Das Rosenheimer Herbstfest ist abgesagt

Ein Albtraum zu Corona-Zeiten: Dicht an dicht sitzen die Menschen im Bierzelt an den Tischen beim Rosenheimer Herbstfest. Im vergangenen Jahr ganz normal. Seit der Virus umgeht, undenkbar. Trotzdem äußert sich der Wirtschaftliche Verband nicht dazu, ob das Fest stattfinden kann oder nicht. SChlecker
  • Ilsabe Weinfurtner
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Katastrophe. Das ist das Wort, das fällt, wenn es um die  Absage des Rosenheimer Herbstfestes geht. Eine Katastrophe für alle, denen das Spektakel bisher einen wichtigen Umsatz im Jahreskalender beschert hat. Der nun wegbricht, in einer Zeit, in der Corona schon für schlechte Geschäfte sorgt.

Update 28. April, 18 Uhr: 

Rosenheimer Herbstfest 2020 findet nicht statt

Gemeinsame Presseerklärung der Stadt Rosenheim und des Wirtschaftlichen Verbands der Stadt und des Landkreises Rosenheim e.V.

Rosenheim. Die Stadt Rosenheim hat dem Wirtschaftlichen Verband der Stadt und des Landkreises Rosenheim e.V. mit Festsetzungsbescheid vom 10.05.2017 die Durchführung des Rosenheimer Herbstfests für die Jahre 2017 bis 2021 gestattet. 

Zwischenzeitlich hat der Wirtschaftliche Verband als Veranstalter des Rosenheimer Herbstfestes beantragt, diese Festsetzung für 2020 aufzuheben, da er im Hinblick auf die kursierende Infektionsgefahr durch die Corona-Pandemie das Herbstfest 2020 absagen möchte.

Die Stadt Rosenheim hat diesem Antrag heute (28.04.2020) stattgegeben. Damit erlischt sowohl die Verpflichtung als auch die Berechtigung für den Wirtschaftlichen Verband, das Herbstfest 2020 durchzuführen.

Absage unumgänglich

„Die Stadt Rosenheim und der Wirtschaftliche Verband sind sich darin einig, dass angesichts der zwingenden Notwendigkeit, Infektionsketten zu durchbrechen und eine weitere Verbreitung des Corona-Virus zu unterbinden, die Absage des Rosenheimer Herbstfests im Jahr 2020 unumgänglich ist. Eine frühzeitige Absage des Herbstfests ermöglicht es allen Beteiligten, sich hierauf rechtzeitig einzustellen und einen möglichen wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten“, erklärten der Vorsitzende des Wirtschaftlichen Verbandes, Reinhold Frey, und Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl zur heutigen Entscheidung.

21. April

Es wird eng für die Volksfeste

Rosenheim – Mit Bangen und voller Sorge hatte man gestern auf die Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewartet. Klar war, wenn sie das Oktoberfest in München absagen, dann wird es ganz ganz eng für viele andere Volksfeste in der Region. Natürlich auch für das Herbstfest in Rosenheim.

Veranstalter vertröstet auf Mai

Noch hält sich der Veranstalter, der Wirtschaftliche Verband (WV), mit einer klaren Aussage zurück. Teilt lediglich schriftlich mit, man werde sich „zu gegebener Zeit“ äußern. Bis zum Söder-Reiter-Auftritt gestern hatte der WV stets gemeldet, man werde im Mai an die Öffentlichkeit treten, im Benehmen mit der Stadt. Ob es dabei bleibt, und warum man sich erst so spät zu Wort melden möchte, bleibt unklar.

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Klar aber ist, mit wem man auch spricht: Hoffnung, man könnte um die Absage herumkommen, hat niemand. Die Stimmung ist niedergeschlagen. Zu viele Branchen wird die im Raum stehende Absage betreffen.

Besonders dramatisch wird der Ausschlag nicht nur für die Schausteller sein, sondern auch für den Einzelhandel, die Taxler und viele, viele mehr. Für die Caterer, Gaststätten, Bars und für die Beherbergungsbetriebe. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Theresa Albrecht, die Rosenheimer Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Es gebe im Verband so viele, die spezialisiert seien auf das Herbstfest. Denen die Wiesn eine wichtige und bisher verlässliche Einnahmequelle gewesen ist. Bis die Corona-Krise kam. Bis der Virus nach und nach auch alle Hoffnung auf ein besseres „Später“ zunichte machte. „Wer jetzt einen Sitzplatz nicht belegen kann, der kann ihn gar nicht mehr besetzen“, sagt Theresa Albrecht.

Auch beim Einzelhandelsverband geht die Angst um

Aber auch, dass es schwer vorzustellen sei, wie das Herbstfest coronasicher zu feiern sei. Also mit der Einhaltung der Hygienevorschriften und des Mindestabstandes. „Man sitzt Körper an Körper, so ist das bei Volksfesten halt“, sagt sie. Und kann sich nicht vorstellen, dass in einem Bierzelt tatsächlich „nur vier Leute an einem Biertisch sitzen“. Angesichts des nun schon Wochen andauernden Lockdowns während Corona-Krise und der jetzt drohenden Absage des Herbstfestes sei es für viele Mitglieder im Verband schwierig, sich zu motivieren, der Zukunft etwas Positives abzugewinnen.

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Ein klein wenig hoffnungsvoller begegnet Maria Reiter der Situation. Sie führt in Rosenheim die „Boutique Beo“ am Max-Josefs-Platz und verkauft dort neben Mode auch Trachten. Juli, August und September: Das waren bisher die Monate, in denen das Geschäft besonders gut lief: Trachten waren gefragt, ein neues Gwand für die Wiesn, das hob den Umsatz regelmäßig um rund 50 Prozent, sagt Maria Reiter. Sie ist Vorsitzende des Rosenheimer Einzelhandelsverbandes und sagt, es sei schon „die Angst umgegangen“, dass die Wiesn ausfallen könnte.

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Sollte es so kommen, wovon sie ausgeht, treffe es den Einzelhandel nicht ganz unvorbereitet, aber doch hart. Allerdings es sei schwer, sich vorzustellen wie solche Volksfeste veranstaltet werden können, ohne die Sicherheitsbestimmungen, einzuhalten, die während der Corona-Krise gelten. Insgesamt, sagt Reiter, habe sich der Verband ein zügigeres Vorgehen von der Politik gewünscht. So habe sie selbst vor „über drei Wochen“ einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Geld sei bisher nicht bei ihr angekommen. Dass nun wohl auch das Herbstfest ausfällt, mache die finanzielle Lage nicht leichter. Dass nun auch der Wirtschaftliche Verband mit einer klaren Ansage zögert, bedauert sie. „Ich wäre froh, wenn sie sich äußern würden.“

Herber Schlag mitten in der Krise

Dass es in diesem Jahr keine Wiesn in Rosenheim geben wird, davon ist auch Sabrina Obermoser vom City-Management Rosenheim überzeugt. Sie spricht von einem herben Schlag, der die Großen im Geschäft genauso treffe, wie die Kleinen. Selbst für die WC-Dame im Festzelt oder auch für den Studenten, der sich während der Wiesn etwas dazuverdient, habe das verheerende Folgen. Folgen, die dann wiederum Kreise ziehen. Denn Geld, das nicht verdient werden kann, wird nicht ausgegeben und fehlt in den Kassen der Rosenheimer Einzelhändler.

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Wichtig sei es, nicht mutlos zu werden, nach Perspektiven zu suchen, sagt Sabrina Obermoser trotzdem. So wolle das City-Management auf Wirte zugehen und darüber ins Gespräch kommen, wie man das Herbstfest über kleine Akzente wie Trachtenveranstaltungen in die Gasthäuser bringen kann. „Wir lassen uns das Thema Herbstfest“ nicht nehmen, sagt Sabrina Obermoser. Nur die Gastronomie, die muss dann erst einmal wieder geöffnet sein.

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