Postbote als Freund und Helfer

"Können Sie mir helfen?" 9-Jährige verläuft sich in Rosenheim – und trifft einen Schutzengel

Der Postbote Michael Schramm kümmerte sich um ein 9-jähriges Mädchen, das sich in Rosenheim verlaufen hatte.
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Der Postbote Michael Schramm kümmerte sich um ein 9-jähriges Mädchen, das sich in Rosenheim verlaufen hatte.
  • vonAlexandra Schöne
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Ein neunjähriges Mädchen aus Rosenheim hat am Donnerstag nicht mehr nach Hause gefunden. Postbote Michael Schramm bemerkte das Kind, das in der Burgfriedstraße weinend nach seinen Eltern rief. Er war nicht der erste, dem das Mädchen aufgefallen war. Aber der erste, der half.

Rosenheim – Michael Schramm alarmierte die Polizei, als er das umherirrende Mädchen sah – als einziger von mehreren Passanten, die in der Straße zu diesem Zeitpunkt unterwegs waren. Das Mädchen stand laut dem 42-jährigen Schramm mitten auf der Straße und rief weinend laut nach seiner Mutter und seinem Vater.

„Ich fand das schlimm, dass sich niemand sonst um das Kind gekümmert hat“

Es habe an die Scheibe eines vorbeifahrenden Autos geklopft, dieses habe jedoch nicht angehalten. Ein zweites Auto sei sogar im Bogen um das Mädchen herumgefahren. Auch Passanten auf dem Gehweg, darunter eine Mutter mit Kinderwagen, hätten die Neunjährige nicht beachtet.

„Ich fand das schlimm, dass sich niemand sonst um das Kind gekümmert hat“, sagt Michael Schramm. „Die Leute sind einfach weiter gegangen und gefahren. Das war schade.“ Er sei dann auf das Mädchen zugegangen, das ihn dann sofort um Hilfe gebeten habe.

Auf dem Weg nach Hause die Orientierung verloren

„‘Können Sie mir helfen, ich habe mich verlaufen‘, hat sie mir gesagt“, erzählt Schramm. Sie habe eine Freundin in der Gegend besuchen wollen und finde nicht mehr nach Hause. Er fackelte nicht lange und rief die Polizei. „Wenn jemand Hilfe braucht, helfe ich ihm natürlich, sofern es in meiner Macht steht“, sagt er. „Das ist doch selbstverständlich.“

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15 Minuten habe er mit der Neunjährigen auf die Streife gewartet und sie währenddessen beruhigt. Das Mädchen sei aufgelöst gewesen, habe Angst gehabt, ihre Eltern nie wiederzusehen. „Das geht einem ans Herz“, sagt Schramm.

Ein Wunsch blieb nach dem Happy-End unerfüllt

Sie habe sich bei ihm auch für die Hilfe bedankt und sich entschuldigt, dass sie den Postboten von der Arbeit abhielt. „Das war überhaupt kein Problem. Ich hätte mich auch eine Stunde mit ihr hingestellt und gewartet, das stand außer Frage“, sagt der 42-Jährige.

Einer der Polizisten habe sich nach Ankunft der Streife ebenfalls bei ihm bedankt. Die Adresse des Mädchens konnte schnell ermittelt werden, und die Beamten fuhren es anschließend nach Hause, so eine Pressemitteilung der Polizei.

Die Wohnung der Eltern lag nur ein paar Straßenzüge weiter. Laut Polizeiinspektion Rosenheim gefiel der Neunjährigen die Fahrt mit dem Polizeiauto, sodass das Mädchen die Polizisten sogar bat, mit Blaulicht zu fahren.

Diesem Wunsch habe man aber nicht nachkommen können.

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