6-Punkte-Plan: So will die Stadt Rosenheim die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise lindern

Wie leergefegt ist die Rosenheimer Fußgängerzone seit der Ausgangsbeschränkung. Mit einem Sechs-Punkte-Programm will die Stadt Rosenheim der heimischen Wirtschaft in der Corona-Krise unter die Arme greifen. Heininger

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus bremsen auch in Rosenheim das wirtschaftliche Geschehen drastisch. Deshalb hat die Stadt zusammen mit städtischen Tochterunternehmen ein Sechs-Punkte-Paket für die Unternehmen, Gewerbetreibenden und Selbständigen in Rosenheim erarbeitet.

Rosenheim – „Ziel muss es in einem ersten Schritt sein, die Unternehmen so weit wie möglich von Kosten zu entlasten und trotz Öffnungs- beziehungsweise Ausgangsbeschränkungen und damit einhergehenden Nachfrage- und Umsatzausfällen die Liquidität der Unternehmen zu sichern“, teilte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in einer Pressemitteilung der Stadt mit. „Dazu dienen die vom Bund bereits beschlossenen Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld sowie das Zehn-Milliarden-Euro-Soforthilfeprogramm des Freistaats Bayern.“ Ein wesentlicher Kostenblock sei aber auch die Steuerlast. Hier setze die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten primär bei der Gewerbesteuer an, so die Oberbürgermeisterin weiter.

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Einem Antrag der CSU-Fraktion folgend hat der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt am Dienstag in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, dass von der Coronavirus-Pandemie direkt betroffene heimische Unternehmen und Gewerbetreibende für den Rest des Jahres die Stundung speziell der Gewerbesteuer beantragen können. Ziel dieser Maßnahme ist laut Stadt die Sicherstellung der Liquidität der Betriebe.

Alternativ kommt die Reduzierung von Gewerbesteuervorauszahlungen für das laufende Jahr 2020 in Betracht. Hierzu sollte beim Finanzamt ein Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen gestellt werden. Außerdem verzichtet die Stadt nach eigenen Angaben in der Regel in der Zeit bis Jahresende auf die gesetzlich vorgesehene Verzinsung der Stundungen.

„Umgehend und unbürokratisch“

Die beiden genannten Maßnahmen sollen für alle Betriebe gelten, die in der Corona-Krise einen wirtschaftlichen Schaden erleiden. Bei Stundungen bis 31. Dezember 2020 sind als Erleichterung bei der Antragstellung betriebswirtschaftliche Nachweise nicht erforderlich. „Die Gewährung erfolgt umgehend und unbürokratisch“, teilte die Stadtverwaltung mit.

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Städtische Tochterunternehmen bieten als dritte Maßnahme im Einzelfall an, regelmäßig wiederkehrende finanzielle Belastungen zu reduzieren. Hierzu stehen als Ansprechpartner bei den Stadtwerken Rosenheim die jeweiligen Kundenbetreuer zur Verfügung. Die Veranstaltungs- und Kongress GmbH bietet als Beitrag zur Kostenentlastung zum 31. März Sonderkündigungsrechte für angemietete Stellplätze in den Parkhäusern an.

Auch das Unternehmen Komro hat für Corona-Betroffene Maßnahmen entwickelt: Denn allein in der vergangenen Woche sei der Datendurchsatz bei der Komro um rund 30 Prozent gestiegen. Das Telefonaufkommen sei nach Angaben des Telekommunikationsunternehmens im gleichen Zeitraum um rund 50 Prozent gestiegen.

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Die zusätzlichen Nutzungen verteilen sich laut Komro gleichmäßig über den Tag und sind demnach auf die derzeit ausgeprägte Nutzung von Homeoffice zurückzuführen. „Das Netz der komro ist für Belastungsproben wie diese gut gerüstet, auch bei stark ansteigenden Verkehrsszenarien wird ausreichend Kapazität zur Verfügung stehen“,sagte Komro-Geschäftsführer Gert Vorwalder.

Vor diesem Hintergrund bietet das Unternehmer nun sogenannte Express-Upgrades an. Geschäftskunden können von einem Tag auf den anderen in eine neue Wunschbandbreite wechseln. Aufgrund der aktuellen Situation sei das auch mit einer Sonderlaufzeit für nur drei Monate möglich.

Blick in die Zukunft

Nicht nur mit der Gegenwart, auch mit der Zukunft hat sich die Stadt bereits beschäftigt: Nach dem Wiederanlaufen der wirtschaftlichen Aktivitäten geht es nach Ansicht der Stadtverwaltung darum, die Rosenheimer Innenstadt wirksam wieder zu beleben. Das schaffe dem städtischen Einzelhandel und der Gastronomie die Möglichkeit, Umsatzausfälle wieder aufzuholen.

Dazu prüfe das Stadtmarketing in Abstimmung mit dem Citymanagement und dem Handelsverband, ob der am 29. März ausfallende Frühlingsmarkt nach Abschluss der Corona-Krise nachgeholt werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass das bayerische Sozialministerium solche Nachholungen zulasse.

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Als sechsten Punkt schlägt die Stadt vor, nach Wiederöffnung der Geschäfte zumindest vorübergehend den „Langen Donnerstag“ wieder einzuführen. Die einheitliche Ladenöffnung bis 20 Uhr ist nicht genehmigungspflichtig. Grundvoraussetzung hierfür wäre eine breite Beteiligung des innerstädtischen Handels. Ob zur Förderung der Innenstadt der „lange Donnerstag“ für einige Wochen mit Gratisparken von 18 bis 20 Uhr einhergehen kann, soll vom Stadtrat entschieden werden.

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