Damen-Modegeschäft „bellezza“ in der Gillitzerstraße schließt

30 Jahre Mode in Rosenheim verkauft: Ein Rückblick

Die erste Modenschau im „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim 1991.
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Die erste Modenschau im „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim 1991.
  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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Nach 30 Jahren endet die Geschichte des Damen-Modegeschäfts „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim. Wir haben mit Inhaberin Ulrike Corts zurückgeblickt.

Rosenheim - „Es ist alles sehr viel schnelllebiger und ausdifferenzierter geworden“, bemerkt Ulrike Corts im Gespräch mit rosenheim24.de. „Früher gab es ja Trends, die eine ganze Weile anhielten. Sagen wir mal: Ob die Hosen etwas enger oder weiter waren, welche Farbkombinationen gerade in waren und so weiter. Heutzutage gibt es ständig etwas neues. Gleichzeitig gibt es viele verschiedene Stile beziehungsweise Lebensstile und damit verbundene Kleidungsgewohnheiten.“

Damen-Modegeschäft „bellezza“ in der Gillitzerstraße in Rosenheim schließt nach 30 Jahren - Ein Blick zurück

30 Jahre lang hat sie das Damen-Modegeschäft „bellezza“ in der Gillitzerstraße geführt. Nun wird seine Geschichte Ende März ihr Ende finden. Es ist nicht das einzige Geschäft, das aktuell in Rosenheim schließen muss. Grund dafür ist nicht alleine die Corona-Pandemie. „Es war eine schöne Zeit. Aber ich wollte nach 30 Jahren aufhören. Eine liebe Mitarbeiterin wollte dann das Geschäft übernehmen.“ Doch diese Pläne zerschlugen sich. „Verständlicherweise will man in dieser Zeit nicht mit einem Geschäft neu durchstarten.“ Nach einem Räumungsverkauf im März wird die Schließung anstehen.

Modenschau des „bellezza“ Rosenheim im Hotel Wendelstein.

30 Jahre also ist es her, dass Ulrike Corts sich selbständig machte. „Das war noch, bevor 1997 der Karstadt eröffnete, als dort noch der alte, vollständige Gillitzer-Block mit dem Theater und so weiter stand“, erinnert sie sich. Durch einen Immobilienmakler erfuhr sie, dass für das Ladengeschäft ein neuer Mieter gesucht wurde. Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt noch in einer Boutique um die Ecke tätig. „Ich habe gleich gesehen: Die Lage war ideal und es hatte diese wunderbar großen Schaufenster.“

Modenschauen organisiert

„Das Geschäft wurde dann erstmal gründlich umgebaut“, berichtet Corts. „Im vorderen Bereich war zuvor noch ein Lagerraum. Auch der Bereich um die Sitzecke im hinteren Teil des Geschäfts wurde neu gestaltet. Am Ende entstanden die Räumlichkeiten für das Einkaufserlebnis, das sie sich vorgestellt hatte. „Um sich im hart umkämpften Rosenheimer Einzelhandel einen Namen zu machen, musste aber eine Idee her.“

So fand 1992 die erste große Veranstaltung im bellezza statt. „ Frauen jeden Alters präsentierten diese moderne, aber doch auch extravagante italienische und französische Mode, die man bisher so noch nicht in Rosenheim zu sehen bekam“, erinnert sie sich. Es sollte nicht die einzige Veranstaltung dieser Art sein. „Über die Jahre haben wir ja sogar richtig große Modenschauen in der Stadthalle aber auch Hotels und so weiter veranstalten können“, erinnert sich Corts.

Daneben gab es aber auch immer weiterhin kleinere Veranstaltungen im Geschäft in der Gillitzerstraße. „Das war dann im Kreis der Stammkundinnen und Mitarbeiterinnen. Neben der Mode ging es dabei aber auch einfach um das Zusammensein und gemeinsam einen schönen Abend zu haben.“

Viele Veränderungen über die Jahre

Viel hat hat sich über die Jahre getan. „Früher wusste man genau: Am langen Donnerstag oder an anderen bestimmten Tagen ist so und so viel los und konnte auch das Team entsprechend einteilen. Heute kann man das nicht mehr so sicher sagen. Auch die Laufkundschaft ist deutlich weniger geworden, schon vor Corona“, bemerkt Corts. „Da ist es umso wichtiger, treue Kunden zu haben.“

Modenschau des „bellezza“ Rosenheim in der Stadthalle 1998.

Ihrer Ansicht nach ist die persönliche Note, die enge Beziehung zum Stammkunden, der einzigartige Vorteil, den Ladengeschäfte weiter gegenüber dem Online-Handel haben. „Ja, der Algorithmus von Amazon schlägt Ihnen auch, basierend auf ihren vorherigen Käufen, was vor“, erklärt sie. „Aber er begrüßt sie nicht mit einem Lächeln, hat Zeit für einen Kaffee zwischendurch und kennt ihre Persönlichkeit. Manche Kundinnen kann ich bis heute damit überraschen, dass ich genau das Passende für sie vorbereitet habe, wenn sie mal wieder vorbeischauen.“

Nicht nur die Mode, auch das Einkaufsverhalten habe sich verändert, berichtet Corts weiter. „Durch die Vielfalt des Angebots, dass es heutzutage gibt, sind die Leute anspruchsvoller geworden. Sie wollen mehr ausprobieren, erwarten eine größere Auswahl. Das ist aber natürlich toll, so kommt jeder zu seinem individuellen Stil.“

hs

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