich der Versorgung mit Ämterlotsen", weiß Türk-Berkhan. Neben dem Kurs findet monatlich ein Erfahrungsaustausch der Ämterlotsen statt.

Infos zum Projekt Ämterlotsen gibt es im Internet unter www.aemterlotsen-rosenheim.de; die zentrale Ämterlotsen-Telefonnummer lautet 0171/7665224. csi

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