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Einzelhandel leidet unter Regel

2G-Regel: Verkäufer aus Rosenheim klagen über Umsatzverluste, Kontrollen und leere Innenstadt

Michaela Nagele vom Lederwarengeschäft „Dörfler Leder & Mehr“ bringt die Taschen auch an die Tür.
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Michaela Nagele vom Lederwarengeschäft „Dörfler Leder & Mehr“ bringt die Taschen auch an die Tür.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Mit Ausnahme der Geschäfte des täglichen Bedarfs gilt im Rosenheimer Einzelhandel seit einer Woche die 2G-Regel. Einkaufen darf nur noch wer geimpft oder genesen ist. Vier Einzelhändler über Umsatzverluste, Kontrollen und die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Rosenheim – Karin Michalzik wirft einen prüfenden Blick auf das Impfzertifikat. Die Inhaberin des Unterwäschengeschäfts „In.ti.mi“ gleicht die Daten mit dem Ausweis aus, nickt dem Kunden zu und gewährt den Eintritt in das Geschäft in der Stollstraße.

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„Meine Stammkunden brauchen mir ihren Ausweis nicht mehr zu zeigen“, sagt sie. Sie steht hinter der Kasse. Auf der Theke steht ein pink-weißes Schild, auf dem die wichtigsten Regeln zusammengefasst sind: FFP2-Maskenpflicht, 2G-Regel, maximal vier Kunden im Geschäft.

Karin Michalzik vom Unterwäschengeschäft „In.ti.mi“ fordert Gerechtigkeit.

Inhaberin fehlt die Gerechtigkeit

Karin Michalzik zuckt mit den Schultern. „Man merkt ganz deutlich, dass weniger Leute kommen“, sagt sie. Einige seien verunsichert, andere ziehe es aufgrund der verschärften Corona-Regeln nicht mehr in die Stadt. „Was ich noch viel schlimmer finde, ist die Tatsache, dass ich kontrollieren muss“, sagt Michalzik.

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Zudem könne sie nicht nachvollziehen, warum in einigen Geschäften nur Geimpfte und Genesene erlaubt sind, während man anderswo auch als Getesteter einkaufen darf. „Da sehe ich keine Gerechtigkeit“, sagt sie. Ginge es nach ihr, sollte im gesamten Einzelhandel lediglich eine Maskenpflicht gelten – oder aber 3G statt 2G. „Alles andere spült die Kunden zum Internethandel“, ist sich die Inhaberin sicher.

Frequenz mit Gastronomie höher

Diese Sorge hat auch Sabrina Obermoser vom Rosenheimer City-Management. Sie steht im ständigen Kontakt mit den Einzelhändlern, berichtet von einer „gedrückten Stimmung“. Zwar sei mehr Leben in der Stadt, seitdem die Gastronomie wieder geöffnet hat, dennoch sei die Frequenz nicht mit der vor zwei Jahren vergleichbar.

Susanne Huber von der Parfümerie Wiedemann verschickt täglich Ware.

Ausnahme für Corona-Verschärfung

„Es sind deutlich weniger Leute“, sagt auch Susanne Huber von der Parfümerie Wiedemann. Und das, obwohl ihr Geschäft von der 2G-Regel ausgenommen ist. Wie berichtet, gilt die Verschärfung der Corona-Regel nicht für Geschäfte wie Supermärkte, Drogerien oder Apotheken. Viele wüssten darüber allerdings nicht Bescheid.

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„Etliche unserer Kunden bestellen jetzt telefonisch“, sagt Susanne Huber. Sie und ihre Mitarbeiter würden fast täglich zur Post gehen, um die Waren zu verschicken. „Wir stehen immer noch gut da, hoffen aber trotzdem auf bessere Zeiten“, sagt sie.

„Wer unterwegs ist, kauft auch“

Ähnlich äußert sich Michaela Nagele vom Lederwarengeschäft „Dörfler Leder & Mehr“ am Max-Josefs-Platz 1. Über die vergangenen Monate habe auch sie beobachten können, dass immer weniger Menschen durch die Stadt bummeln. „Die Kundschaft, die jetzt unterwegs ist, kauft auch“, bestätigt Sabrina Obermoser.

Um auch Ungeimpften die Möglichkeit zu geben, eine neue Tasche zu kaufen, bringen Michaela Nagele und ihre Kollegen die Waren an die Tür. Auch können Bestellungen telefonisch beziehungsweise über Whatsapp abgegeben werden. „Wir schicken auch Videos nach Hause“, sagt Nagele. Neben dem Verkauf der Ware würde sie sich auch um das Scannen des Impfpasses kümmern. Die meisten Kunden würden bereits ihren Ausweis und ihr Handy bereithalten.

Melisa Kahraman (links) und Karin Göbbels vom Damenmodegeschäft „Block6“.

Bändchen in Bayern nicht zulässig

Genau hier wünscht sich Sabrina Knierer vom Damenmodegeschäft „Block6“ eine Vereinfachung. „Ein 2G-Bändchen als Vorweis würde Sinn machen“, sagt sie. Statt ständig Ausweis und Zertifikate aus der Tasche zu kramen, könnten die Kunden so ihr Bändchen in die Höhe strecken. Was in anderen Bundesländern bereits umgesetzt wird, ist in Bayern jedoch nicht zulässig. So hatte das bayerische Gesundheitsministerium bekannt gegeben, dass das Bändchenmodell mit der geltenden Rechtslage nicht in Einklang zu bringen sei.

60 Prozent weniger Einnahmen

„Seit dem Lockdown und 2G haben wir 60 Prozent weniger Kundenfrequenz“, sagt Knierer. Eine Besserung scheint nicht in Sicht, auch wenn die Inzidenzzahlen weiter sinken. „Es ist trotzdem wichtig, dass wir unseren Optimismus nicht verlieren“, sagt Sabrina Obermoser vom City-Management und erinnert auch weiterhin daran, wie wichtig es ist, den regionalen Handel zu unterstützen.

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