Antrag an die Stadt

Biotonne für die Rosenheimer: Grüne und ÖDP-Stadtrat Halser starten neuen Versuch

Das Thema ist nicht neu: Die Biotonne konnte sich bisher in Rosenheim nicht durchsetzen.
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Das Thema ist nicht neu: Die Biotonne konnte sich bisher in Rosenheim nicht durchsetzen.
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Immer wieder geht‘s in Rosenheim um die Biotonne. Andernorts hat sie sich bereits bewährt. Deshalb wagen nun die Grünenfraktion sowie ÖDP-Stadtrat Horst Halser einen erneuten Versuch: Sie fordern in einem Antrag an OB Andreas März (CSU) ein Abholsystem für die Biotonne.

Rosenheim – Gibt es bald eine Biotonne in Rosenheim? Ja – zumindest wenn es nach den Rosenheimer Grünen und ÖDP-Stadtrat Horst Halser geht. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) fordern sie für Rosenheim, die Einführung einer Biotonne für jeden Haushalt, die von der Müllabfuhr geleert wird. Doch neu ist der Vorschlag nicht.

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Aktuell gibt es noch Presscontainer

Bananenschalen, Fleischabfälle und Speisereste landen bei den meisten Rosenheimern entweder auf dem häuslichen Komposthaufen, im Restmüll oder in einem der Presscontainer, die im Stadtgebiet zu finden sind. Grüne und ÖDP fordern mit der Einführung der Biotonne jetzt eine weitere Entsorgungsalternative – und wagen damit einen erneuten Anlauf. Denn das Thema sorgte bereits vor einigen Jahren für heftige Diskussionen im Stadtrat. Anlass damals war das neu in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz. Dieses fordert, die konsequente, hundertprozentige Getrenntsammlung von Bioabfällen und Restmüll – mit dem Ziel, dass biologisch abbaubare Biomasse komplett der Verwertung zugeführt wird.

441 Haushalte nutzen das Angebot

Der Stadtrat reagierte, stimmte für die Aufstellung der sogenannten Presscontainer. Seitdem holen sich Interessenten einen kostenlosen Chip aus dem Rathaus, mit dem die Presscontainer geöffnet und mit Bioabfällen gefüttert werden können. Doch die Resonanz ist schlecht – gerade einmal 441 Haushalte nutzen das Angebot.

Eine Biovergärungsanlage soll gebaut werden

Anlass genug für Grüne und ÖDP, die Biotonne wieder ins Gespräch zu bringen. Die Verwaltung möge Vorschläge zum Abholturnus der Müll- und der Biotonne erarbeiten. Außerdem: Zur Verwertung des Bioabfalls solle eine Biovergärungsanlage gebaut werden. Diese könnte auch im Verbund mit dem Landkreis Rosenheim und Nachbarlandkreisen errichtet und genutzt werden. Mit der Stadt Traunstein bestehe bereits ein Energieeffizienznetzwerk, welches als Grundlage dienen könnte.

Biotonne: Im restlichen Bundesgebiet beinahe flächendeckend

In ihrem Schreiben berufen sie sich auf die Verordnung der Getrenntsammelpflicht für Bioabfälle: Deshalb sei es notwendig, eine Biotonne im Holsystem auf dem Stadtgebiet Rosenheim einzuführen. Im restlichen Bundesgebiet werde das fast flächendeckend gemacht, argumentieren sie.

Der Landkreis Miesbach macht es vor

Bestes Beispiel: Der Landkreis Miesbach. Dort werde der gesamte Bioabfall seit einem freiwilligen Versuch 1990 in der Bioabfallvergärungsanlage des Kompostwerks im Wertstoffzentrum Warngau zu Kompost verarbeitet. Zudem entstehe Biogas, das in Strom und Wärme umgewandelt werde, teilte Annerose Hünerfeld, Mitarbeiterin des VIVO KU (Kommunalunternehmen für Abfall-Vermeidung, Information und Verwertung im Oberland), auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. „Die Biotonne wird im Landkreis Miesbach sehr gut angenommen“, so Hünerfeld. Pro Einwohner habe das Kompostwerk Warngau im vergangenen Jahr 105 Kilo Bioabfall verarbeitet. Heuer seien die Bioabfallmengen im Vergleich zum Vorjahr um etwa sechs Prozent gestiegen. Es ist eine Entwicklung, die sich Grüne und ÖDP wahrscheinlich auch für Rosenheim wünschen würden.

Kompost könnte an Landwirte verkauft werden

Neben der Einführung der Biotonne fordern die Politiker in ihrem Antrag zudem eine Biovergärungsanlage. In Rosenheim biete es sich an, das Biogas nach entsprechender Aufarbeitung in das Stadtgasnetz einzuleiten. Der übrig gebliebene feste Teil, könne als Kompost, und der flüssige Teil als Flüssigdünger, an Landwirten, Privathaushalte oder Landschaftsgärtnereien, verkauft werden.

Wie wichtig eine richtige Mülltrennung ist, weiß auch Annerose Hünerfeld. Aus der privaten Küche dürfen Abfälle von Gemüse, Obst, Salat, Fisch und Fleisch, Knochen, Speisereste, verdorbene Lebensmittel ohne Verpackung in die Biotonne, ebenso Eier, Kaffeefilter und Teebeutel. Aus dem Garten können pflanzliche Abfälle in die Tonne.

Abfälle möglichst trocken halten

Bioabfälle sollte man allerdings möglichst trocken halten, so das VIVO KU. Das heißt: Keine Suppen, Soßen und sonstigen Flüssigkeiten, Speisereste sollen abtropfen. Feuchte Küchenabfälle gelte es, in Zeitungspapier einwickeln oder in Papiertüten geben, die am Wertstoffhof oder im Handel erhältlich sind. Nichts in der Biotonne zu suchen haben Illustriertenpapier und nicht- kompostierbare Kunststofftüten, ebenso Kleintierstreu, Tierkadaver, Asche, Staubsauerbeutel, Steine oder Erde.

Wie es in Rosenheim mit der Biotonne weitergeht und ob sie sich dieses Mal vielleicht doch durchsetzen kann, wird sich in einem der kommenden Auschüsse entscheiden.

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