Nachruf

Abschied vom „Nore“: „Inntaler Bauernbühne Rosenheim“ trauert um Helmut Niedermeier (80)

Helmut „Nore“ Niedermeier, hier bei einem Bierzeltbesuch, ist im Alter von 80 Jahren gestorben.
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Helmut „Nore“ Niedermeier, hier bei einem Bierzeltbesuch, ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Die „Inntaler Bauernbühne Rosenheim“ trauert um ihren langjährigen Vorsitzenden und einen beliebten Schauspieler: Helmut Niedermeier, von seinen Freunden auch als „Nore“ bekannt, ist jetzt kurz vor seinem 81. Geburtstags gestorben.

Rosenheim – In der Rolle des Polizisten Schöberl im „Graf Schorschi“ von Carl Borro Schwerla machte Niederrmeier im Jahr 1977 erstmals als Schauspieler von sich Reden. Auf Empfehlung seines Schwagers Balthasar Geidobler engagiert, wurde schnell deutlich, dass die „Inntaler“ mit dem „Nore“ ein neues Ensemblemitglied gewannen, das sich vor und hinter den Kulissen, künstlerisch wie menschlich als Glücksfall für die Bühne erweisen wird.

Facettenreiches Können als Schauspieler

Der seit 1968 mit seiner aus Osttirol stammenden Frau Maria verheiratete Familienvater brachte nicht nur den Willen und die für die aufwendige Theaterarbeit nötige Disziplin mit, sondern bewies über Jahrzehnte in zahlreichen Rollen sein facettenreiches Können als Schauspieler.

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In Nebenrollen, wie zuletzt 2015 als verschmitzter Großvater in „Der Leberkaskönig oder die unendliche Weisheit aus dem Rohr“ bis zu Hauptrollen wie dem Landsknechtführer Gatterer in „Die Räuber am Glockenhof“ begeisterte er Publikum wie Kritiker mit der „eindrucksvollen Kraft seiner Bühnenpersönlichkeit“, wie beispielsweise Franz Hilger 1985 in einer in den OVB-Heimatzeitungen veröffentlichen Kritik schrieb.

Hoher Qualitätsanspruch

Den Willen und das Können zur Weiterentwicklung gepaart mit einem hohen Qualitätsanspruch bewies der „Nore“ aber nach Ansicht seiner Weggefährten in mindestens gleichem Maße als Regisseur. Seine berufliche Tätigkeit als Verwalter der Städtischen Galerie Rosenheim und sein Talent, die Werke der Künstler ansprechend zu präsentieren, war stimmiger Hintergrund seines künstlerischen Gespürs für Inszenierungen sowie für die sensible und dennoch stringente Schauspielerführung.

In Regie, Schauspiel und von 1983 bis 2009 als Vorsitzender führte er die Bühne vom klassischen Bauerntheater zum anspruchsvollen Volkstheater, indem er außergewöhnliche und aufwühlende Stücke wie „Stigma“ von Felix Mitterer oder gesellschaftskritische Satiren wie „Für Frieden und Freiheit“ von Sigi Zimmerschied auf die Bühne brachte.

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Glanzleistung seines künstlerischen Schaffens waren jedoch seine zahlreichen Darstellungen des Karl Valentin, den er 1984 erstmalig mit „Die Raubritter von München“ derb-witzig und sehr erfolgreich auf der Bühne im Rosenheimer Kolpinghaus inszenierte.

Paraderolle als Valentin

Seine Paraderolle des Valentin spiegelt Nores ureigensten Sinn fürs Hintergründige, seinen scharfen, aber immer liebevollen Blick auf die Menschen und ihre Lebenssituationen und seinen fein-treffenden Humor wieder und machte ihn weit über das Rosenheimer Bühnengeschehen hinaus bekannt. Nicht nur, aber in besonderen Maße zündete er mit dieser Figur auch den Theaterfunken in seinem Sohn Martin und seinen Enkeln Anna und Simon.

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