Vor Gericht

Betrunken Polizisten verletzt: 36-Jähriger Brannenburger zu Bußgeld verurteilt

Zwei mal binnen zwei Monaten musste der Angeklagte (36) von der Polizei abgeführt werden (Symbolfoto).
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Zwei mal binnen zwei Monaten musste der Angeklagte (36) von der Polizei abgeführt werden (Symbolfoto).
  • vonTheo Auer
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Zwei mal binnen gut zwei Monaten hatte sich ein 36-jähriger Mann – einmal in Rosenheim, einmal in Brannenburg – im betrunkenen Zustand der Polizei widersetzt und sogar Beamte verletzt. Dafür musste sich der Mann jetzt in Rosenheim vor dem Amtsgericht verantworten.

Rosenheim/Brannenburg – Am Donnerstag den 15. August 2019 wurden Beamte der Bundespolizei darauf aufmerksam gemacht, dass auf den Treppen zum Hauptbahnhof Rosenheim eine offensichtlich desorientierte Frau saß, die wohl der Hilfe bedürfe. Wie sich herausstellte war die Frau zumindest angetrunken und sprach von einem Freund, der zwei Menschen ermordet habe.

24-Jährige in Schutzgewahrsam

Wie sich später herausstellte, handelte es sich zwar um eine Tatsache, die aber lange zurücklag und mit einem Selbstmord des Täters endete, offensichtlich aber nach wie vor die Frau psychisch schwer belastete. Die 24-Jährige, die ihr Seelenheil auch vor den Beamten immer wieder in einer Dose Whisky-Cola suchte, hatte neben sich ein Fahrrad, das sie in diesem Zustand keinesfalls mehr benutzen konnte und sollte. Um dies sicherzustellen, beschlossen die Beamten nach Rücksprache mit der Inspektionsleitung die Frau in Schutzgewahrsam zu nehmen.

Als die Frau lauthals aufbegehrte, stürmte plötzlich der Angeklagte, deren derzeitiger Lebensgefährte, ebenfalls betrunken hinzu und versuchte diese dem Zugriff der Beamten zu entreißen. Nachdem sich die Situation zunächst beruhigt hatte, begehrte die Frau erneut laut schreiend gegen die Maßnahmen der Polizei auf, was dazu führte, dass die beiden Personen gewaltsam getrennt, gefesselt und zur Polizei in Gewahrsam gebracht werden mussten.

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Noch bizarrer die Ereignisse in Brannenburg, als in der Nacht des 17. Oktober 2019 die Polizei wegen erheblicher Ruhestörung zu Hilfe gerufen wurde. Vor Ort erklärten zwei Anwohner den Beamten, dass es sich wohl um einen Streit handle der da zwischen einem Paar öffentlich ausgetragen wurde. Sie wiesen den Beamten auch den Weg, den die beiden nächtlichen Ruhestörer genommen hatten.

Die Beamten staunten nicht schlecht, als ihnen der Angeklagte in der kalten Nacht bei etwa acht Grad völlig nackt entgegen kam. Nach seiner Identität befragt gab er keinerlei Antwort oder Erklärung für die obskure Situation. Nachdem er keinerlei Auskunft gab und sich die Beamten über die Situation erst klar werden mussten, zwangen sie ihn schließlich anzuhalten und legten ihm Handfesseln an.

Verschärft wurden die Umstände dadurch dass der Nackte die Beamten mit unflätigsten Beleidigungen und Schimpfwörtern bedachte. Drei Polizeistreifen waren nötig, um den Mann einigermaßen unbeschadet und mit einer Decke vor den nächtlichen Unbilden geschützt in den Polizeigewahrsam zu verbringen. Selbst dort fluchte und beschimpfte er die Beamten und versuchte gar nach einem der Polizisten zu schlagen.

Angeklagter entschuldigt sich

Wortreich entschuldigte sich der staatenlose 36-jährige kaufmännische Angestellte jetzt bei Gericht bei allen Polizeibeamten, die bei den Vorkommnissen beteiligt und vor Gericht aufgetreten waren und zeigte sich umfassend geständig. Er berichtete auch, dass er und seine Lebensgefährtin sich in einer Entziehung und Therapie befänden und ihre Partnerschaft daraus große Vorteile bezöge. Auch habe er inzwischen eine berufliche Festanstellung gefunden und sie beide seien nun auf dem besten Wege in eine gesicherte und hoffnungsvolle Zukunft.

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Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erklärte in ihrem Schlussvortrag, dass der Angeklagte die Verletzungen der Polizeibeamten möglicherweise nicht beabsichtigt hatte. In jedem Fall aber billigend in Kauf genommen – was eben strafbar sei. Dazu sei er, wenn auch schon länger zurück liegend, erheblich vorbestraft. Sie beantragte eine Haftstrafe von 18 Monaten, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Peter Dürr verwies auf zwei wesentliche Punkte. Sie sollten das Fehlverhalten seines Mandanten keineswegs entschuldigen, aber doch möglicherweise erklärbar machen. In allen Fällen war er erheblich alkoholisiert und vor allem bestrebt – freilich auf völlig falsche Weise – seiner Lebensgefährtin zu Hilfe zu eilen. Im nüchternen Zustand und mit gewissem Abstand sei ihm das völlig klar. Auch könne in den vorliegenden Fällen nicht wirklich von Körperverletzungen gesprochen werden, die allenfalls fahrlässig gewesen seien. Eine erhebliche Geldstrafe sei hier völlig ausreichend.

Billigend in Kauf genommen

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Maike Merklin konnte nur eine der angeklagten Körperverletzungen ausschließen. Ansonsten habe er derlei Verletzungen eben wirklich billigend in Kauf genommen. Besonders abgestoßen hatten sie nach eigenen Angaben aber die abscheulichen Beleidigungen, wie sie von den „Bodycams“ der Polizisten aufgezeichnet worden waren.

Bußgeld in Höhe von 1500 Euro

Weil aber andererseits der Angeklagte sich geständig und reuig zeige und mit seiner Lebensgefährtin offensichtlich eine rechtschaffene Zukunft anstrebe, setzte Richterin Maike Merklin die Strafe von 14 Monaten Haft auf drei Jahre zur Bewährung aus. Zudem muss er ein Bußgeld von 1500 Euro zahlen. Ein Verfahren gegen dessen Partnerin ist noch anhängig, hängt aber letztlich wohl vom Ergebnis eines noch zu erstellenden Gutachtens ab.

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